94-jährige Holocaust-Zeitzeugin Singen und rappen gegen Faschismus und Nationalismus

Im United World College Freiburg hat die deutsch-jüdische Holocaust-Überlebende Esther Bejarano vor mehren hundert Jugendlichen aus aller Welt vor Nationalismus und Ausgrenzung gewarnt.

Man hätte eine Nadel fallen hören können, am Mittwochabend in der gefüllten Aula der internationalen Schule "United World College" in Freiburg. Zu Gast war die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano. Sie las aus ihrem Buch vor, wie sie als Jugendliche nach Auschwitz deportiert wurde und dort ins Mädchenorchester kam – als Akkordeonspielerin – obwohl sie das Instrument eigentlich gar nicht beherrschte. Nach der Lesung rappte die 94-Jährige zusammen mit der türkisch-italienischen Band Microphone Mafia.

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Es ist die späte Rache an den Nationalsozialisten, die sie antreibt. Esther Bejarano, Jahrgang 1924, als einzige ihrer Familie hat die Halbjüdin den Holocaust überlebt. Seither singt sie an Schulen und vor jungen Menschen gegen Faschismus und Nationalismus, seit zehn Jahren zusammen mit zwei türkisch- und italienisch-stämmigen Rappern.

Mit unermüdlicher Energie singt und tanzt die 94-Jährige, die kaum mehr als 1,50 Meter misst. Doch sie strahlt eine andere Größe aus. Als eine der letzten Holocaust-Überlebenden will sie noch möglichst viele Jugendliche erreichen, um mitzuteilen, was ihr in genau diesem Alter im KZ Auschwitz-Birkenau passiert ist.

Angesichts des aktuellen Rechtsrucks in Europa befürchtet Esther Bejarano, dass sich die Verbrechen der Nazi-Zeit wiederholen könnten. Ihr Auftritt ist eine Warnung an die jungen Menschen. Nach dem Konzert scharen sich die Schülerinnen und Schüler des Freiburger United World College um die Zeitzeugin. Sie bedanken sich, manche weinen. Ester Bejarano hat ihre Herzen erreicht.

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