Geplatztes Joint Venture Bolivien stoppt Lithium-Projekt mit baden-württembergischer Firma

Bolivien hat eine Unternehmenskooperation zur Lithium-Gewinnung mit einer Firma aus Baden-Württemberg überraschend gestoppt. Der Rohstoff wird zur Herstellung von E-Auto-Batterien gebraucht.

Uyuni: Blick auf den größten Salzsee der Welt, den Salar de Uyuni, im bolivianischen Hochland. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Georg Ismar/dpa)
Bis zu 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid sollten pro Jahr aus dem Salzsee Uyuni gewonnen werden. picture alliance/Georg Ismar/dpa

Die Regierung von Präsident Evo Morales habe das Dekret aufgehoben, durch das das Joint Venture zur Lithium-Gewinnung mit der baden-württembergischen Firma ACI Systems gegründet wurde. Das teilte der Gouverneur des Departements Potosí am Sonntag (Ortszeit) laut Nachrichtenagentur ABI mit. Die deutschen Partner wurden davon überrascht.

ACI Systems erklärte am Montagnachmittag, zunächst nur aus der Presse von diesem Schritt erfahren zu haben. "Eine offizielle Information von bolivianischer Seite ist bisher nicht erfolgt und für uns ist es auch nicht nachvollziehbar", teilte Firmenchef Wolfgang Schmutz mit. Bis vor wenigen Tagen sei noch alles planmäßig gelaufen. "Wir werden daher erst einmal wie geplant am Projekt weiterarbeiten."

Lithium aus dem Salzsee Uyuni gewinnen

Das deutsch-bolivianische Gemeinschaftsprojekt war erst vor einem Jahr ins Leben gerufen worden. Das im vergangenen Dezember in Berlin vereinbarte Joint Venture des Staatsunternehmens YLB und der Firma ACI Systems aus Zimmern bei Rottweil zielte darauf ab, Lithium aus dem Salzsee Uyuni zu gewinnen. Eine Begründung für den Rückzieher der Regierung wurde nicht bekanntgegeben.

Proteste der bolivianischen Bevölkerung

Im Departement Potosí, in dem der Salzsee liegt, war es zu Protesten gegen das Projekt gekommen, weil die lokale Bevölkerung nach Ansicht der Demonstranten keinen guten Schnitt gemacht hätte. Im Salzsee Uyuni werden die weltweit größten Lithium-Vorkommen vermutet. Der Rohstoff wird unter anderem zur Produktion von Batterien für Elektroautos benötigt.

Lithiumhydroxid für Hunderttausende E-Autos

Dem Abkommen zufolge sollte YLB 51 Prozent der Anteile am Joint Venture halten. Geplant war von 2022 an eine Förderung von 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr, mit Investitionen von 300 bis 400 Millionen Euro. Damit ließen sich Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien ausstatten.

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