Erwin Teufel (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Felix Kästle)

Interview mit Erwin Teufel zum 80. Geburtstag "Zwischen den Ohren ist es gut - bin sehr zufrieden"

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) feierte am Mittwoch seinen 80. Geburtstag. Im SWR-Interview erzählt er, mit welchen Themen er sich beschäftigt.

Wie geht es Ihnen, Herr Teufel?

Also, es geht mir recht gut. Ich bin gesundheitlich noch beieinander. Ich sehe ein bisschen schlechter und höre ein bisschen schlechter durch einen dienstlichen Unfall. Aber ich sage, solange es zwischen den Ohren gut ist und es mir insgesamt gut geht, bin ich sehr zufrieden.

Wie verbringen Sie denn jetzt diesen ganz besonderen Tag, ihren achtzigsten Geburtstag?

Ich gehe allein mit meiner Frau auf den Dreifaltigkeits-Berg, zu dem Spaichingen gehört, und wir gehen dort in den Gottesdienst. Und ich rechne damit, dass dann die ersten Gratulanten hier ankommen. Wir haben keine konkreten Anmeldungen, aber da kommen bestimmt 30, 40 Leute zusammen. Und dann am späten Nachmittag, fahren wir nach Stuttgart wo der Ministerpräsident im Neuen Schloss eine Einladung ausgesprochen hat und dann auch zu einem Abendessen eingeladen hat.

Straffes Programm aber man hörte schon, Sie sind bis heute ziemlich aktiv. Und wenn wir jetzt sagen würden, Sie sind ein aktiver Rentner, wäre das wahrscheinlich noch ziemlich untertrieben. Beschreiben Sie doch mal kurz, wie sieht heute so ein ganz normaler Tag bei Ihnen aus?

Bei mir ist es so, dass ich Gott sei Dank noch eine Sekretärin habe, die dreimal einen halben Tag kommt, und wir können dann die ganze umfangreiche Post erledigen. Dann bekomme ich sehr viele Einladungen zu Vorträgen. Ich sage lieber zu als ab, und ich bin noch in einer Fülle von Organisationen, Stiftungen tätig, in Beiräten. Das baue ich Stufe um Stufe jetzt mit meinem achtzigsten Geburtstag ab. Ich hatte früher einen 16, 18 Stunden Tag, und jetzt habe ich auch einige Abende in der Woche frei. Bei schönem Wetter können wir auch den späten Abend zuhause genießen, meine Frau und ich.

Dauer

Sie haben sich nach Ihrer Amtszeit als Ministerpräsident im Jahr 2005 nochmal einen lang ersehnten Wunsch erfüllt und haben angefangen, Philosophie zu studieren in München. Warum?

Ich habe mich im letzten Winkel meiner Freizeit mit Theologie beschäftigt, aber in der Philosophie war ich nicht auf der Höhe der Zeit. Ich habe mit 110 D-Mark - den ersten, die ich verdient habe - fünf Monats-Zeitschriften abonniert. Soweit sie noch bestehen, habe ich die bis zum heutigen Tag, 55 Jahrgänge also. Und ich habe sie nicht nur aufgehoben, sondern ich habe sie auf meinem Laptop verfügbar. Sodass ich mich auf jedes Thema, indem ich nicht so drin bin, spielend und wirklich auch freuend vorbereiten kann und das alles ist nebenher gelaufen und füllt mich heute besonders aus.

Jetzt sind wir schon im Heute bei den Wahlen in Sachsen und in Brandenburg und auch schon bei anderen Landtagswahlen. Und auch bei der Bundestagswahl musste die CDU ja teils deutliche Verluste hinnehmen, die AfD hat zugelegt. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein? Woran liegt das?

Ja, natürlich tut es mir leid, aber ich mische mich nicht mehr ein. Ich hatte mir fest vorgenommen, nicht in der Politik weiter mit zu mischen. Ich wollte auch nicht, dass sich andere in meine Aufgaben einmischen. Und ich wollte das deshalb auch keinem anderen Nachfolger zumuten.

Aber jetzt sind Sie immer noch sehr informiert, beschäftigen sich mit vielen Themen, haben viele Interessen und kommen ja auch viel rum. Was hat sich denn in Ihren Augen in unserer Gesellschaft, in den letzten Jahren verändert, auch was so zentrale Werte wie Gerechtigkeit oder Demokratie angeht?

Ja, Sie haben es schon angedeutet in Ihrer vorletzten Frage. Wir haben eine rechtsradikale Partei. Meine Erfahrung ist, dass wenn Rechtsradikale über fünf Prozent kommen, liegt ein augenblickliches Protest-Verhalten von Wählern vor, die selbst nicht Rechtsradikale sind, aber ihren Protest zum Ausdruck bringen wollen. Heute liegt ein ungelöstes Problem vor, und dieses Problem muss gelöst werden, damit die AfD keine Chance mehr hat.

Jetzt noch mal von der AfD zurück zu Ihnen. Sie waren Ihr Leben lang wahnsinnig aktiv und viel unterwegs. Gelebt haben Sie aber immer im Raum Rottweil, da wo Sie auch geboren worden sind, heute in Spaichingen. Was bedeutet die Gegend für Sie? Was hält Sie in Spaichingen?

Also, meine Frau und ich haben uns natürlich unterhalten, als ich nach Stuttgart gekommen bin: Was machen wir jetzt? Wir haben uns dann entschieden, in Spaichingen zu bleiben. Nachdem ich zwei Jahre in Stuttgart war, haben wir hier gebaut und der Tatsache verdanken wir heute, dass drei von vier Kindern in Spaichingen oder in der Nachbarschaft verheiratet sind. Neun von zehn Enkelkindern und zwei Urenkel sind in Spaichingen, sodass wir regen Kontakt haben zu unseren Kindern und vor allem auch zu unseren Enkelkindern. Und das finde ich ganz besonders schön.

Das Interview mit Erwin Teufel führte SWR-Moderatorin Dinah Steinbrink am 3.9.2019 im Studio Freiburg.

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