Drei Männer und zwei Frauen in einem Gerichtssaal (Foto: SWR, Jan Ludwig)

Mutter von Maria H. am Freiburger Landgericht "Die Ungewissheit war unerträglich"

Im Prozess um die jahrelang verschwundene Maria H. schilderte am Freitag die Mutter das Verschwinden und die Rückkehr ihrer Tochter. Sie tritt vor dem Freiburger Landgericht als Zeugin auf.

Im Gegensatz zu ihrer Tochter, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit von den am Prozess beteiligten Parteien befragt wurde und umfassend ausgesagt hat, äußerte sich die Mutter öffentlich. Sowohl Maria als auch ihre Mutter treten in dem Verfahren als Nebenklägerinnen auf.

Fünf Jahre ohne Kontakt

Die Mutter schilderte vor Gericht ruhig, wie ihre Tochter im Mai 2013 verschwand. Maria habe sie damals angerufen und behauptet, sie sei bei einer Freundin. Doch als die Mutter dort anrief, wusste deren Familie von nichts. Maria meldete sich noch einmal, sagte, sie habe sich verlaufen. Danach herrschte fünf Jahre Funkstille.

Mutter leidet bis heute an den Folgen

"Die Ungewissheit war unerträglich", sagte die Mutter. Sie habe Tag und Nacht an ihre Tochter gedacht. Als Maria schließlich Anfang September 2018 überraschend zurückkam, sei sie überglücklich gewesen; allerdings leide sie bis heute an den Folgen jener Zeit. Maria gebe sich selbst die Schuld, erklärte die Mutter vor Gericht - sie habe noch nicht verstanden, dass nicht sie, sondern der 40 Jahre ältere Bernhard H. für ihr Verschwinden verantwortlich gewesen sei.

Maria musste Hunger leiden

Ihre Tochter leide ebenfalls bis heute und müsse das Geschehene noch aufarbeiten, sagte Marias Mutter. Da sie mehr als fünf Jahre untergetaucht und nicht zur Schule gegangen war, müsse sie noch einen Schulabschluss nachholen. Sie benötige Hilfe und Medikamente, auch für ihre Ernährung. Während der Abwesenheit hätten sie und Bernhard H. zeitweise auf der Straße gelebt und sich von Brot und mit Wein vermischtem Wasser ernährt. Maria sei stark traumatisiert und würde noch Jahre brauchen, bis sie wieder ein normales Leben führen könne, so die Mutter.

Auch Ex-Frau des Angeklagten wurde vernommen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagten am Freitag außerdem sowohl die Ex-Frau des Angeklagten, als auch deren erwachsene Tochter aus. Letztere soll der 58-Jährige im Kindesalter ebenfalls sexuell angegangen haben. Auch eine Freundin von Maria sollte angehört werden. Dem Beschuldigten werden Kindesentziehung und schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Maria hatte den Mann im Internet kennengelernt. Er war vor sechs Jahren mit der damals 13-Jährigen in Italien untergetaucht und soll das Mädchen mehr als 100 Mal sexuell missbraucht haben.

STAND