Beben am Schweizer Finanzmarkt Euro-Mindestkurs aufgehoben – fünf Jahre Frankenschock

Fünf Jahre Frankenschock – am 15. Januar 2015 war die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufzugeben, eine Überraschung mit Folgen.

Seither ist die Rede vom "starken Franken" – die Banken-Experten sprechen vom "überbewerteten Franken". In unsicheren Zeiten nutzen aber viele Anleger den Franken offenbar als sicheren Hafen.

Dauer

Die Entscheidung der Schweizer Nationalbank 2015 ließ den Kurs des Franken zum Euro noch am selben Tag in die Höhe schnellen, zeitweise auf eins zu eins. Erstaunen und unterschiedliche Reaktionen damals bei Deutschen und Schweizern, die Grenzgänger allerdings waren und sind Gewinner des starken Franken. Kein Zufall, dass die Zahl der Grenzgänger aus Südbaden und dem Elsass noch im selben Jahr einen neuen Rekordwert erreichte: mit 36.000 allein in Basel.

Kredite verteuerten sich über Nacht

Langfristig und schwerwiegender wirkte sich der starke Franken indessen für manche Häuslebauer aus. Vor allem für jene, die wegen ursprünglich besonders günstiger Zinsen Kredite in Schweizer Franken aufgenommen hatten – etwa bei der Sparkasse Markgräflerland. Über Nacht hatten sich diese Kredite um zehn bis zwanzig Prozent verteuert, so Peter Blubacher vom Sparkassen-Vorstand.

"Einkaufsboom" im Dreiländereck

Zwei Jahre nach dem Frankenschock sprach das Wirtschaftsinstitut BAK Basel von fünf Milliarden Franken Kaufkraft, die aus der Schweiz ins grenznahe Ausland fließt, gut die Hälfte nach Deutschland. Profitiert hat vor allem der deutsche Einzelhandel an der Grenze zur Schweiz – etwa die Firma Hieber mit ihren Lebensmittel-Märkten zwischen Rheinfelden und Bad Krozingen. Geschäftsführer Karsten Pabst spricht für die ersten beiden Jahre nach dem Frankenschock von einem "Einkaufsboom".

Schweizer Botschafter sieht Frankenschock positiv

Geld, das die Basler im Kreis Lörrach oder auch in Freiburg ausgaben, fehlte jedoch in Basel: Viele Inhaber-geführte Läden mussten schließen. Eine Herausforderung war der Frankenschock auch für die Tourismusbranche und Exportwirtschaft der Schweiz, meint der Schweizer Botschafter in Berlin, Paul Seger: "Ich denke, es war auch teilweise ein positiver Schock, weil er die Unternehmen auch dazu zwang, innovativer zu sein und effizienter. Insofern, glaube ich, hat der Schock auch dazu geführt, dass man noch eine Spur effizienter, noch eine Spur innovativer wurde und das hat der schweizerischen Industrie und dem Handel am Ende auch genützt."

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