Eine junge Frau liest eine Gedenktafel an einem Brunnen (Foto: SWR, Brigitte Koerner)

Gedenken an die Pogromnacht in Südbaden "Die Feuerwehrleute standen nur rum"

80 Jahre nach der Reichspogromnacht wird an vielen Orten im Südwesten der jüdischen Nazi-Opfer gedacht. Helmut Schwarz war zehn Jahre alt, als er die Freiburger Synagoge brennen sah.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 haben Nazis in ganz Deutschland jüdische Gotteshäuser in Brand gesetzt, auch die Freiburger Synagoge, deren Grundriss heute ein Brunnen nachzeichnet. Dort wurde am Donnerstagabend an die Gewaltexzesse erinnert.

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Der Freiburger Helmut Schwarz war zehn Jahre alt, als er die Synagoge brannte. Als er vorbeilief, wunderte er sich - die Feuerwehr stand bereit, aber sie unternahm nichts. "Es war merkwürdig", erinnert er sich, "die Feuerwehrleute waren da, die hatten ihre Schläuche ausgerollt, aber da war kein Druck drauf. Die standen nur rum". Schwarz wurde wenig später von der Schule verwiesen. Grund: Er hat jüdische Wurzeln.

Auch in Kehl und Straßburg waren die Bürger am Donnerstag eingeladen, gemeinsam Stolpersteine der Grenzstadt zu putzen. Historiker erläuterten dazu die Schicksale der Menschen, deren Namen in die Steine eingraviert sind. In Offenburg werden am Freitag mehr als 500 Neuntklässler Stolpersteine polieren. Und Freitagabend gibt es in Offenburg einen Gedenkrundgang mit Schauspielern zum damaligen Geschehen, dem die geplante systematische Vernichtung jüdischer Mitmenschen folgte.

In Lörrach ist Freitagnachmittag eine Mahnwache in der Synagogengasse geplant, anschließend lädt die Israelitische Kultusgemeinde zur Feier des Sabbatabends ein. Am 11. November feiert sie mit einem Festakt das zehnjährige Bestehen der heutigen Synagoge.

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