Jubiläum der Jüdischen Gemeinde Lörracher Torarolle im Landtag vollendet

Die neue Torarolle der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach wurde am Freitag im baden-württembergischen Landtag in Anwesenheit von Vertretern aus Politik, Kirche und Religionsgemeinschaften vollendet.

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17:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

"Damit setzen wir ein gemeinsames Zeichen der wechselseitigen Verbundenheit und des Vertrauens", sagte Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne). Die Zusammenkunft jüdischer, christlicher und islamischer Würdenträger, die in Baden-Württemberg heimisch seien, unterstreiche die Bereitschaft zum Dialog.

Die Israelitische Kultusgemeinde Lörrach ließ anlässlich des zehnten Jahrestags der Einweihung ihrer neuen Synagoge eine neue Torarolle anfertigen. Diese sei ein Jahr lang in Jerusalem von Hand mit einer Feder geschrieben worden, sagte Moshe Flomenmann, Landesrabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Die letzten Buchstaben wurden zu Ehren von Vertretern aus Politik und Religionsgemeinschaften - einer jüdischen Tradition entsprechend - gemeinsam geschrieben. "Vor 80 Jahren hat man in Parlamenten beschlossen, jüdisches Leben zu vernichten. Heute machen wir hier etwas sehr Schönes, wir haben die Torarolle vollendet", sagte Flomenmann.

Einweihung ist ein Freudenfest

Die Einweihung der neuen Torarolle ist für die Jüdische Gemeinde in Lörrach ein Freudenfest. Denn in keiner anderen Religion stehen heilige Schriften so sehr im Zentrum wie im Judentum. Die Tora beinhaltet die fünf Bücher Mose des Alten Testaments. In jedem jüdischen Gottesdienst wird sie aus dem Toraschrein geholt und daraus gelesen.

Ein Jahr lang hat ein speziell geschulter Kalligraf die Tora von Hand geschrieben. Mehr als 300.000 hebräische Buchstaben musste er auf Pergament malen: mit einem Gänsekiel und einer speziellen schwarzen Tinte. Eine anstrengende Konzentrationsarbeit. Denn jeder noch so kleine Fehler macht die Torarolle unkoscher - also ungeeignet für den Gottesdienst.

Erzbischof und Landesbischof kommen

Mit der neuen Tora verfügt die Lörracher Gemeinde nun über drei koschere Schriftrollen. Damit können erstmals hohe Feiertage angemessen gefeiert werden. Fast 500 Mitglieder zählt die Gemeinde derzeit, die meisten von ihnen sind Russlanddeutsche. Inzwischen gibt es hier sogar eine kleine jüdische Infrastruktur, zum Beispiel seit kurzem auch ein koscheres Café.

Für die Einweihung der neuen Torarolle am Sonntag haben sich auch zahlreiche Ehrengäste angesagt. Darunter der Freiburger Erzbischof Burger und der evangelische Landesbischof Cornelius-Bundschuh.

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