Erzbischof Burger zum Missbrauchsskandal "Auch im Erzbistum Freiburg wurden Akten gesäubert"

Der Freiburger Erzbischof zieht Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und installiert eine Arbeitsgruppe aus internen und externen Missbrauchsexperten.

Außerdem soll die Kommission die Manipulation von Akten verhindern. Das kündigte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger am Freitag auf einer Pressekonferenz an.

Auch im Erzbistum Freiburg seien in der Vergangenheit Akten gesäubert worden, Hinweise auf Taten und Täter seien verschwunden, sagte Burger.

"Es wurden bewusst Vorfälle vertuscht, um das Ansehen der Kirche zu bewahren. Missbrauchstäter sind in andere Pfarrgemeinden versetzt worden."

Erzbischof Stephan Burger
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Mit den Versetzungen habe man geglaubt, die Täter-Opfer-Beziehung unterbrechen und den Missbrauch beenden zu können. Verantwortliche in der Bistumsleitung hätten dabei jedoch das Ansehen der Kirche über die Interessen der Missbrauchsopfer gestellt.

Erzbischof will mit Opfern sprechen

Über 442 Opfer von sexueller Gewalt hat es im Erzbistum Freiburg gegeben und über 190 Beschuldigte, davon 164 Priester. Das haben die Auswertungen von 4.100 Akten aus dem Zeitraum von 1946 bis Dezember 2015 ergeben. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher. Untersucht haben die Akten von der Kirche unabhängige Mitarbeiter.

Ob zu den bereits bekannten Fällen im Kolleg St. Blasien, im Kloster Birnau, in der Seelsorgeeinheit Zell am Harmersbach weitere Orte dazukommen, dazu wollten sich die Vertreter des Bistums nicht äußern. Erzischof Burger will in der nächsten Zukunft Gespräche mit den Opfern führen. Im Moment sind drei aktuelle Missbrauchsfälle im Erzbistum anhängig. Das Thema Zölibat will Erzbischof Burger weiterhin in der Bischofskonferenz ansprechen.

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