Électricité de France Neueste Pläne für Abschaltung des AKW Fessenheim

2020 soll das AKW Fessenheim vom Netz gehen. Auf der jährlichen Bilanz-Pressekonferenz im Atomkraftwerk hat der AKW-Betreiber EDF am Freitag dazu die neuesten Pläne vorgestellt.

Schon neun Mal ist die Stilllegung des ältesten Atommeilers in Frankreich, Fessenheim, verschoben worden, obwohl Kritiker warnen und sagen, dass von dem pannenanfälligen Kraftwerk ein hohes Sicherheitsrisiko ausgeht. Präsident Hollande hatte zwar angekündigt, den Atommeiler abschalten zu wollen, doch es blieb bei Worten. Statt versprechen will Nachfolger Macron jetzt handeln.

Dauer

Es ist ein grober Fahrplan für die nächsten zehn, 20, 25 Jahre, den Kraftwerksleiter Marc Simon-Jean per Power-Point an die Wand wirft. Reaktor 1 soll im März, Reaktor 2 im Sommer kommenden Jahres vom Netz gehen. Danach geht’s an die radioaktiven Brennelemente, die sollen zu 99,9 Prozent Ende 2022 entfernt werden.

Personalabbau als Folge der Abschaltung

Und welche Folgen wird geplante Abschaltung für die Stammbelegschaft haben? Marc Simon-Jean, Leiter des Kernkraftwerkes: "Jetzt, wo wir noch Strom produzieren, arbeiten bei uns etwa 700 Mitarbeiter. In der ersten Phase des Rückbaus, wenn die Brennelemente entfernt werden, werden es 300 sein und sobald die Brennelemente weg sind, nur noch 60. Diese werden dann den Abriss des AKW begleiten."

Entschädigung für schrumpfendes Personal gefordert

Das Personal soll also schrumpfen, das Kernkraftwerk schrittweise in Schutt und Asche gelegt werden und das obwohl nach Ansicht von AKW-Leiter Marc Simon-Jean das Kernkraftwerk mehr als floriert: "Die Entscheidung, das AKW vorzeitig vom Netz zu nehmen, ist reiner politischer Wille, sie wurde nicht aus wirtschaftlichen Gründen gefällt. Denn: das Kernkraftwerk funktioniert einwandfrei, es ist total sicher und liefert günstigen Strom, daher möchte ich, dass man uns entschädigt, das würde anderswo genauso laufen."

BUND: "Entschädigungsforderungen sind entsetzlich"

Der Energieversorger und die französische Regierung sind seit längerem darüber im Gespräch, wie hoch die Entschädigungsforderungen der EDF tatsächlich sind. Wie viele Euro am Ende fließen werden, ist noch unklar. Für Geschäftsführer Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Südbaden, steht auf jeden Fall fest: "Diese Anforderungen sind natürlich entsetzlich, man muss sich einfach vorstellen, die EDF hat uns jahrzehntelang mit dem ältesten Meilers Frankreich bedroht, und jetzt will man dafür Entschädigung."

EDF will ein Rückbauzentrum für Atomanlagen gründen

Aber nicht nur das, die EDF will auch noch ein Rückbauzentrum für Atomkraftanlagen und Reaktoren auf dem Gelände in Fessenheim gründen. Dazu Kraftwerksleiter Marc Simon-Jean: "Wir fühlen uns mit dem Gelände, auf dem wir mehr als 40 Jahre lang Strom produziert haben, verbunden und wollen daher mit einem Rückbauzentrum für Atomanlagen und Reaktoren ein starkes Signal senden."

Braucht Europa überhaupt ein Rückbauzentrum?

Ein Signal für Atomkraft, neben dem geplanten Gewerbepark mit Modellprojekten zu Erneuerbaren Energien – noch wird diskutiert, aber Marc Simon-Jean sieht im sogenannten Rückbauzentrum schon Chancen: "Außerdem glaube ich, dass Europa so ein Zentrum braucht. Wir könnten nicht nur 150 Arbeitsplätze schaffen, sondern auch eine führende Position einnehmen, was die Aufarbeitung von Atommüll anbelangt."

BUND: "Bei einer Atomfabrik geht der Kampf weiter"

Bei Axel Mayer vom BUND hingegen kräuseln sich schon die Sorgenfalten. Wenn es sein muss sagt er, wird er gegen eine weitere Atomfabrik auf die Straße ziehen.

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