Missbrauchsskandal im Ortenaukreis Erzbischof Zollitsch soll Missbrauch vertuscht haben

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hat seinem Vorgänger, dem früheren Erzbischof Robert Zollitsch, Fehler bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch vorgeworfen.

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Er müsse davon ausgehen, so Burger am Mittwoch gegenüber dem SWR, dass Zollitsch in seiner Zeit als Personalreferent der Erzdiözese Missbrauchsfälle vertuscht habe. Es geht dabei um den Missbrauchsskandal in Oberharmersbach im Ortenaukreis. In dem Schwarzwaldorf fand 23 Jahre lang, von 1968 bis 1991, durch den damaligen Ortsgeistlichen systematischer Missbrauch an mindestens 60 Kindern statt. Zollitsch hatte den Pfarrer in den Zwangsruhestand versetzt, den Missbrauch aber nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet und nicht publik gemacht.

Zollitsch hat nicht mit Opfern gesprochen

"Ich muss davon ausgehen, dass relevante Dinge über seinen Schreibtisch gelaufen sind", so Burger über seinen Vorgänger. Dinge seien "nicht korrekt vonstatten gegangen". Der Fall wurde nach dem Selbstmord des Pfarrers nie aufgearbeitet. Das heißt, Robert Zollitsch war im Anschluss auch nie vor Ort, um mit Opfern zu sprechen. Dies hat Burger nun nachgeholt, was von der Gemeinde "dankbar angenommen" worden sei.

Der aktuelle Pfarrer von Oberharmersbach habe Burger gebeten, dass Zollitsch das Erzbistum nicht weiter öffentlich vertritt. Burger sagte, als Alterzbischof im Ruhestand habe Zollitsch das Recht, etwa Firmreisen zu machen oder Vorträge zu halten, wenn er angefragt sei. "Auf dieser Ebene werde ich das auch weiterhin belassen", sagte Burger. Er wünsche allerdings, dass Zollitsch sich mit Blick auf die Opfer zum persönlichen Versagen bekenne; diesen Schritt könne er aber nicht für seinen Vorgänger machen. Zollitsch hatte seinerzeit gesagt, dass er heute anders handeln würde. Äußern will er sich dazu jetzt nicht mehr.

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Burger sieht Missbrauchsgefahr noch nicht gebannt

In der Prävention des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ist nach Ansicht Burgers schon viel erreicht worden. Die Gefahr sei aber noch nicht gebannt. Die umfassende Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs sei ihm ein zentrales Anliegen, sagte Burger anlässlich einer Tagung in Freiburg zu zehn Jahren Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt im Erzbistum. Das Tagungsmotto "Kirche wird sicherer Ort" sei Anspruch, Weg, Ziel und Anforderung an alle, so Burger.

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"Missbrauch pervertiert die Botschaft Christi"

Bei all den Betroffenen und Beschuldigten gehe es auch um "Strukturen der Vertuschung, der Intransparenz, des Täterschutzes, des Widerstandes gegen Aufarbeitung und Prävention". Dies stehe im Widerspruch zum Evangelium, sagte Burger: "Missbrauch pervertiert die Botschaft Christi".

Eine von ihm eingesetzte Expertengruppe prüfe, welche Strategien gegen Klerikalismus und Missbrauch jeder Art auf den Weg gebracht werden können. Machtstrukturen dürften einer Aufarbeitung nicht im Wege stehen. Zugleich kündigte er einen Ausbau von Präventionsmaßnahmen an. Es gelte, die bestehenden Angebote fortzuentwickeln.

Prävention auch im Internet

Inzwischen seien mehr als 90 Prozent aller in der Seelsorge tätigen Mitarbeiter entsprechend geschult. Nur durch das Einüben von Achtsamkeit, Transparenz und Respekt könne es der Kirche gelingen, verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen, so der Erzbischof. Weiter sei die Digitalisierung in den Blick zu nehmen. Erzbischof Burger nannte Cybermobbing und Pornografie als Beispiele für Missbrauch etwa in sozialen Netzwerken. So müsse die Präventionsarbeit der Kirche auch auf das Internet ausgeweitet werden.

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