Neue Evakuierungspläne für Südbaden Was tun bei einer AKW-Katastrophe?

In Waldshut hat das Regierungspräsidium Freiburg über neue Evakuierungspläne im Fall eines katastrophalen Atomunfalls informiert. Nicht alle Zuhörer ließen sich überzeugen.

Es ist eine Katastrophe, über die man eigentlich gar nicht nachdenken will: Ein schwerer Unfall in einem der grenznahen Atomkraftwerke - ob Fessenheim, Leibstadt oder Beznau - und ganz Südbaden muss evakuiert werden. Das zu organisieren und zu planen, ist Aufgabe des Regierungspräsidiums Freiburg.

Dauer

Weil die Strahlenschutzkommission des Bundes im Jahr 2014 neue Empfehlungen ausgesprochen hatte, musste das Regierungspräsidium die Katastrophenschutzpläne überarbeiten. Über den aktuellen Stand der Evakuierungsplanung hat die Behörde im Landratsamt Waldshut vor rund 200 interessierten Zuhörern informiert.

Innerhalb von sechs Stunden räumen

Die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission sehen vor, dass im Fall der Fälle die "Kernzone" innerhalb von sechs Stunden geräumt sein muss. Das zu evakuierende Gesamtgebiet umfasst ein Radius von 100 Kilometern vom betroffenen Atomkraftwerk ausgehend.

Das Kernkraftwerk Fessenheim spiegelt sich im Fluss (Foto: dpa Bildfunk, SWR, Picture Alliance)
AKW Fessenheim - eines der grenznahen Atomkraftwerke Picture Alliance

Das Regierungspräsidium arbeitet seit 2015 am neuen Katastrophenschutzplan. Dafür hat es mit Gemeinden, Feuerwehren und Polizei Kontakt aufgenommen, Daten erhoben, Sammelstellen und Straßensperrungen geplant, berichtet Tina Schlick, die beim Regierungspräsidium für die neuen Notfallpläne zuständig ist. Doch auch nach vier Jahren Arbeit ist der Plan noch nicht fertig, räumt Schlick ein.

Neue Notfallpläne noch nicht fertig

Kein Wunder, dass sich viele Menschen nicht gut informiert fühlen - auch das wurde bei der Veranstaltung in Waldshut deutlich. Wie fliehen, wenn schon ohne Katastrophen die Straßen verstopft sind? Wie sollen die Jodtabletten zu denen kommen, die sie nehmen müssen? Wie warnen, wenn es in vielen Gemeinden keine Sirenen mehr gibt? Auf diese Fragen gab es für die Zuhörer keine beruhigenden Antworten.

Kein Schutz vor der Katastrophe

Und so blieb am Ende des Abends das Fazit vieler Zuhörer, dass für den Fall der Katastrophe zwar geplant werde, das sei jedoch kein Schutz vor der Katastrophe. Der einzige wirksame Schutz - darin waren sich alle einig - wäre, die Atomkraftwerke abzuschalten.

STAND