Empfehlungen im Streitfall Handynutzung bei Kindern – Tipps für Familien

Das Smartphone sorgt in vielen Familien für heiße Diskussionen. Wie lange, wie oft sollen die Kinder das Gerät benutzen dürfen? Was ist zu empfehlen? Unsere Rubrik "Gut zu wissen".

Die Hausaufgaben sind gemacht, jetzt darf die elfjährige Emmi endlich an ihr Smartphone. Dafür muss sie allerdings ins Wohnzimmer. Das ist bei Familie Mihajlovic aus Freiburg nämlich das Handyzimmer.

Dauer

"Für die Kinder ist die Regel, dass die Smartphones im Wohnzimmer benutzt werden, und auch hier bleiben, also über Nacht, und auch tagsüber sollen die nicht ins eigene Kinderzimmer wandern", erklärt Vater Dejan Mihajlovic. Nachts haben die Geräte ihren festen Platz im Wohnzimmer. Um es Kindern leichter zu machen, kann man auch ein "Handybett" benutzen.

Kinder haben oft eigenes Handy

Kinder haben heute immer früher ein eigenes Handy. Viele bekommen ihr erstes schon in der Grundschule. Spätestens ab Klasse fünf haben dann fast alle eins. Weil viel über die sozialen Medien läuft, ist der Druck, ein Smartphone zu haben, gewaltig – für Kinder wie für Eltern. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt? Eine exakte Altersempfehlung gibt es nicht – nur grobe Richtwerte.

Empfehlung vom Fachmann

Wolfgang Kraft, Direktor des baden-württembergischen Landesmedienzentrums empfiehlt, dass Handys idealerweise erst ab neun Jahren, und eine intensive Nutzung des Handys samt Internet erst ab zwölf Jahren erlaubt werden sollte. Aber das seien Orientierungsgrößen. Letzten Endes müsse "jeder Elternteil am Ende selber den richtigen Weg finden für das Kind“.

Theorie und Praxis

Die Mihajlovics haben entschieden, dass auch der fünfjährige Tommi demnächst schon sein eigenes Smartphone bekommt. Ganz einfach deshalb, weil auch schon sein älterer Bruder in diesem Alter schon eins hatte - damals hatten ihm die Großeltern eins geschenkt. "Es gibt die Theorie und es gibt die Praxis", räumt Dejan Mihajlovic ein. Eigentlich hätte er damit lieber noch bis zur weiterführenden Schule gewartet.

Nutzung klar regeln

Ganz wichtig aber, sowohl für den Kleinsten wie auch für die Älteren, sind klare Regeln für die Handynutzung. Regel Nummer eins: Kein Handy am Esstisch. Das gilt auch für die Erwachsenen. Dann gibt es festgelegte Kontingente, beispielsweise eine halbe Stunde am Tag. Wenn die Zeit überzogen wird, dann gibt’s am nächsten Tag womöglich ein bisschen weniger Handyzeit.

Begrenzungen werden als sinnvoll erlebt

Schülerin Emmi findet das gut. Ohne Begrenzung würde sie nach eigener Einschätzung "wahrscheinlich drei Stunden am Tag am Handy sein", gibt sie offen zu. Die Regeln werden in der Familie aber von Zeit zu Zeit neu verhandelt. Zu kontrollieren, wann und wo die Kinder das Smartphone nutzen, ist allerdings schwierig. Eine Möglichkeit: Spezielle Familien-Apps. Mit denen lassen sich Online-Zeiten und Inhalte auf dem Kinder-Handy beschränken. Auch bei den Sicherheitseinstellungen am Handy der Kinder lässt sich einiges ändern.

Vertrauen ist besser

Allerdings: "Kontrolle ist sicherlich immer der zweitbeste Weg", sagt Wolfgang Kraft. "Der beste Weg ist das Vertrauen, das man mit seinem Kind aufbaut, und dass das Kind dann einfach selbstverständlich und ohne irgendwelche Kontrollgefühle auch mit den Eltern am Handy unterwegs ist." Um Vertrauen aufzubauen, kommen Eltern aber nicht darum herum, sich mit der digitalen Welt ihrer Kinder zu beschäftigen.

Wie kann ich mein Kind am Smartphone begleiten?

Witzige Spiele und Videos, praktische und kreative Apps – für Kinder steckt das Smartphone voller spannender Möglichkeiten. Aber es gibt auch Gefahren. Emmi erzählt: "Es gab auch bei uns an der Schule einen Fall, da wurde ein Video weitergeschickt. Von Kindern, ohne dass sie Bescheid wussten. Da musste dann sogar die Polizei kommen."

Auf Gefahren hinweisen

Cybermobbing, Fakenews, Abofallen oder Pornografie. Auch darüber sollten Eltern mit ihren Kindern reden. Denn nur so lernen sie, das Handy sicher und verantwortungsbewusst zu nutzen.

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