Eine verzierte Fassade eines älteren Gebäudes (Foto: SWR, Patrick Seeger)

Monatliche Zahlungen geplant Erzdiözese Freiburg will Missbrauchsopfer unterstützen

Das Erzbistum Freiburg plant als erste Diözese in Deutschland, kirchliche Missbrauchsopfer mit monatlichen Zahlungen zu unterstützen. Ein entsprechendes Konzept wurde am Mittwoch vorgestellt.

Die geplante Einführung von "regelmäßigen Unterstützungsleistungen" sei eine direkte Konsequenz aus Gesprächen mit Betroffenen, sagte Bischof Stephan Burger bei einer Pressekonferenz. Sexueller Missbrauch an Minderjährigen habe lebenslange Folgen und könne die Existenz gesundheitlich und beruflich stark beeinträchtigen.

Dauer

Bis zu 800 Euro monatlich

Die Unterstützung von monatlich bis zu 800 Euro soll auf Personen beschränkt sein, die infolge des erlittenen Missbrauchs "bedürftig" sind, also nicht für ihren Lebensinhalt aufkommen können. Die entsprechende Ordnung soll spätestens zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Zugleich will das Erzbistum einen "Beratungspool" einrichten, um Betroffenen bei der Suche nach geeigneten Therapeuten zu helfen. Therapiekosten werden laut Ordnung übernommen.

Ein Mann in Priestertracht mit Brille (Foto: SWR)
Erzbischof Stephan Burger

Erzbistum will "Betroffenenbeirat" gründen

Auch sei angedacht, die Gründung eines "Betroffenenbeirats" zu unterstützen. Zudem müssten die "großen und besonders schweren Fälle" des Kindesmissbrauchs vollständig aufgeklärt und aufgearbeitet werden, so Burger. Dabei geht es vor allem um jahrelangen sexuellen Missbrauch durch einen Gemeindepfarrer in Oberharmersbach (Ortenaukreis) mit Dutzenden Opfern sowie um Missbrauchsvorwürfe gegen mehrere Priester in der Bodensee-Wallfahrtskirche Birnau.

Hunderte Betroffene allein in Südbaden

Die nun vorgestellten Pläne sind erste Ergebnisse der von Burger eingesetzten Kommission "Macht und Missbrauch", der Kirchenmitarbeiter und externe Experten angehören. Laut der im vergangenen Jahr veröffentlichten bundesweiten Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gibt es im Erzbistum Freiburg bislang Hinweise auf 190 Beschuldigte und 442 Betroffene.

STAND