Menschen steigen mit Koffer von Boot (Foto: Pressestelle, Caritas International)

Caritas International mit Sitz in Freiburg Mehr Hilfe für immer mehr Menschen in Not

Noch nie konnte Caritas International so viele Menschen unterstützen wie vergangenes Jahr. Das katholische Hilfswerk half mit knapp 80 Millionen Euro in mehr als 80 Ländern.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Peter Neher, präsentierte mit gemischten Gefühlen die Spendensumme für Menschen in Not. Zum einen sei die Bereitschaft zu spenden 2017 deutlich höher gewesen als im Jahr davor, sodass die Caritas über 680 Projekte weltweit fördern konnte. Zum anderen bräuchten doppelt so viele Menschen Hilfe wie noch vor zehn Jahren.

Das Geld reicht nicht für alle

Es sei besonders für die Mitarbeiter in den Krisengebieten psychisch belastend, nicht allen Menschen Unterstützung zusichern zu können, sagte der Leiter von Caritas International, Oliver Müller. Das katholische Hilfswerk appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, ihre Hilfszusagen auch einzuhalten. Im größten Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch fehlten derzeit noch drei Viertel des nötigen Geldes für die Nothilfe in diesem Jahr.

Dauer

Situation im weltgrößten Flüchtlingslager verheerend

Wo fast eine Millionen Menschen, vor allem Rohingya aus Myanmar, dicht auf dicht in Bambushütten leben, droht die Regenzeit mit Überschwemmungen, Erdrutschen und ausbrechenden Krankheiten. Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, darunter auch Caritas International mit Sitz in Freiburg, sind in Hab-Acht-Stellung. "Jetzt mit dem Monsun vor der Tür arbeiten alle Organisationen fieberhaft daran, die Notunterkünfte, sanitäre Einrichtungen, Straßen und Wege zu befestigen, aber das ist ein ständiger Wettlauf gegen die Zeit", sagt Christin Mothsche, eine Koordinatorin von Caritas International, die vor gut einem Monat aus Freiburg nach Bangladesch gezogen ist.

Viele Bambushütten (Foto: Pressestelle, Caritas International)
Monsun droht Bambushütten wegzuspülen Pressestelle Caritas International

"Eine angekündigte Katastrophe"

Fast 30.000 Menschen mussten in den vergangenen Wochen innerhalb des riesigen Flüchtlingslagers umgesiedelt werden, weil ihre Hütten aus Bambus und Plastikfolien dem Regen nicht standhielten. Schon vor Monsunbeginn kam es zu mehr als 160 Erdrutschen und Überschwemmungen. Kaum auszumalen, was die knapp eine Million Menschen in den kommenden Tagen und Wochen erwartet, sagt der zuständige Länderreferent von Caritas International in Freiburg, Peter Seidel: "Das ist im Prinzip eine angekündigte Katastrophe."

Im August vergangenen Jahres flohen fast eine Millionen Menschen der muslimischen Minderheit der Rohingya von Myanmar ins Nachbarland Bangladesch, weil ihre Dörfer vom Militär zerstört wurden. Fast ein Jahr später sei ihre Situation perspektivlos, denn ein Zurück in die Heimat sei derzeit unvorstellbar, "die Menschenrechtsverletzungen in Myanmar gehen weiter", sagt Peter Seidel.

Schicksal der Rohingya nicht vergessen

Deshalb rechnet Caritas International damit, dass das weltweit größte Flüchtlingslager in der Region Cox Bazar in Bangladesch noch jahrelang bestehen bleibt und damit auch die Notwendigkeit, die Menschen vor Ort zu unterstützen. Über 8.000 Mitarbeiter helfen der Caritas dabei, neue, stabilere Unterkünfte, Toiletten und Wasch-Möglichkeiten zu schaffen. Die Mehrheit der Bau-Helfer sind die Flüchtlinge selbst. Christin Mothsche ist beeindruckt davon, dass alle mitpacken wollen. Wenn sie in die Augen der Menschen blickt, sehe sie viel Hoffnung und Dankbarkeit, sagt sie, aber auch große Sorgen.

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