In Baden-Württemberg gilt die Corona-Alarmstufe (Foto: SWR, Gabi Krings)

2G und 3G im Alltag

Wie die Menschen in Südbaden mit der Corona-Alarmstufe umgehen

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"Die Corona-Lage ist ernst", hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag gesagt. Seit Mittwoch gilt deshalb die Alarmstufe. In Südbaden ist sie bisher gut angelaufen.

Mittwochvormittag in der Freiburger Innenstadt. Langsam füllen sich die Straßen. Ein Straßenmusikant spielt Gitarre, Menschen gehen ihren Geschäften nach. Normaler Alltag. Zumindest fast: Denn bis auf Weiteres gilt die Corona-Alarmstufe.

Darauf weist auch ein großes Schild vor einem Café hin: Zulass nur für Geimpfte und Genesene. Drinnen ist dennoch fast jeder Tisch besetzt. Und das trotz - oder vielleicht sogar wegen - der strengen Kontrollen.

"Wir kontrollieren direkt am Eingang noch draußen, also wir versuchen jeden abzufangen, bevor er das Lokal betritt. Wir prüfen den Impfausweis oder Genesenennachweis und den Personalausweis."

Christine Cosar vom Café Journal ist ganz überrascht, dass es deshalb bisher keine Beschwerden gegeben hat. "Alle haben sich an alles gehalten. Alle haben ohne Wenn und Aber alles gezeigt. Es gab gar keine Probleme."

Auf die 2G-Regelung eingestellt

Die Cafébetreiberin hatte schon länger mit der Alarmstufe gerechnet und sich auf 2G bereits eingestellt. Das Verständnis dafür angesichts steigender Coronazahlen ist groß. Groß ist allerdings auch die Wut auf diejenigen, die sich nicht an Richtlinien halten und deshalb für die Situation verantwortlich sind. Von denen müsse sie sich nicht selten auch wüste Beschimpfungen anhören, berichtet Cosar. "Das macht wirklich wütend!"

Der Kritik schließt sich auch Martin Lauby vom Vorstand der Händlergemeinschaft "Z'Friburg in dr Stadt" an. Sein Verständnis für Impfverweigerer laufe gegen Null, sagt er. Allein mit Impfungen könne das gesellschaftliche Problem gelöst werden.

Doch bis zur Lösung gilt im Handel jetzt vorerst die G3-Regel. Beim Shoppen genügt künftig nicht mehr nur die Maske. Alles besser als ein Lockdown: Die Geschäfte seien inzwischen kampferprobt, gibt sich Lauby optimistisch, der auch Manager des Einkaufszentrums Schwarzwald-City mit rund 30 Geschäften ist.

"Wir haben schon zwei Lockdowns hinter uns. Das waren natürlich die größeren Schocksituationen. Es ist jetzt auch sehr schwierig, aber wir versuchen, das Beste draus zu machen."

Der Handelsverband konnte mit der Landesregierung vereinbaren, dass eine stichprobenhafte Überprüfung ausreicht. Es müsse also nicht jede einzelne Kundin oder jeder einzelne Kunde kontrolliert werden, ist Lauby erleichtert. Zwar sei auch die Stichprobenlösung eine Belastung im Tagesgeschäft, aber sie sei machbar.

Skepsis in Lörracher Friseursalon

Die große Hoffnung ist, dass das Weihnachtsgeschäft laufen kann und dass durch die neuen Bestimmungen und durch die Kontrollen nicht die Kundschaft ausbleibt. In Friseursalons ist diesbezüglich die Skepsis groß. Mustafa Yildirim, der in Lörrach drei Friseursalons betreibt, macht sich jedenfalls Sorgen: "Heute Morgen hat ständig das Telefon geklingelt und die, die nicht geimpft sind, haben abgesagt. Sie sagen, wenn ich schon einen PCR-Test machen muss, dann verbinde ich das mit dem Friseurbesuch. Aber extra für den Friseur tut sich das niemand an."

Manche wünschen sich noch strengere Corona-Maßnahmen

Ob die Alarmstufe tatsächlich weniger Umsatz bedeutet, bleibt abzuwarten. In Freiburg zumindest wird größtenteils begrüßt, dass die Landesregierung in Sachen Corona nun die Zügel wieder angezogen hat. "Die Alarmstufe ist längst überfällig", findet ein Passant angesichts der 390 Corona-Infizierten, die aktuell auf den Intensivstationen im Land behandelt werden. Eine Frau sieht es ebenso und ist sogar für noch strengere Maßnahmen. Eine Mittzwanzigerin hat zwar Mitleid mit den Ungeimpften, da sie jedoch selbst geimpft sei, wäre ihr die aktuelle Verschärfung egal, sagt sie. Eine junge Mutter betont die Notwendigkeit der Alarmstufe. Schließlich müsse man auch die Kinder schützen.  

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