Gurrendes Symbol zum Valentinstag Turteltaube – die Liebesbotin braucht Unterstützung

Die ersten Turteltauben auf dem Rückweg zu uns wurden an der deutsch-französischen Grenze am Oberrhein gesichtet. Die Taube, Symbol für Friede, Zuversicht und ewige Liebe mit langer Tradition braucht Hilfe.

Besonders gern wird die zart gurrende Turteltaube als Liebessymbol gesehen. Sie schnäbelte und turtelte früher häufig, höchst romantisch, in lichten Wäldern mit grünem Unterwuchs, Auwäldern und an Waldsäumen. Ohne effektiven Schutz könnte es sie bald nur noch auf Postkarten zum Valentinstag statt in der Natur im Südwesten geben.

Turteltaube ist der "Vogel des Jahres 2020" (Foto: Pressestelle, NABU Baden-Württemberg)
Turteltauben schnäbeln und gurren am liebsten in lichten Wäldern Pressestelle NABU Baden-Württemberg

Gute Futter- und Nistplätze für "Vogel des Jahres 2020" immer seltener

Die schlanke Turteltaube, Vogel der Jahres 2020, ist eine Leistungsfliegerin. Die einzige Langstreckenzieherin unter den fünf bei uns heimischen Taubenarten trifft ab Ende April bis Mitte Mai aus ihrem Winterquartier südlich der Sahara bei uns ein. Hier findet sie jedoch immer seltener gute Futter- und Nistplätze.

Zahl der Brutpaare im Südwesten hat sich in nur zwölf Jahren halbiert

"Früher konnte man das markante Gurren bald an jedem Dorfrand oder Flussufer hören. Seit Ende der 1980er Jahren ist die kleine Taube im Sinkflug, seit 1992 sind die Brutbestände stark eingebrochen. Heute brüten in Deutschland nur noch 12.500 bis 22.000 Paare unserer kleinsten Taubenart mit dem farbenfrohen Gefieder. Das sind 89 Prozent weniger als 1980. Im Südwesten hat sich die Zahl der Brutpaare in nur zwölf Jahren, von 2004 bis 2016, halbiert, auf etwa 700 bis 1.200 Brutpaare", sagt NABU-Artenschutzreferent Martin Klatt.

Turteltaube ist der "Vogel des Jahres 2020" (Foto: Pressestelle, NABU Baden-Württemberg)
Brutbestände der Turteltauben sind stark eingebrochen Pressestelle NABU Baden-Württemberg

Lichte Wälder sind ideal für das scheue Täubchen

Die scheue Turteltaube hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Baden-Württemberg nur noch in wenigen Regionen. Sie lebt vor allem in niedrigen Höhenlagen bis 450 Meter, wie in der Oberrheinebene, im Tauberland, im Donautal und am Bodensee. Besonders wohl fühlt sie sich in Auwäldern, Feldgehölzen, an Waldrändern und Waldlichtungen, teilweise auch in Gärten und Parkanlagen. Auch auf ehemaligen Truppenübungsplätzen oder in Weinbau-Regionen, wie dem Kaiserstuhl, trifft man sie an. Entlang des Rheins findet sie etwa im Rastatter Ried gute Bedingungen. Restbestände von Eichen-Ulmenwäldern und Waldsäume bieten dort Nahrung, zum Beispiel Wildkräuter und Baumsamen. In den Bäumen und Büschen findet sie Brutplätze.

Turteltaube ist der "Vogel des Jahres 2020" (Foto: Pressestelle, NABU Baden-Württemberg)
Die Turteltaube, "Vogel des Jahres 2020", sucht Brutplätze in Büschen und Bäumen Pressestelle NABU Baden-Württemberg

Turteltauben profitieren von Renaturierung der Auwälder und Waldsäume

Wo Bäche und Flüsse über die Ufer treten können, bilden sich für die Turteltaube lebenswichtige Trinkstellen. Wo die natürliche Rückkehr von Standort-typischen Gehölzen zugelassen wird, Auwälder renaturiert und extensiv genutzte Waldsäume gefördert werden, dort profitieren Turteltäubchen.

NABU-Petition fordert Jagd-Stopp für Turteltauben

Auch ein vom NABU geforderter Jagdstopp in der EU greift der Turteltaube direkt unter die Flügel. "Wissenschaftler konnten nachweisen, dass jährlich mehr Turteltauben legal getötet werden, als die Art verkraften kann, mit über 1,4 Millionen Tieren. Die Jagd auf diese geschütze Art muss endlich gestoppt werden", fordert Klatt. Mehr als 75.000 Menschen unterstützen die Forderung des NABU in einer Petition an die Bundesregierung. "Die EU-Kommission muss jetzt handeln und einen Jagd-Stopp für Turteltauben erwirken", heißt es darin.

Bundesumweltministrium setzt sich für Schutz der Turteltaube ein

Anlässlich der Übergabe der NABU-Petition zum Schutz der Turteltaube sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium und Waldshuter SPD-Abgeordnete Ria Schwarzelühr-Sutter am Freitag: "Die Turteltaube ist ein Symbol für Frieden und Liebe, aber weitaus weniger bekannnt ist die Tatasache, dass der Vogel des Jahres 2020 in seinem Bestand stark gefährdet ist. Das Bundesumweltministerium setzt sich deshalb bei der Europäischen Kommission für einen besseren, europaweiten Schutz der Turteltaube ein. Denn auch unsere nationalen Maßnahmen für den Habitat-Schutz, die auf Länder-Ebene umgesetzt werden müssen, sind nur dann erfolgreich, wenn es in anderen EU-Staaten Beschränkungen für die Jagd der Turteltaube gibt. Das Bundesumweltministerium wird sich deshalb auch weiterhin für ein europaweites Jagdmoratorium einsetzen."

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