Verfahrensbeteiligte im Gerichtssaal (Foto: SWR, Peter Steffe)

Fünfter Prozesstag in Freiburg Chefermittler sagt zu Gruppenvergewaltigung aus

Am Landgericht Freiburg hat der Chefermittler der Kriminalpolizei am Donnerstag ein ganz anderes Bild vom mutmaßlichen Tatgeschehen gezeichnet, als am Vortag einer der Angeklagten.

Die Verhandlung am Donnerstag hat damit begonnen, dass ein Beamter der Kriminalpolizei das Tatgeschehen detailliert geschildert hat. Der 40-jährige Kriminaloberkommissar stellte die Situation ganz anders dar, als einer der Angeklagten, der am Mittwoch vor Gericht ausgesagt hatte.

In Verhören belasteten sich Angeklagte gegenseitig

Der Kriminalbeamte schilderte unter anderem, was Angeklagte und Zeugen in den Polizeiverhören angegeben hatten. Demnach hatten sich die Angeklagten gegenseitig belastet und auch Details zu den sexuellen Übergriffen auf die Frau genannt.

Bei den verschiedenen Verhören mit Dolmetschern, sei auch das Thema K.O.-Tropfen zur Sprache gekommen. Die Kriminalpolizei konnte aber nicht ermitteln, ob und wer von den Angeklagten der jungen Frau die betäubende Flüssigkeit in der Diskothek ins Getränk getan hatte, erklärte der 40-jährige Kriminaloberkommissar.

18-Jährige mehrfach vernommen

Die Kriminalpolizei Freiburg hat auch die mutmaßlich Geschädigte mehrfach vernommen. Die 18-Jährige hatte die mutmaßliche Vergewaltigung gleich am nächsten Tag angezeigt. Mindestens zehn Männer, habe die Frau angegeben, seien über sie hergefallen. Bis auf den Hauptangeklagten könne sie aber keinen wiedererkennen. Den Ermittlungsergebnissen zufolge sei die junge Frau nicht in der Lage gewesen, sich gegen die sexuellen Übergriffe der Männer zu wehren - auch weil sie die Droge Ecstasy eingenommen hatte.

Alle ihre Aussagen zum Tatgeschehen seien deckungsgleich gewesen, so der Polizeibeamte. Die 18-Jährige habe in der Tatnacht Mitte Oktober außerdem massive Verletzungen davongetragen wie Hautabschürfungen, Kratzspuren und zahlreiche Blutergüsse.

Spuren und Sachverständige spielen wichtige Rolle

Genaue Erklärungen zu den Verletzungen und deren Entstehung soll im weiteren Prozessverlauf eine Rechtsmedizinerin abgeben. Sie hat das Opfer damals untersucht.

Nach Aussage des Chefermittlers ist die Kriminalpolizei insgesamt 235 Spuren in dem Fall nachgegangen. Die Ermittlungsgruppe habe teilweise mit Zugriffsteams aus rund 30 Beamten bestanden. Die Ermittlungsergebnisse füllen 78 große Aktenordner.

Zwei der Angeklagten bestreiten Vergewaltigung

Am Mittwoch hatten zwei der elf Angeklagten bestritten, die Frau vergewaltigt zu haben. Der Sex mit ihr sei einvernehmlich gewesen. Der eine sagte selbst aus, der andere, der als Hauptbeschuldigter gilt, ließ seinen Anwalt eine Erklärung verlesen.

Aussage der Geschädigten verschoben

Die mutmaßlich Geschädigte wurde nicht - wie zunächst geplant - für Donnerstag geladen, sondern soll zu einem späteren Termin aussagen. Die Frau ist in dem Verfahren auch Nebenklägerin. Als sicher gilt, dass die Öffentlichkeit bei ihrer Aussage ausgeschlossen wird. Ob die 18-Jährige per Video befragt werden kann, wie von ihrer Anwältin beantragt, ist aber noch nicht geklärt.

Gericht muss über Video-Befragung entscheiden

Während acht Pflichtverteidiger einer Video-Aussage zustimmten, waren drei dagegen, darunter auch Jörg Ritzel, Anwalt des Hauptangeklagten. Er will die junge Frau bei ihrer Aussage im Gerichtssaal sehen. Sein Mandant streitet die Vergewaltigung der 18-Jährigen ab. Ein psychiatrischer Sachverständiger sagte, würde die junge Frau persönlich erscheinen müssen, wären gesundheitliche Spätfolgen unabsehbar.

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