Personen in einem Gerichtssaal (Foto: picture-alliance / dpa, Patrick Seeger)

Letzter Prozess im Staufener Missbrauchsfall Angeklagter 33-jähriger Spanier legt Geständnis ab

Der im Staufener Missbrauchsprozess angeklagte Spanier hat die Vorwürfe vor dem Freiburger Landgericht am Donnerstag gestanden. Die Anklage hat von schweren Straftaten gesprochen.

Mit einem Geständnis des Angeklagten hat der siebte und vorerst letzte Prozess im Missbrauchsfall Staufen bei Freiburg begonnen. Ein 33 Jahre alter Mann aus Spanien räumte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Freiburg am Donnerstag die Taten ein. Er habe schwere Straftaten begangen und dem heute zehn Jahre alten Jungen großes Leid zugefügt, sagte der aus der Nähe von Barcelona stammende Mann. Er habe das Kind mehrfach vergewaltigt und hierfür Geld gezahlt: "Ich bin dafür verantwortlich und schuldig." Als Grund nannte er sein sexuelles Interesse an Kindern. Sein Wunsch sei es, eine Therapie machen zu können. Ein Urteil soll es Anfang August geben.

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Junge im Darknet gegen Geld für Vergewaltigungen angboten

Der damals in Staufen lebende Junge war mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Seine Mutter (48) und deren wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte (39) haben dies gestanden. In dem Fall gab es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen. Die Männer wurden einzeln angeklagt. Die Mutter und deren Lebensgefährte stehen gemeinsam vor Gericht.

Spanier soll 10.000 Euro für 15 Vergwaltigungen gezahlt haben

Der Mann aus Spanien habe den Jungen in mindestens 15 Fällen vergewaltigt und der Mutter und dem Lebensgefährten hierfür mehr als 10.000 Euro bezahlt, sagte Staatsanwältin Nikola Novak. Er sei hierfür von Anfang September 2016 bis August 2017 mehrfach aus Spanien ins südliche Baden-Württemberg gereist und habe für die Taten Ferienwohnungen angemietet. Die Mutter des Kindes und der Lebensgefährte seien dabei und an den Missbrauchstaten beteiligt gewesen. Der Junge sei erniedrigt, beleidigt, gedemütigt, gefesselt, maskiert und misshandelt worden.

Der Mann, der den Angaben zufolge in Spanien bei einer Futtermittelfirma arbeitete, habe sich als in Belgien lebender, italienischer Kinderarzt ausgegeben, sagte Novak. Er habe den Missbrauch gefilmt und diese Filme über das Darknet verkauft.

Wegen Kinderpornografie bereits in Spanien zu Haft verurteilt

Die Staatsanwaltschaft will Novak zufolge eine langjährige Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung erreichen. Dem Angeklagten würden unter anderem Vergewaltigung, schwerer Menschenhandel und schwere Zwangsprostitution vorgeworfen. Wegen Besitz von Kinderpornografie war er in Spanien 2014 bereits zu sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Der Prozess wird fortgesetzt. Nach Angaben des Landgerichts sind zunächst vier Verhandlungsstage geplant.

Aufmerksame Zeugin lieferte Hinweis auf Spanier

Dem Spanier auf die Spur kam die Polizei durch eine aufmerksame Zeugin, wie der Chefermittler vor Gericht in den bisherigen Prozessen sagte. Die Frau, Vermieterin einer der Ferienwohnungen, habe Verdacht geschöpft und das Auto des Spaniers fotografiert, als dieser mit dem Kind in der Wohnung war. Über das Kennzeichen dieses Mietwagens konnte die Polizei den Mann schließlich ausfindig machen.

Nach Angaben der beiden Hauptbeschuldigten im Staufener Missbrauchsfall wollte der Spanier bei Staufen sogar ein Haus kaufen und das Paar sowie das Kind dort kostenfrei wohnen lassen. Im Gegenzug sollte er jederzeit Zugriff auf das Kind haben, lautete demnach der Plan.

Im Oktober 2017 wurde der Beschuldigte von der spanischen Polizei festgenommen und im Dezember nach Deutschland überstellt. Laut Polizei hat er umfassend gestanden.

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