Pflegeheim-Leiter Harald Preinl "Sonst müssen wir 20 Stellen streichen"

Harald Preinl leitet das Pflegeheim "Wohnpark an der Kander". Er hat am Donnerstag auch gegen die Vorgaben der Landesheimbauverordnung demonstriert.

Harald Preinl (Foto: SWR, Michael Hertle)
Harald Preinl, Leiter des Pflegeheims "Wohnen an der Kander" in Kandern Michael Hertle

SWR: Herr Preinl, welche Auswirkungen hat die Einzelzimmer-Regelung auf Ihren Betrieb?

Harald Preinl: Wir haben 78 Bewohner in unserer Einrichtung. Davon sind 26 Bewohner in Doppelzimmern und 26 in Einzelzimmern untergebracht. Wir versuchen bis zum Jahr 2027 die Ausnahmeregelung zu kriegen, dass wir unsere Zweibettzimmer weiter betreiben dürfen. Falls das nicht funktioniert, müssen wir Stellen, in einer Größenordnung von 15 bis 20 Mitarbeitern, streichen. Viele von ihnen sind Frauen, die zwischen 50 und 60 Jahre alt sind. Die könnten 2027 dann geordnet in Ruhestand gehen und müssten nicht entlassen werden. Zudem fehlen im Landkreis viele Pflegeplätze.

Diese Verordnung ist nicht über Nacht gekommen. Sie hatten zehn Jahre Zeit, die Doppelzimmer in Einzelzimmer umzuwandeln oder vielleicht anzubauen. Worin ist das alles gescheitert?

Seit dem Jahr 2015 gibt es sogenannte "ermessenslenkende Richtlinien", und seitdem sind wir ständig im Gespräch mit der Heimaufsicht. Aber unsere Vorschläge wurden immer torpediert. Das heißt, wir haben versucht, in die Höhe zu bauen. Das ist aus finanziellen Gründen gescheitert, weil wir sonst Pflegesätze hätten, die nicht mehr refinanzierbar sind. Für 19 Pflegeplätze in Einzelzimmern liegen die Kosten, Stand 2017, bei mindestens drei Millionen Euro. In die Breite können wir nicht bauen. Wir hätten jetzt nur die Möglichkeit, unsere Pflegeplätze auf 52 zu reduzieren.

Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Bündnis90/Die Grünen) sagt, es gebe Heimbetreiber, die - angesprochen auf die Frist von zehn Jahren - auf Zeit spielen. Fühlen Sie sich da angesprochen?

Nein, fühle ich mich nicht. Das haben wir nie gemacht. Wir haben immer wieder in engem Kontakt mit der Heimaufsicht gestanden und haben versucht Lösungen aufzuzeigen. Die sind immer wieder gescheitert, weil wir ganz einfach keine Möglichkeit haben, in die Breite zu bauen. Unseren Zimmern fehlen 1,5 Quadratmeter, um die Übergangsregelung bis 2027 zu erreichen. Darum geht es ja.

Das heißt, man kann auch nicht irgendwelche Wände herausnehmen und vielleicht irgendeine Besenkammer streichen und dafür die Zimmer vergrößern?

Ja gut, eben... - das wollen wir halt auch nicht. Wir haben eine moderne Einrichtung, die damals nach der Heimmindestbauverordnung gebaut wurde. Damals galt der Vorflur noch als Wohnfläche. Doch durch die neue Heimbauverordnung, die seit 2009 greift, ist der Vorflur weggefallen.

Was sagen denn die Menschen, die bei ihnen wohnen dazu, dass sich möglicherweise bald etwas ändert?

Ich bin bestimmt nicht gegen die Einzelzimmerverordnung, ganz im Gegenteil. 80 bis 85 Prozent unserer Bewohner fragen nach Einzelzimmern. Wir versuchen dann also auch immer, jemanden umziehen zu lassen, wenn jemand im Doppelzimmer wohnt. Nur wir sind eben kein Hotel. Die meisten, die hier wohnen, sind schwerstpflegebedürftig, und da kommt es auf die Qualität bei der Pflege an. Und nicht nur, was den baulichen Standard angeht.

Glauben Sie denn, die Demonstration vor dem Landratsamt Lörrach kann noch etwas bewirken? Das Land wirkt doch recht entschlossen.

Das Land wirkt entschlossen. Ich bin auch ein Stück enttäuscht, dass sich politisch kaum etwas bewegt. Was mich sehr freut, ist, dass die Demonstrationen von Kandernern Bürgern initiiert wurde - und auch von Mitarbeitern.

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