Schild mit Beschriftung neben einem Gebäude-Eingang (Foto: SWR)

Plädoyers vor Offenburger Landgericht Mord an einem Arzt - Angeklagter soll in Psychiatrie

Im Arzt-Mord-Prozess vor dem Landgericht Offenburg (Ortenau) hat der Staatsanwalt die dauerhafte Unterbringung des mutmaßlichen Täters in einer psychiatrischen Klinik gefordert.

Der Angeklagte habe im Wahn gehandelt und leide unter einer psychischen Krankheit, sagte Staatsanwalt Kai Stoffregen vor dem Landgericht Offenburg am Donnerstag. Von ihm gehe eine hohe Gefahr für die Allgemeinheit aus, es bestehe das große Risiko weiterer schwerer Straftaten. Dies habe ein psychiatrisches Gutachten bestätigt.

Staatsanwalt sieht Täterschaft als unbestritten

Dass er der Täter sei, sei unbestritten. Er habe Mitte August vergangenen Jahres den 52 Jahre alten Allgemeinmediziner in dessen Praxis mit zahlreichen Messerstichen getötet und eine Arzthelferin verletzt. Die Tat hatte in der mehr als 60.000 Einwohner zählenden Stadt für Unruhe gesorgt und Betroffenheit ausgelöst.

Verteidiger und Nebenkläger schließen sich Forderung an

Die drei Vertreter der Nebenkläger sowie die zwei Verteidiger schlossen sich der Forderung an. Die Tat sei einzig und allein auf die psychische Erkrankung des Angeklagten zurückzuführen. Das Urteil will das Gericht am 12. März verkünden.

Der Mediziner war den Angaben zufolge nach mindestens 20 Messerstichen in Kopf und Hals am Tatort gestorben. Der Angeklagte wurde kurze Zeit nach der Tat in Offenburg festgenommen. Er sitzt seither in Untersuchungshaft und bestreitet die Tat.

Motiv: Rache für fehlerhafte ärztliche Behandlung

Der Anklage zufolge wollte er sich für eine aus seiner Sicht fehlerhafte ärztliche Behandlung rächen. Er sei offenbar davon ausgegangen, von dem Mediziner bei einer vorangegangenen Blutentnahme vergiftet worden zu sein. Ein anderes Motiv gebe es nicht.

Der Arzt hinterlässt eine Frau und die gemeinsame, zehn Jahre alte Tochter. Die Familie leide unter der Tat, sagte Rechtsanwalt Rainer Stumm. Dies zeige die schriftliche Aussage der Tochter. "Ich wünsche mir wieder eine vollständige Familie", habe sie geschrieben.

Gericht muss die Schuldfähigkeit feststellen

Um den Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik unterbringen zu können, müsse er für schuldunfähig erklärt werden, erklärte Rechtsanwalt Gerson Trüg, der die Ehefrau des getöteten Mediziners in dem Prozess vertritt. Dies habe zwar juristisch einen Freispruch zur Folge: "Dies darf nicht als Schwäche des Rechtsstaates gesehen werden, sondern als die einzige richtige Maßnahme." Der Mann werde nicht in Freiheit kommen. Die Allgemeinheit sei so vor ihm geschützt.

Der Angeklagte stammt der Anklage zufolge aus dem afrikanischen Dschibuti und nicht, wie er anfangs zunächst gesagt hatte, aus Somalia. Die Ermittler gehen davon aus, dass er 27 Jahre alt ist. Er selbst hatte in dem Prozess überraschend ausgesagt, 38 Jahre alt zu sein. Belege hierfür gibt es laut Gericht aber nicht.

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