US-amerikanische Botschafterin in Deutschland, Amy Gutmann. (Foto: SWR, Christoph Ebner )

US-Botschafterin Amy Gutmann in Freiburg

Carl-Schurz-Haus in Freiburg feiert Jubiläum mit Festival

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Wera Engelhardt
SWR Aktuell, Logo (Foto: SWR, SWR)

Seit 70 Jahren setzt sich das Carl-Schurz-Haus in Freiburg für die deutsch-amerikanische Freundschaft ein. Die Feierlaune können höchstens Vorwürfe gegen den Namensgeber trüben.

Das Carl-Schurz-Haus - Freiburgs deutsch-amerikanisches Institut - wird 70 Jahre alt und feiert dies mit einem dreitägigen Festival. Im Mittelpunkt stehen Ideen für die Zukunft der Demokratie im 21. Jahrhundert, wie das Institut mitteilte.

Zum Auftakt am Donnerstagabend sprach die US-amerikanische Botschafterin in Deutschland, Amy Gutmann, im Historischen Kaufhaus am Münsterplatz über Herausforderungen für die Demokratie. Eine der größten Gefahren sei die gezielte Verbreitung von Falschinformationen, sagte Gutmann. Der Kampf gegen Desinformation sei eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung.

Zwei junge Frauen und ein junger Mann sitzen auf einer Bühne im Gespräch mit der US-Botschafterin Amy Gutmann in ihrer Mitte. (Foto: SWR, Christoph Ebner)
Schülerinnen und Schüler des United Word College in Freiburg diskutierten mit der US-Botschaftin. Von links: Mariia Horodyska (Ukraine), Lorenzo Songsare Shevy (Deutschland), Botschafterin Amy Gutmann (USA), Farah Achouri (Tunesien). Christoph Ebner

SWR-Reporterin Wera Engelhardt berichtet über den Geburtstag des Carl-Schurz-Hauses:

Das Carl-Schurz-Haus organisiert jedes Jahr zahlreiche Vorträge, Lesungen und andere Veranstaltungen mit US-amerikanischen und deutschen Experten. Außerdem gibt es dort Englischkurse bei Muttersprachlern.

Was beschäftigt die Menschen jenseits des Atlantiks?

Im Mittelpunkt steht die deutsch-amerikanische Freundschaft. Angehörige beider Nationen sollen ins Gespräch kommen und so besser verstehen, wie der oder die andere tickt und was die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks beschäftigt.

"Wir sagen immer, das Carl-Schurz-Haus ist Amerika in Freiburg und bedeutet dadurch ein kleines Stück Heimat für Amerikanerinnen und Amerikaner, die hierherkommen und auf Deutsche treffen können."

Das hat auch einen historischen Hintergrund. Das Carl-Schurz-Haus wurde – damals noch als "Amerika-Haus" – im Jahr 1952 gegründet, also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Ziel war es, freundschaftliche deutsch-amerikanische Beziehungen aufzubauen. Die USA wollten außerdem im Zuge der "Reeducation", also "Umerziehung", die Demokratie im Nachkriegsdeutschland verankern.

Eine blonde Frau lächelt in die Kamera. (Foto: SWR, Wera Engelhardt)
Die Direktorin des Carl-Schurz-Hauses, Friederike Schulte. Wera Engelhardt

Heute sei der Austausch wichtiger denn je, vor allem nach zweieinhalb Jahren Corona, sagte Schulte. "Insgesamt gibt es verstärkten Verständigungsbedarf, weil politisch innerhalb unserer Gesellschaft, in den USA und zwischen den Ländern einiges auseinander gedriftet ist."

Vorwürfe gegen Namensgeber Carl Schurz

Der spätere Namensgeber Carl Schurz ist mittlerweile in den Mittelpunkt schwerer Rassismusvorwürfe gerückt. Schurz war aktiv bei der deutschen Revolution von 1848 dabei. Nachdem die gescheitert war, ging er über Umwege in die USA. Dort machte er Karriere und wurde schließlich Innenminister unter Präsident Rutherford B. Hayes (1822-1893).

Schurz galt lange als glühender Demokrat, der sich für Menschenrechte und gegen Rassismus einsetzte. Historiker vor allem in den USA schrieben aber jüngst, dass Schurz maßgeblich zur Rassentrennung in den USA beigetragen habe. Außerdem werfen sie ihm vor, dass er sich dafür eingesetzt habe, indigene Kinder umzuerziehen und zu einem westlichen Lebensstil zu zwingen.

Aufarbeitung der Geschichte

Das Carl-Schurz-Haus will sich nach Worten von Direktorin Friederike Schulte kritisch damit auseinandersetzen. Es habe bereits eine öffentliche Diskussionsrunde dazu geben, nächstes Jahr sei ein Austausch mit indigenen Amerikanern geplant, sagte Schulte. Das Institut ziehe aktuell nicht in Erwägung, sich umzubenennen.

Eine Frau und ein Mann lächeln vor drei Flaggen in Kameras. (Foto: SWR, Wera Engelhardt)
US-Botschafterin Amy Gutmann und Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn vor der Gerichtslaube des Alten Rathauses in Freiburg. Wera Engelhardt

Bei dem Festival zum 70-jährigen Bestehen sind bis diesen Sonntag, 16. Oktober, Diskussionen und Vorträge geplant. Am Freitag wird eine Fotoausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Barabara Peacock eröffnet. Am Sonntag gibt es einen Tag der offenen Tür im Institut, unter anderem mit einem Puppenspiel über Schurz' Leben für Kinder.