Leute in Gerichtssaal (Foto: SWR)

Hauptprozess im Staufener Missbrauchsfall Christian L. fordert eigene Sicherungsverwahrung

Im Staufener Missbrauchsprozess hat die Staatsanwaltschaft hohe Haftstrafen für die Mutter des Jungen sowie Christian L. gefordert. Der verdutzte zum Prozessende mit einem ungewöhnlichen Wunsch.

Für den jahrelangen Missbrauch eines Kindes in Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) hat die Staatsanwaltschaft am Freitag vierzehneinhalb Jahre Haft für die Mutter gefordert. Deren früherer Lebensgefährte, Christian L., solle dreizehneinhalb Jahre ins Gefängnis, sagte Staatsanwältin Nikola Novak in ihrem Plädoyer. Zudem solle für Christian L. anschließende Sicherungsverwahrung verhängt werden. Für die Mutter forderte Novak dies nicht. Die Anwältin, die den missbrauchten Jungen vor Gericht vertritt, schloss sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft an.

Christian L. bat um eigene Sicherungsverwahrung

Die Verteidigerin von Christian L. plädierte für ihren Mandanten auf eine Strafe von neun Jahren Haft zuzüglich Sicherungsverwahrung. Um die Sicherungsverwahrung habe ihr Mandant ausdrücklich gebeten, sagte sie. Sein Wunsch sei es, therapiert zu werden. Bei Sicherungsverwahrung können die Täter theoretisch unbegrenzt eingesperrt bleiben, wenn von ihnen eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Der Verteidiger der Mutter soll am 1. August plädieren.

Bevor die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, beantragte die Anwältin der Missbrauchsopfer hohe Schmerzensgeldforderungen, die die beiden Hauptangeklagten bezahlen sollen. 12.500 Euro für den schweren Missbrauch des damals dreijährigen Mädchens und 30.000 Euro für Missbrauch und Zwangsprostitution des Jungen. Das Leben beider Kinder sei durch die Taten schwer beeinträchtigt worden. Die Anwälte der beiden Angeklagten erklärten, sie seien mit diesen Summen einverstanden.

Urteilsverkündung auf August verschoben

Ursprünglich wollte das Gericht in der kommenden Woche urteilen. Das wurde auf August vertagt. "Den Prozess zu entschleunigen" tue der Entscheidung, den Verfahrensbeteiligten und den Betroffenen gut, erklärte Richter Stefan Bürgelin am Freitag. Ein Sprecher des Landgerichts hatte am Donnerstag bereits mitgeteilt, das Landgericht wolle das Urteil nach neuem Zeitplan erst am 7. August verkünden.

Die 48-jährige Mutter des inzwischen zehnjährigen Jungen und der 39-jährige Christian L. haben gestanden, den Jungen mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie den Jungen sowie die damals dreijährige Tochter einer Bekannten auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben.

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