Orchidee im Naturschutzgebiet Taubergießen (Foto: SWR)

Nicht nur Biologen sind entsetzt Wertvoller Orchideen-Bestand im Taubergießen gestohlen

Unbekannte haben Anfang dieser Woche im Naturschutzgebiet Taubergießen Tausende Orchideen systematisch gestohlen. Denn für die seltenen Knollen zahlen Liebhaber viel Geld.

Der Taubergießen südlich von Offenburg (Ortenaukreis) ist ein einzigartiges Naturschutzgebiet. Wasserläufe durchziehen Urwälder, unzählige Zugvögel machen im Frühjahr auf dem Weg von Afrika nach Skandinavien hier Station. Auf den Magerwiesen wachsen sehr seltene Pflanzen, zum Beispiel Orchideen. Jetzt haben Unbekannte systematisch rund 3.000 der seltenen Pflanzen gestohlen und damit das größte Orchideenvorkommen Europas zerstört.

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Dietmar Keil und seine Tochter Silke kennen jeden Winkel im Taubergießen. Der Offenburger Biologe und Naturfilmer kommt seit Jahrzehnten hierher, Orchideen sind seine große Leidenschaft. Die Blüte dieses Jahr versprach fantastisch zu werden. Keil war entsetzt, als er entdeckte, dass jemand Orchidee für Orchidee säuberlich mit der Schaufel ausgegraben hatte.

Orchideendiebe waren offenbar Profis

Hummelorchideen, Spinnenorchideen – nirgends in Europa wuchsen sie so zahlreich wie im Taubergießen. "Die Orchideenräuber", sagen die Keils, "waren keine Hobby-Orchideenfans, die sich verbotenerweise was Exotisches für den eigenen Garten besorgen wollten. Nein, das waren Profis."

Verkaufswert im Online-Handel auf 300.000 Euro geschätzt

Silke Keil entdeckte, dass im Internet tatsächlich Knollen angeboten wurden. Ausländische Händler bieten Spinnenorchideen zum Kauf an, das Stück für 80 oder 100 Euro. Der Verkaufswert der gestohlenen Orchideen könnte demnach bei rund 300.000 Euro liegen. "Wir bräuchten eine Orchideenpolizei" – sagen Vater Keil und seine Tochter – "Ranger, die sich jetzt zur Blütezeit auf die Lauer legen. Drüben in Frankreich gibt es die schon lange."

Polizei: "Nie dagewesenes Umweltverbrechen"

Im Freiburger Regierungspräsidium hielt man Ranger bislang für überzogen. Dieter und Silke Keil aber hoffen, dass man jetzt in der Behörde aufwacht. Die Polizei spricht von einem "nie dagewesenen Umweltverbrechen" und hofft über Zeugen und soziale Medien, Hinweise auf die Täter zu finden.

Der Bestand im Taubergießen galt unter Orchideenfreunden als europäisches Naturwunder. Ob er sich noch einmal erholen wird ist fraglich. Mindestens ein halbes Jahrhundert würde es aber dauern, glauben Experten.

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