Prozess-Auftakt im Fall der langjährig verschwundenen Maria H. aus Freiburg mit großem Medien-Interesse (Foto: SWR, Sebastian Bargon)

Landgericht Freiburg Maria H. jahrelang verschwunden - 58-Jähriger vor Gericht

Im Fall der mehr als fünf Jahre lang verschwundenen Maria H. hat am Mittwoch der Prozess gegen einen 58-jährigen Mann begonnen. Vorwurf: Kindesentziehung und schwerer sexueller Missbrauch.

Dem 58 Jahre alten Deutschen aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen, mit dem Maria H. verschwunden war, wird nicht nur Kindesentführung zur Last gelegt. Er habe das Mädchen kontrolliert, ihm Kontakte zu anderen verboten und es in 108 Fällen sexuell missbraucht, sagte Staatsanwältin Nikola Novak zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Freiburg am Mittwoch.

Dauer

Öffentlichkeit zum Schutz von Persönlichkeitsrechten ausgeschlossen

Der Mann räumte ein, mit Maria untergetaucht zu sein. Für seine Aussagen zu den Vorwürfen der Anklage wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Als Grund nannte das Gericht Persönlichkeitsrechte des Angeklagten, die geschützt werden müssten. Sein Verteidiger wollte sich Medien gegenüber am Mittwoch nicht äußern.

Der Angeklagte Bernhard H.  (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Angeklagter im Prozess um das lange Verschwinden von Maria H. aus Freiburg Sebastian Bargon

Anklagter hatte offenbar zur elfjährigen Maria schon Chat-Kontakt

Der Anklage zufolge war der verheiratete Familienvater im Mai 2013 mit der damals 13-jährigen Maria ins Ausland geflüchtet, ohne dass deren Eltern von dem Plan wussten oder einverstanden waren. Erste Kontakte habe es bereits im April 2011 gegeben, sagte Novak. Der rund 40 Jahre ältere Mann habe die damals Elfjährige über ein Chat-Forum im Internet kontaktiert und sich dabei anfangs als Teenager ausgegeben. Die Beziehung zu ihr habe er dominiert. In den mehr als fünf Jahren, in denen Maria und der Mann durch Europa reisten und untergetaucht waren, habe Maria kein Mobiltelefon nutzen oder ins Internet gehen dürfen.

Maria H. überraschend zur Mutter nach Freiburg zurückgekehrt

Der Mann war im September vergangenen Jahres in Italien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Maria war zuvor laut Staatsanwaltschaft geflüchtet, überraschend zu ihrer Mutter nach Freiburg zurückgekehrt und hatte bei der Polizei ausgesagt. Demnach war das Paar seit Mai 2013 durch Europa gereist und hatte die vergangenen zwei Jahre in einer Wohnung auf Sizilien gelebt. Finanziert habe es das Leben dort mit Gelegenheitsjobs.

Maria H. mit ihren Anwälten im Gerichtssaal des Freiburger Landgerichts (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Maria H. mit ihren Anwälten beim Prozessauftakt im Gerichtssaal des Freiburger Landgerichts Sebastian Bargon

Suche mit internationalem Haftbefehl blieb erfolglos

Die Polizei hatte den Mann mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Sie ging den Angaben zufolge weltweit mehr als 1.000 Hinweisen nach. Zudem gab es Aufrufe im Internet und in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY - ungelöst", jedoch ohne Erfolg.

Maria H. und ihre Mutter treten als Nebenklägerinnen auf

Maria H., die Mitte April 19 Jahre alt wurde, und ihre Mutter treten in dem Prozess als Nebenklägerinnen auf. Sie wollten sich zum Prozessauftakt nicht gegenüber der Öffentlichkeit äußern.

Mehrjährige Haft droht - Gericht prüft Sicherungsverwahrung

Bei Kindesentzug drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahren Haft, in schweren Fällen bis zu zehn Jahren. Zudem prüft das Gericht, ob anschließende Sicherungsverwahrung möglich ist. Die formellen Voraussetzungen dafür seien gegeben, sagte die Staatsanwältin. Nun müsse das Gericht prüfen, ob es Sicherungsverwahrung anordne.

Sieben Verhandlungstage geplant - Urteil wohl Ende Juni

Für den Strafprozess sind sieben Verhandlungstage geplant. Gehört werden sollen 15 Zeugen und ein psychiatrischer Sachverständiger. Ein Urteil soll es Ende Juni geben

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