Eine schwarz-weiße Luftaufnahme aus den 1960ern zeigt das alte Dorf Langenwinkel. Langenwinkel ist ein lang gezogenes Dorf, entlang einer Straße. Rundherum sind Bäume aber vor allem viele Felder. (Foto: Stadtarchiv Lahr)

Feier zum 50. Jahrestag

Vor 50 Jahren: Das Dorf Langenwinkel zieht um

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Geschirr und Möbel zitterten, wenn Düsenjets über das Dorf flogen. Extremer Fluglärm machte das Leben in Langenwinkel unmöglich. Vor 50 Jahren musste das gesamte Dorf umziehen.

Ein Dorf verschwindet und wird an anderer Stelle wieder neu aufgebaut. Genau das hat es vor 50 Jahren bei Lahr (Ortenaukreis) gegeben. Das Dorf Langenwinkel wurde umgesiedelt, weil es in der Einflugschneise des Lahrer Militärflughafens lag. Denn der Lärm der kanadischen Düsenjets war damals unerträglich geworden. Außerdem waren die Menschen durch mögliche Flugzeugabstürze gefährdet.

Das Bild ist ein altes schwarz-weiß Bild aus einer Zeitung. Zwei Flugzeuge fliegen dicht über eine Straße und Häuser von Langenwinkel. Am Straßenrand stehen zwei Autos, Menschen laufen auf dem Gehweg. (Foto: Ortsverwaltung Langenwinkel)
Wegen Fluglärms wurde vor 50 Jahren das Dorf Langenwinkel (Ortenaukreis) komplett umgesiedelt. 1965 wurden die Bebauungspläne für ein neues Langenwinkel aufgestellt und 1968 erstmals Richtfest gefeiert. Im Jahr 1971 weihten Bürger und Politiker das neue Dorf ein. Ortsverwaltung Langenwinkel

Wolfgang Eichler war bei dem Umzug von Langenwinkel zwölf Jahre alt. Er erinnert sich noch gut, wie Geschirr und Möbel gezittert haben, wenn die Düsenjets über den Ort drüber geflogen sind.

"Die Flieger sind praktisch hier über die Häuser weg, so dass man das Gefühl hatte, wenn man auf dem Hausdach steht und eine Dachlatte nimmt, dann kann man die unten kitzeln."

Nicht alle wollten in das neue Dorf mit

Nach zähen Diskussionen hatten die Einwohner 1963 mit großer Mehrheit beschlossen, dass das Dorf einige Kilometer weg von der Start- und Landebahn der kanadischen Streitkräfte umgesiedelt werden soll. 400 Menschen lebten damals in Langenwinkel, mit umgezogen sind nur 250 von ihnen. Der Rest wollte woanders hin. Vor 50 Jahren, am ersten Oktober-Wochenende 1971, wurde dann das neue Langenwinkel eingeweiht.

Am Straßenrand stehen Erwachsene und Kinder, die den Umzug beobachten. Auf der Straße fährt ein  oranger Mähdrescher. An dem Mähdrescher hängt ein Schild mit dem Text "Und jetzt." Hinter dem Mähdrescher fährt ein weißes Auto mit großen Gegenständen auf dem Dach. (Foto: Stadt Lahr)
"Wir ziehen von Alt- nach Neu-Langenwinkel": Mit allerlei großem Gefährt haben die Langenwinkler ihr Hab und Gut transportiert. Zum Jubiläum fahren sie mit einem Festzug die Strecke von damals ab. Dabei erzählen Zeitzeugen, wie sie die Umsiedelung erlebt haben. Stadt Lahr

Das alte Dorf verschwindet

Der Friedhof und das Schulhaus - mehr ist vom alten Langenwinkel heute nicht mehr zu sehen. Heute sind dort, wo früher das Dorf war, Wiesen und die B36. Nach und nach wurden die Häuser damals wieder in Ackerland umgewandelt. Der Zeitzeuge Alfred Sütterlin erinnert sich, wie das Dorf zu einem Geisterdorf wurde.

Eine grüne Wiese und im Hintergrund die B36. Früher stand dort das Dorf Langenwinkel (Foto: SWR, Ulf Seefeldt)
Das Dorf Langenwinkel ist verschwunden. Dort, wo früher Häuser standen, ist heute die B36 und Ackerland. Nur noch der alte Friedhof und die Schule sind übrig. Ulf Seefeldt

"Irgendwann war das Dorf dann verschwunden und man hat sich nur noch erinnern können, indem man den Friedhof besucht hat, wo meine Großeltern begraben liegen. Oder in dem man das Schulhaus ansieht."

50. Jahrestag wird gefeiert

Heute, 50 Jahre nach der Umsiedlung, gehört Langenwinkel zu Lahr und hat 2.000 Einwohner. 34 von denen, die damals wegen des Fluglärms umgesiedelt wurden, leben noch immer im Dorf. Auch für sie wird an diesem Wochenende der Jahrestag gefeiert. Mit einem Festumzug vom alten in das neue Dorf erinnern die Langenwinkler an ihren Umzug und das alte Langenwinkel.

"Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, für manche Alt-Langenwinkler, die dann vielleicht wirklich nochmal miterleben, wie die Situation war oder vielleicht unterwegs das eine oder andere erzählen, was ihnen da noch einfällt."

Dafür findet am Alten Friedhof eine besondere Uraufführung statt: Ein Ensemble von Musikern und Sängern singt ein japanisches Lied, das von der Vergänglichkeit der Schönheit einer Ruine spricht. Zu diesem Auftritt wird dann ein Flugzeug über die Köpfe der Zuschauer hinweg fliegen. Es soll die Gefahr, die für die Menschen damals in Alt-Langenwinkel bestand, und den unglaublichen Lärm ausdrücken.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG