Traktor verteilt Gülle auf einem Acker (Foto: SWR, SWR -)

EU droht mit Klage und Strafen Nitrat belastet Grund- und Trinkwasser auch in Südbaden

Nitratbelastetes Grundwasser durch intensive Landwirtschaft ist ein Problem auch in Südbaden. An zahlreichen Messpunkten wird der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten.

Dass auch in Südbaden der Grenzwert für Nitrat seit Jahren überschritten wird, daran hat auch eine verschärfte Dünge-Verordnung wenig geändert. Der zu hohe Nitrat-Gehalt in deutschem Grundwasser wird schon lange von der EU gerügt. Wenn binnen zwei Monaten nicht endlich etwas passiert, drohen eine zweite Klage vor dem europäischen Gerichtshof und Straf-Zahlungen in Millionenhöhe. Eine Hoffnung für die Umwelt-Verbände. Sie üben schon lange Kritik an der Nitrat-Belastung.

Dauer

"Die Luft ist sauberer geworden, die Bäche sind sauberer geworden, nur beim Grundwasser gibt's keine Fortschritte", Axel Maier von BUND Südlicher Oberrhein beklagt, dass der Nitrat-Gehalt im Grundwasser immer noch vielerorts über dem Grenzwert liegt. Eine Karte der Landesanstalt für Umwelt zeigt: Betroffen die Rheinebene südlich und nördlich von Freiburg mit ihren gut gedüngten Sonderkulturen.

Landwirtschaftsminister fühlt sich nicht angesprochen

Trotz dieser Nitrat-Probleme in Südbaden fühlt sich Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) von den angedrohten EU-Sanktionen nicht wirklich angesprochen. Der auch für Verbraucherschutz zuständige Ressortleiter beruft sich auf darauf, dass die Sündenböcke in anderen Bundesländern sitzen. In Baden-Württemberg sei die Nitrat-Belastung insgesamt gesehen rückläufig, "denn wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, seit 40 Jahren im Wasserschutz unterwegs. Hier wird Stimmungsmache betrieben zulasten der Landwirte."

Nitrat-Belastung ein Problem für Trinkwasser-Brunnen

Von Stimmungsmache könne nach Ansicht des Wasser-Versorgers bn Netze, einer Tochter der Badenova, aber keine Rede sein. Seit einigen Jahren nehme die Nitrat-Belastung im hiesigen Grundwasser wieder zu, beispielsweise im Brunnen in Hausen an der Möhlin bei Bad Krozingen, so der für Trinkwasser zuständige Abteilungsleiter Klaus Rhode.

Landwirtschaftliche Winter-Begrünung könnte Nitrat binden

Auf eigene Kosten fördert bn Netze in so genannten Problem-Gebieten derzeit Landwirte, die beispielsweise ihre Äcker im Winter begrünen, sodass Nitrat gebunden wird und nicht ins Grundwasser sickert. Unterstützung aus Stuttgart – bislang Fehlanzeige.

Luft nach oben: Ohne Anreize für Landwirte geht es nicht

Fest steht, im hart umkämpften Markt brauchen die Landwirte Anreize, damit sie weniger Düngen, beziehungsweise ihre Anbaumethoden ändern. Hier, so Umweltschützer Axel Mayer von BUND südlicher Oberrhein, müsse die Regierung endlich handeln. Es gebe noch viel Luft nach oben. Man brauche eine andere Agrarpolitik, eine, die mehr Geld für eine Grundwasser schonende Bewirtschaftung vorsieht. Vielleicht beförderten ja die angedrohten EU-Strafzahlungen den Rückgang der Nitratbelastung in Südbaden.

STAND