Deutsch-französisches Polizeizentrum Kehl Gemeinsame Polizeiarbeit Vorlage für Krimiserie

Seit genau 20 Jahren gibt es in Kehl das deutsch-französische Polizeizentrum. Inzwischen ist es an allem beteiligt, was mit Kriminalität zwischen Deutschland und Frankreich zu tun hat.

Ursprünglich sollte das bi-nationale Polizeizentrum entlang der Grenze für einen schnellen Informationsaustausch zwischen den Polizeien der beiden Länder sorgen. In der Zwischenzeit vernetzt es alle Belange polizeilicher Zusammenarbeit – bis zur gemeinsamen Großfahndung bei internationalen Diebesbanden. Und Drehbuchautoren fanden die grenzüberschreitende Fahndungsarbeit so spannend, dass sie sogar für eine Krimiserie im "Ersten" Pate stand. Das deutsch-französische Zentrum war von Anfang an ein Erfolg und soll zusätzliche Aufgaben bekommen.

Dauer

Die deutsche Polizistin hat Meldung über ein verdächtiges französisches Auto in Deutschland. "Überprüfst du mir das?", bittet sie ihren französischen Kollegen. Gefälscht, gestohlen, gesucht meldet der nur Minuten später. Polizei, Kripo, Zoll arbeiten hier zusammen, immer auf deutsch und französisch. Und sie sind schnell und so erfolgreich, dass sie Vorbild für einen Spielfilm waren. "Über die Grenze" heißt die Krimiserie im "Ersten", die zwischen Kehl und Straßburg spielt. Da verfolgen deutsche und französische Kommissare gemeinsam mit viel Action einen Entführer.

Wirklichkeit im deutsch-französischen Zentrum ist nüchterner

Im wirklichen Leben sind Einsätze draußen eher selten. Jeder hat seine nationalen Melderegister, Datenbanken und Fahndungslisten vor sich auf dem Rechner. Die tauschen sie aus und füttern damit die Kollegen draußen, wenn es um grenzüberschreitende Ermittlungen geht. Stefan Mannßhardt, Deutsch-französisches Polizeizentrum Kehl: "Gerade jetzt bei Fahndungen beispielweise – denken Sie an einen schweren Verkehrsunfall, wo ein Zeuge ein Fluchtfahrzeug gesehen hat, wo man ganz schnell den Halter feststellen muss, um weitere Maßnahmen über die Staatsanwaltschaft im Ausland anzuregen – das geht nur, wenn Sie schnell sind."

Praktische Polizeiarbeit von Marseille bis Frankfurt an der Oder

Der traditionelle Informationsaustausch von Kriminaldaten zwischen Staaten kann Wochen dauern. Als Otto Schily und Nicolas Sarkozy, vor 20 Jahren beide Innenminister, das gemeinsame Zentrum eröffneten, da ging es nur um den Informationsaustausch der Polizeien direkt an der Grenze. Heute reicht die praktische Polizeiarbeit von Marseille bis Frankfurt an der Oder. Um 9:15 Uhr jeden Morgen, Frühbesprechung: Was steht an, polizeilich, zwischen Deutschland und Frankreich? Eine Groß-Demo in Mannheim etwa, zu der sich französische Gelbwesten angekündigt haben. Könnte das zu Ausschreitungen führen?

Zwei unterschiedliche Rechtssysteme unter einen Hut zu bringen

"Was wir hier tun ist ein Drahtseilakt", sagt der deutsche Koordinator Dirk Herzbach. "Wir müssen zwei völlig unterschiedliche Rechtssysteme täglich unter einen Hut bringen. Meistens kriegen wir das hin. Wir kriegen das auch hier geregelt, dass das so funktioniert. Aber es ist ab und zu hinderlich. Man muss mehr sprechen, mehr organisieren, mehr kommunizieren."

Neues Abkommen für gemeinsame Terroreinsätze über die Grenzen

Beim Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt letzten Dezember haben sie das eindrucksvoll bewiesen. Der Täter soll mit der Straßenbahn nach Kehl geflohen sein. Das Polizeizentrum managte den grenzüberschreitenden Polizeieinsatz. Aber für gemeinsame Terroreinsätze über die Grenze braucht es ein neues Abkommen. Oliver Felsen, Kommissar für internationale Rechtshilfe, Polizeizentrum Kehl: "Hier war und ist einfach die Idee, in solchen Lagen konkret zu unterstützen, dass französische Einsatzkräfte nach Deutschland kommen könnten, aber auch deutsche Spezialkräfte nach Frankreich."

Frankreich und Deutschland dürften sich wohl darauf verständigen und damit das deutsch-französische Polizeizentrum in Kehl auch bei der Terrorabwehr künftig eine wichtige Rolle spielen.

STAND