Zweiter Tag im Freiburger Mammtuprozess am Landgericht um eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung (Foto: SWR, Sebastian Bargon)

Elf Männer vor Freiburger Landgericht Türsteher will von Gruppenvergewaltigung nichts mitbekommen haben

Nichts gesehen und nichts gehört: das ist die Aussage eines der Türsteher der Diskothek, der am Donnerstag im Prozess um die Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen aussagte.

Der 36-Jährige ist in den Discos in Freiburg kein Unbekannter. Er arbeitet schon seit 16 Jahren als Türsteher. Am Tatabend vom 13. auf den 14. 10 2018 habe er von 23:00 bis 5:00 Uhr morgens am Holztor des Clubs Eingangskontrollen gemacht. Die Tat, die laut Anklage mehr als zweieinhalb Stunden dauerte, habe sich zwar nur wenige Meter entfernt von der Tür in einem Gebüsch an der Straße ereignet. Aber keiner der Türsteher habe etwas bemerkt. Es habe keinen Anlass gegeben, Verdacht zu schöpfen. Das sagten die Türsteher als Zeugen im Prozess um die Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen am 16. Verhandlungstag aus.

Die Polizei hatte die Türsteher der Diskothek nach der Tat überprüft. Anzeichen für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten haben sich dabei bislang nicht ergeben, sagte Staatsanwalt Rainer Schmid.

Einer der Türsteher, der am Donnerstag im Prozess gehört wurde, habe erst Tage später per Handy-Nachricht von der Vergewaltigung erfahren. Auch auf Fragen von Richter Bürgelin, Staatsanwälten und Verteidigerinnen sagte der 36-Jährige,er erinnere sich an nichts Besonderes, er könne sich ja auch den Geburtstag seines Vaters nicht merken.

Kein Verzicht auf Zeugenaussagen

Am Vortag, am 15. Verhandlungstag im Prozess, wurde entschieden, dass alle Zeugen, die über das Geschehen bei der Disco auf dem Hans-Bunte-Areal nur vom "Hörensagen" berichten können, trotzdem befragt werden sollen. Die Staatsanwaltschaft hatte auf einige Zeugen verzichten wollen, um das Strafverfahren zu beschleunigen. Verteidiger sprachen sich jedoch gegen dieses Vorhaben aus. Die Zeugen werden daher alle, wie geplant, vor Gericht aussagen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

Andere Zeugen widersprechen Türsteher-Aussagen

Mehrere Zeugen hatten im Juli ausgesagt, vor der Disco seien in der Tatnacht deutlich Schreie der 18-Jährigen zu hören gewesen. Darauf reagiert habe niemand. Die junge Frau, die Opfer der Tat wurde, war am nächsten Tag zur Polizei gegangen. Sie stand bei der Tat laut Anklage unter Drogen und sei daher wehr- und willenlos gewesen.

Lange Prozessdauer

Begonnen hat der Prozess Ende Juni. Angeklagt sind elf Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren - die meisten von ihnen sind Flüchtlinge - wegen Vergewaltigung oder unterlassener Hilfeleistung. Ihnen wird vorgeworfen, Mitte Oktober vergangenen Jahres die 18-Jährige nachts in Freiburg nach einem Discobesuch in einem Gebüsch vergewaltigt oder ihr nicht geholfen zu haben. Sie bestreiten dies oder schweigen zu den Vorwürfen.

Schleppender Verlauf

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Geplant ist nach Angaben eines Gerichtssprechers die Vernehmung weiterer Zeugen, unter anderem eines Kriminalbeamten. Mehrere der bisher geladenen Zeugen waren nicht vor Gericht erschienen. Eine junge Frau, die am Donnerstag nicht kam, müsse daher ein Ordnungsgeld in Höhe von 100 Euro zahlen oder zwei Tage in Ordnungshaft, entschied das Gericht. Der Prozess wird laut dem Gericht bis ins nächste Jahr dauern. Einen Termin für mögliche Urteile gibt es noch nicht.

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