Haus mit einem Schild "Arztpraxis" (Foto: dpa Bildfunk, Karl-Josef Hildenbrand)

Ärztemangel auf dem Land Hausärzte im Wiesental fordern Notpraxis

Im Wiesental im Kreis Lörrach schlagen Hausärzte Alarm. In einem Brandbrief an die Kassenärztliche Vereinigung beklagen sie einen Ärztenotstand.

Gibt es im Mittleren Wiesental zu wenig Hausärzte? Ja, sagen einige Hausärzte. Sie sprechen von Patienten, die sich für einen Arzttermin die Finger wund wählen und von bis zu 5.000 Patienten ohne Hausarzt zum Jahresende. Nein, sagt dagegen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg: Schopfheim und das Mittlere Wiesental seien nach ihrer Statistik sogar leicht überversorgt. In einem Punkt sind sich beide Seiten allerdings einig: Kämen morgen ein oder zwei Hausärzte, so dürften sie im Wiesental sofort als Kassenärzte anfangen.

"Mangel ist deutlich spürbar"

Magdalene Blessing, Ärztin in Schopfheim, geht zum Jahresende mit 69 Jahren in den Ruhestand – doch mit einem äußerst unguten Gefühl. Denn es gibt für ihre und auch für die Praxis eines weiteren Schopfheimer Hausarztes bislang keinen Nachfolger. Wenn das so bleibe, werde es vier- bis fünftausend unversorgte Patienten geben, glaubt Blessing. Sie hat deshalb einen Brandbrief an die KV geschrieben, in dem sie gemeinsam mit Kollegen fordert, eine Notpraxis einzurichten. Denn schon jetzt sei der Mangel deutlich spürbar: "In die Krankenhäuser, in die Notaufnahmen kommen die Patienten ohne Überweisungen und sagen, sie hätten keinen Hausarzt", sagt Blessing. Im Raum Schopfheim gebe es überhaupt nur noch einen Kollegen, der noch Patienten aufnehme.

Junge Ärzte arbeiten gerne in Städten und in Teilzeit

In Stuttgart weiß Kai Sonntag, der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung zwar, dass Probleme kommen werden – aber nicht, wie sie leicht zu lösen wären. "Ärzte sind selbständige Unternehmer, die frei entscheiden, wo sie eine Praxis gründen oder übernehmen", sagt Sonntag. Immer mehr junge Ärzte arbeiteten am liebsten in Städten, in Gemeinschaftspraxen als Angestellte und häufig in Teilzeit. Trotz aller Unterstützung und Werbemaßnahmen herrscht bei der Suche nach Hausärzten Ratlosigkeit – vor allem auf dem Land.

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