Freiburger Ukraine-Hilfe (Foto: S'Einlädele Freiburg)

30 Jahre Hilfswerk "S'Einlädele"

Nachhaltig und clever - Freiburger Ukraine-Hilfe

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Durch die Krisen-Gespräche in Genf blickt die Weltpolitik diese Woche mal wieder in die Ukraine. Das Freiburger Hilfswerk "S'Einlädele" tut das schon seit fast 30 Jahren - mit Erfolg.

Auch wenn man es ihnen kaum anmerkt - die aktuellen Spannungen zwischen ihrem Heimatland und Russland treiben Valeriia und Dmytro um. Die beiden jungen Leute aus der Ukraine absolvieren ein freiwilliges Jahr beim evangelischen Hilfswerk "S'Einlädele", benannt nach einem Freiburger Second-Hand-Laden, mit dem vor 30 Jahren alles begann. Während Valeriia im "Café Satz" arbeitet, ist Dmytro für "Die Oltmanns" im Einsatz - einem Gebraucht-Möbellager der Evangelischen Stadtmission.

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Die Mutter ist Soldatin an der Front - freiwillg

Dmytros Mutter war bis vor kurzem noch an der ostukrainischen Front. Sie ist Soldatin, hat sich 2014 freiwillig gemeldet. Dmytro war damals 14. "Ich bin daran schon gewöhnt", sagt er. Und fügt an: "Aber es ist sehr gefährlich." Außer wegen seiner Mutter macht sich der 22-Jährige wenig Gedanken um den Konflikt. In der Hauptstadt Kiew, wo seine Familie lebt, spiele der Krieg kaum eine Rolle, sagt er.

"Es ist wie mit Corona: Wir wissen, dass es da ist, wir hören ständig davon, aber wir reden kaum noch darüber. Es ist einfach etwas, mit dem wir leben, aber wir diskutieren darüber nicht viel."

Valeriia macht sich dagegen Sorgen um ihren Bruder. Der ist 18 und könnte - im Falle einer Eskalation des Konflikts - ins Militär eingezogen werden, fürchtet sie. Die junge Frau ist auf der Halbinsel Krim aufgewachsen. Als 2014 die Russen dort einmarschierten, floh sie mit ihrer Familie nach Kiew. Die Erinnerung daran macht sie traurig. Einige ihrer früheren Freunde leben noch auf der Krim.

Hilfstransporte in die Ukraine sind schwieriger geworden

Auch Volker Höhlein macht sich Sorgen. "Mehr denn je", sagt der Geschäftsführer des "S'Einlädele"-Hilfswerks. Seit der Maidan-Revolution und dem anschließenden Krieg mit Russland seien die Hilfstransporte in die Ukraine schwieriger geworden. In die Krisenregion im Osten, im Donbass, dürfen die Lkw nicht mehr fahren. Die notleidende Bevölkerung dort wird kaum erreicht.

Bildergalerie: Drei Jahrzehnte Freiburger Ukraine-Hilfe

Zahlreiche Freiburger Hilfsprojekte seit 1993

Doch auch in der übrigen Ukraine gibt es nach wie vor viel Armut. Seit 1993 haben die Freiburger zahlreiche Hilfsprojekte dort auf den Weg gebracht. Wohnheime für Straßenkinder oder verarmte Senioren etwa. Oder Einrichtungen für Familien, behinderte Menschen sowie für Kinder, die unter den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe leiden. Finanziert wurde und wird das alles mit Spenden und dem Verkauf von gebrauchten Kleidern, Möbeln oder Büchern in den Läden des Hilfswerks. Manches wird auch direkt in die Ukraine transportiert.

Die Ukraine-Hilfe fördert auch Menschen in Freiburg

Die Freiburger Ukraine-Hilfe ist also in mehrfacher Hinsicht nachhaltig. Denn neben der humanitären Hilfe wird hier Gebrauchtes repariert und weiter verwendet. Zudem sind in den Einrichtungen des "S'Einlädele"-Netzes zum Teil arbeitslose Menschen beschäftigt oder eben junge Freiwillige aus der Ukraine wie Valeriia und Dmytro.

"Einige unserer Freiwilligen haben Fluchterfahrungen. Mit diesem Freiwilligenjahr bekommen sie nochmal eine Chance, ganz anders zu starten."

Dmytro fühlt sich pudelwohl in Freiburg. Nach einem Jahr sind "Die Oltmanns" fast soetwas wie eine Familie für ihn geworden. Als nächstes möchte er ein paar Monate in einer Freiburger Schule als Hausmeister arbeiten. Dann, so hofft er, kann er vielleicht noch eine Ausbildung dranhängen - am liebsten in der IT-Branche. Die Perspektiven in seiner Heimat seien bescheiden, sagt Dmytro. Doch mit einer deutschen Ausbildung hätte er in der Ukraine deutlich bessere Chancen. Denn dahin will er zurück, Konflikte hin oder her: "Ich liebe die Ukraine."

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