Firmenchef Oliver Schneeberger und Klaus Eckert (Foto: SWR)

Freiburger Firma Skepsis über unbegrenzten Urlaub ist weg

Eine Firma aus Freiburg bietet ihren Mitarbeitern unbegrenzten Urlaub. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA. Doch wie lief das erste Jahr mit dem neuen Urlaubs-Modell?

Über den Beginn des Experiments muss Firmenchef Oliver Schneeberger mittlerweile schmunzeln. Zu Beginn war alles noch neu und gewöhnungsbedürftig, auch für Vertriebsmitarbeiter Klaus Eckert: "Wie plant man jetzt? Hat man überhaupt wirklich auch den Anspruch auf den Urlaub? Das war ungewohnt." Inzwischen ist die Skepsis weg.

Dauer

"Mal kurzfristig Urlaub zu nehmen, konnte ich mir damals auch nicht so richtig vorstellen. Inzwischen ist es so, als wäre es nie anders gewesen."

Klaus Eckert, Vertriebsmitarbeiter Heliotron, Freiburg

Firmenchef Oliver Schneeberger wusste zu Anfang des Jahres auch nicht so genau, wohin dieses Experiment führen würde. Schließlich wäre es möglich gewesen, dass einige Mitarbeiter das Vertrauen ausnutzen. Doch er hatte von Anfang an die Vermutung, dass seine Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen: "So musste ich nicht erwarten, dass sobald dieses Urlaubs-Modell eingeführt wird, ab morgen niemand mehr kommt", erzählt Oliver Schneeberger.

Genauso viele Urlaubstage wie im Jahr 2018

Die mehr als 60 Mitarbeiter werden nach Leistung bezahlt. Wann und wo sie arbeiten, bestimmen sie selbst. Diese Vertrauensbasis gilt nun auch beim Urlaub. Und die Bilanz? Im Schnitt hat jeder Mitarbeiter dieses Jahr 26 Tage frei genommen - genauso viel wie im letzten Jahr. Für Oliver Schneeberger ist das ein überraschendes Ergebnis: "Ich hätte gedacht, dass es im Durchschnitt bestimmt einen Tag oder eineinhalb Tage mehr geworden sein."

Mehr Freiheit für effizienteres Arbeiten und um Beruf und Privatleben besser unter einen Hut zu bringen, das ist das Ziel des Modells. Dazu müssen jedoch das entsprechende Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein da sein, so Experten. Das Modell berge einige Risiken, könne aber auch gut funktionieren.

Das weiß auch Olaf Rank von der Universität Freiburg: "Der Fall, dass Mitarbeiter nun exzessiv Urlaub in Anspruch nehmen würden, den sie unter der alte Regelung nicht hätten nehmen können, der scheint doch eher die Ausnahme zu sein.“

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