Erinnerungsstätte für Maria Ladenburger (Foto: SWR)

Badische Zeitung und Kölner Stadt-Anzeiger Bürgerpreis für Ehepaar Ladenburger

Die Eltern der in Freiburg ermordeten Studentin Maria Ladenburger wurden in Berlin mit dem Bürgerpreis der Zeitungen ausgezeichnet. Eine Jury aus rund 250 Chefredakteuren hatte sie zu "Bürgern des Jahres" gewählt.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Friederike und Clemens Ladenburger gehörten in der heutigen lauten Zeit zu den leiseren Stimmen, die aber auf der "hellen Seite" stünden. Das sagte Elke Büdenbender, die Ehefrau von Bundespräsident Steinmeier, in ihrer Laudatio am Mittwochvormittag in Berlin. Beide hätten mit der Gründung einer Stiftung im Namen ihrer Tochter ein Zeichen der Mitmenschlichkeit gesetzt, als laute Stimmen Hass auf Flüchtlinge schüren wollten. Das Ehepaar habe der Dunkelheit getrotzt, die in ihr Leben trat und Marias Licht weiterleuchten lassen, so Büdenbender. Der Bürgerpreis des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger ist mit 20.000 Euro dotiert.

Mord an Maria Ladenburger wurde zum Politikum

Die grausame Vergewaltigung und Ermordung von Maria Ladenburger verunsicherte und erschütterte Ende 2016 Freiburg und die gesamte Region. Als die Polizei den Täter ermittelte, einen als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland geflohenen jungen Mann, wurde der Mord zum Politikum. Und Brennpunkt für die gesamte deutsche Migrationspolitik. Im Netz mischten sich Ausländerhass, Rassismus und echte Trauer.

Blumen, Bilder und Kerzen stehen an einem Baum (Foto: SWR)
Auch nach ihrem gewaltsamen Tod wird in Freiburg der Medizinstudentin Maria Ladenburger gedacht. Die Medizinstudentin wurde am 16. Oktober 2016 hier in der Dreisam tot aufgefunden.

Eltern ließen sich nie von Hass oder Rache leiten

Die Eltern der ermordeten Medizinstudentin, die Juristen Friederike und Clemens Ladenburger, ließen sich indes niemals von Hass- oder Rachegefühlen leiten. Vielmehr besaßen sie die Größe, einen Tag vor der Verurteilung des Mörders ihrer Tochter, eine nach Maria benannte Stiftung zu gründen, die Freiburger Studierende in schwierigen Lebenslagen unterstützt. Sie selbst stellten als Startkapital 100.000 Euro bereit, inzwischen hat sich der Grundstock durch Zustiftungen vervielfacht.

Zeitungsverleger: "Ladenburger-Stiftung ein Zeichen der Menschlichkeit"

Den Bürgerpreis lobt der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger aus. Das Engagement des Ehepaars Ladenburger sei ein herausragendes "Zeichen der Mitmenschlichkeit" und eine "hochherzige Entscheidung", so die Jury des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger.

Vater Clemens Ladenburger: "Marias Leben soll an sie erinnern"

Im Vorfeld der Preisverleihung äußerten sich die Ladenburgers erstmals in einem längeren Zeitungsinterview - unter anderem mit der "Badischen Zeitung" (BZ). Sie selbst leben und arbeiten in Brüssel. Maria war vor ihrem Tod zum Studieren nach Freiburg gekommen, wo auch ihre Eltern die Universität besucht hatten. "Es war unser Wunsch, dass die Erinnerung an unsere Tochter nicht nur mit diesem entsetzlichen Verbrechen verbunden sein soll, sondern mit ihrem Leben", begründete Clemens Ladenburger die Stiftungsidee.

Maria Ladenburger-Stiftung unterstützt Freiburger Medizinstudenten

Seit vergangenem Jahr können sich Medizinstudenten an die Stiftung wenden, wenn sie, etwa wegen Krankheit oder Behinderung, Unterstützung benötigen. Zudem werden Praktika in Entwicklungsländern sowie Projekte der Entwicklungszusammenarbeit im medizinischen Bereich gefördert. Maria selbst war in einer entsprechenden Initiative engagiert. Schon früh habe sie den Wunsch gehabt Ärztin zu werden, berichteten ihre Eltern.

Marias Schicksal wurde instrumentalisiert und mit Hass geschürt

Freunde und Studienkollegen sprachen nach Marias Tod von ihrer großen Offenheit und Hilfsbereitschaft. Bis heute erinnern Blumen und Kerzen am Tatort hinter dem Fußballstadion des SC Freiburg an die Studentin. Ihre Eltern erklärten im Interview, dass sie stets versucht haben ihre persönliche Fassungslosigkeit und Trauer über die "grauenhafte Tat" von der rechtsstaatlichen Aufarbeitung zu trennen. Es sei zudem sehr schmerzhaft gewesen zu erfahren, wie "das Schicksal unserer Tochter instrumentalisiert wurde, wie mit ihrem Namen Hass geschürt wurde".

Gedenkmotive am stehen an einem Baumstamm (Foto: SWR)
Maria Ladenburger bleibt nicht nur bei Ihren Freiburger Mit-Studierenden unvergessen. Der Fundort ihrer Leiche ist noch immer ein Ort der Trauer und Erinnerung.

Eltern finden entscheidenden Halt im christlichen Glauben

Zugleich sei ihnen klar gewesen, eine rote Linie zwischen sich und den politischen Debatten zu ziehen. "Alles, was wir als unmittelbar Betroffene sagen würden, kann in einer aufgeheizten gesellschaftlichen Stimmung der von uns gewünschten Sachlichkeit der Debatte nur abträglich sein", so Friederike Ladenburger im BZ-Interview. Ein entscheidender Halt sei ihnen immer, so bekennen beide freimütig, ihr christlicher Glaube gewesen. Die Gewissheit, "dass Maria weiter mit uns lebt und wir uns auf ein Wiedersehen mit ihr freuen können".

Stiftung als Antwort auf Hass und kaltblütige Menschenverachtung

So bestand die konkrete Antwort der Familie auf "Hass und kaltblütige Menschenverachtung" in der Stiftungsgründung – auch als Gegengewicht zu einer das gesellschaftliche Miteinander gefährdenden "zerstörerischen Spirale". Stiftungsleitwort ist ein Zitat Marias: "Wenn meine Kinder oder Enkel mich irgendwann fragen, was hast Du dazu beigetragen, dass die Welt sich in eine Richtung entwickelt, die Du für richtig hieltest, dann will ich mindestens sagen können, dass ich die Möglichkeiten genutzt habe, die ich hatte." Inzwischen konnten die ersten Studentinnen und Studenten von der Stiftung profitieren.

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