Missbrauchsfall Staufen: Ein Spanier steht vor Gericht (Foto: picture-alliance / dpa, Patrick Seeger)

Urteil im Missbrauchsfall Staufen Javier D. zu zehn Jahren Haft verurteilt

Zehn Jahre Haft, keine Sicherungsverwahrung und 18.000 Euro Schmerzensgeld für den missbrauchten Jungen – so lautet das Urteil des Landgerichts Freiburg. Javier D. hat zugegeben, den Jungen mehrfach vergewaltigt zu haben.

Das Gericht sah den Tatbestand des schweren Missbrauchs und der Zwangsprostitution als erwiesen an, außerdem die Herstellung kinderpornografischer Schriften. Zudem ordnete das Landgericht Freiburg am Montag die Zahlung von 18.000 Euro Schmerzensgeld an. Dieses Geld gehe an das Opfer. Auf die von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geforderte Anordnung von Sicherungsverwahrung für den 33-jährigen Javier D. verzichtete das Gericht. Es gebe hierfür nicht die notwendige rechtliche Grundlage, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

Dauer

Mehrfache schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution

Der aus der Nähe von Barcelona stammende Angeklagte hatte zugegeben, den damals in Staufen lebenden und heute zehn Jahre alten Jungen mehrfach vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Verurteilt wurde der Spanier wegen mehrfacher schwerer Vergewaltigung, Kindesmisshandlung und Zwangsprostitution, sowie Herstellung kinderpornografischer Schriften.

Zwei Jahre im Darknet angeboten

Der Junge war mehr als zwei Jahre lang im Darknet - einem anonymen Teil des Internets - angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Seine Mutter (48) und ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte (39) werden dafür verantwortlich gemacht. Sie haben gestanden.

In dem Fall gab es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen. Das Urteil gegen die Mutter und den Lebensgefährten wird das Landgericht Freiburg am Dienstagvormittag verkünden.

Hat der Spanier auch ein Mädchen getötet?

Neben dem Missbrauch des Jungen wurde der Spanier im Laufe des Prozesses noch mit dem Tod eines Mädchens in Weißrussland in Verbindung gebracht. Er soll das Kind vergewaltigt und mit einem Stetoskop erdrosselt haben. Dieses wurde bei dem Jungen aus Staufen gefunden. Ob das Mädchen allerdings tatsächlich mit genau diesem Stetoskop umgebracht wurde, ist unklar. Ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Freiburg läuft. Dieses hat aber für den aktuellen Fall keine Bedeutung.

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