Prozessauftakt in Freiburg im Fall der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen (Foto: SWR)

Gruppenvergewaltigung Prozess in Freiburg: Verteidiger sehen rechtsstaatliches Verfahren gefährdet

Vor der Jugendkammer des Freiburger Landgerichts ist der erste Prozesstag eines großen Verfahrens zu Ende gegangen. Angeklagt sind elf junge Männer, überwiegend Flüchtlinge, die eine 18-jährige Frau vergewaltigt haben sollen.

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18:15 Uhr
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Ende des ersten Prozesstages

Der erste Tag des großen Prozesses endete gegen 15 Uhr. Jörg Ritzel, der Verteidiger des Hauptangeklagten, und sein Mandant haben sich noch nicht geäußert. Drei der Angeklagten machten Angaben zur Person. Der Prozess wird voraussichtlich am 1. Juli fortgesetzt. Dann wird vermutlich der Verdächtige mit deutscher Staatsangehörigkeit vernommen.

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19:30 Uhr
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Der vermeintliche Tathergang

Laut der Anklage soll einer der Männer der jungen Frau und ihrer Freundin zwei Ecstasy-Tabletten verkauft und ihr zusätzlich K.o.-Tropfen verabreicht haben. Der Hauptangeklagte soll die junge Frau unter dem Vorwand, ihr ein Tattoo am Oberschenkel zeigen zu wollen, nach draußen gelockt und sie in dem 50 Meter entfernten Wäldchen vergewaltigt haben. Danach soll er seine Bekannten zu der wehrlos am Boden liegenden Frau geführt haben, die sich dann auch sexuell an ihr vergangen haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft hat sich das Opfer gewehrt. Demzufolge sollen die Angeklagten erkannt haben, dass das Opfer unter Drogeneinfluss stand und die Wehrlosigkeit der jungen Frau ausgenutzt haben.

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Öffentliche Aufmerksamkeit kritisiert

Zum Auftakt des Prozesses kritisierten die Verteidiger eine aus ihrer Sicht übertriebene öffentliche Aufmerksamkeit, die ein "rechtsstaatliches Verfahren gefährdet". Anwalt Hans-Jörg Wennekers sagte, die Beweislage der Anklage sei äußerst dünn. Dabei habe die Staatsanwaltschaft mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand "nur Belastendes" ermittelt.

Mit mehr als einer Stunde Verspätung hatte der Prozess begonnen, da bis 9 Uhr noch nicht alle Angeklagten eingetroffen waren. Laut Rechtsanwalt Jörg Ritzel haben die Beschuldigten untereinander Kontaktverbot. Sie seien jeweils in einzelnen Haftanstalten untergebracht und sind von Mannheim über Stuttgart und Offenburg (Ortenaukreis) bis Lörrach an der Schweizer Grenze und Freiburg über ganz Baden-Württemberg verteilt.

Für viele Zuschauer irritierend betrat einer der Angeklagten lautstark auf Arabisch schimpfend den Gerichtssaal und richtete den ausgestreckten Mittelfinger gegen die Anwesenden.

Verteidiger kündigt Erklärung an

Kurz vor Beginn hatte Jörg Ritzel, der Verteidiger des Hauptangeklagten, eine Erklärung seines Mandanten angekündigt. Er wolle einer Vorverurteilung entgegenwirken. Worum es dabei geht, hören Sie im folgenden Audio.

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Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Am Anfang der Ermittlungen gerieten die Polizeibehörden und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) in die Kritik. Die Ermittler hätten mit der Festnahme des Hauptverdächtigen, gegen den wegen weiterer Straftaten ein Haftbefehl vorgelegen habe, zu lange gewartet. Die Behörden widersprachen dem Vorwurf. Strobl hatte das Zögern mit ermittlungstaktischen Gründen begründet. Am Mittwochabend bestätigte er dieses Vorgehen im SWR Fernsehen erneut. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, den Hauptverdächtigen zu verhaften, da dies die Festnahme weiterer Verdächtiger behindert hätte, bekräftigte Strobl.

Das andere Problem sei nach wie vor, dass man niemanden nach Syrien abschieben kann. Strobl forderte in der SWR-Extra-Sendung die Bundesregierung erneut auf, ständig zu prüfen, ob es wieder sichere Gebiete in Syrien gibt. "Dann, so bin ich der Auffassung, müssen gefährliche Straftäter auch dahin rückgeführt werden können."

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Die elf Männer müssen sich nun unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen vor Gericht verantworten wegen Vergewaltigung und unterlassener Hilfeleistung. Der Hauptbeschuldigte, ein Syrer, soll der 18-Jährigen in einer Diskothek Betäubungsmittel gegeben haben, so dass sie wehrlos war. Dann hat er sie laut Anklage in einem nahen Wäldchen vergewaltigt und andere Männer dazu angestiftet. Angeklagt werden acht Syrer, ein Iraker, ein Algerier und ein Deutscher. Dass gegen alle Angeklagten in einem Verfahren verhandelt wird, soll der 18-Jährigen die wiederholte Aussage in elf Prozessen ersparen. Sie ist Nebenklägerin.

Wegen der vielen Angeklagten und Prozess-Beteiligten wurde der Gerichtssaal umgebaut. Das Verfahren ist bis Jahresende angesetzt. Rund 50 Zeugen sollen aussagen. Denn die Tatvorwürfe müssen im Detail belegt werden.

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