Junge Mädchen gehen 2000 in Tracht und Bollenhut in Kirnbach zur Konfirmation (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa/dpaweb | Rolf_Haid)

Interview mit dem Bürgermeister

Der Bollenhut aus Gutach im Schwarzwald wird 225 Jahre alt

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Robert Wolf
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Dorothee Soboll
Dorothee Soboll, SWR Studio Freiburg (Foto: SWR)

Woher kommt der berühmte Bollenhut? Die Gemeinde Gutach im Ortenaukreis beansprucht für sich, Geburtsort des Symbols zu sein. Ein Gespräch mit dem Bürgermeister und Brauchtumsspezialisten.

Der Hut hat sich von der Ortenau aus, genauer gesagt von den Gemeinden Gutach, Kirnbach und Hornberg-Reichenbach, über die Jahrhunderte von der regionalen Tracht zum Symbol einer ganzen Region entwickelt. Wenn Menschen weltweit etwas vom Schwarzwald oder "Black Forest" hören, ist immer auch dieser Bollenhut mit dabei. Siegfried Eckert, Bürgermeister von Gutach und außerdem Brauchtumsspezialist, hat mit SWR-Moderator Robert Wolf über den charakteristischen Hut gesprochen.

SWR: Herr Eckert, wieso denn genau 225 Jahre? Gibt es eine Art Stichtag?

Siegfried Eckert: Am 7. Januar 1797 verfügte Herzog Friedrich Eugen von Württemberg, dass die Gemeinden im Oberamt Hornberg auf die Strohhüte, die übliche Dekoration von schwarzer und roter Farbe auftragen sollen. Später hat man Wollrosen draufgenäht und wiederum etwas später wohl Bollen. Daraus wurde der heutige, schöne Bollenhut.

SWR: Wann hat man diesen Bollenhut getragen?

Siegfried Eckert: Wir haben ihn in Gutach durchgängig getragen. Außerdem ist eine Festtagstracht, überwiegend am Sonntag, bei uns immer noch Tradition. Er wurde beim Erntedankfest oder immer bei besonderen Anlässen getragen.

SWR: Mittlerweile ist der Hut ein Symbol des Schwarzwalds geworden. Wie ist es Ihrer Meinung nach dazu gekommen?

Siegfried Eckert: Die schönen Dinge überstehen ja alles. Wir hatten den Vorteil, dass wir in Gutach auch eine sogenannte Malerkolonie hatten. Ganz viele Maler aus Deutschland sind nach Gutach gekommen und haben die schöne Landschaft, die großen Bauernhöfe und als Sahnehäubchen die wunderschöne Tracht gesehen. Speziell sind das die beiden Schwarzwaldmaler Hasemann und Liebig. Sie haben diese Bilder auf Postkarten festgehalten, die in die ganze Welt verschickt wurden. So sind überall der "Black Forest" und die Bollenhut-Tracht bekannt.

Das Interview zum Nachhören:

SWR: Welche Rolle spielt der Bollenhut denn heute noch in der Gemeinde?

Siegfried Eckert: Es ist eine Festtagstracht, im Alltag wird er nicht getragen. Brauchtum und Tradition pflegen wir, aber das Moderne wollen wir natürlich auch.

SWR: Nehmen wir die Fotografien von Sebastian Wehrle, der Heimat sehr künstlerisch und auch cool und modern darstellt. Ist der Bollenhut noch Tracht oder schon ein bisschen Kult?

Siegfried Eckert: Beides. Alle, die Trachten tragen, haben ein ganz anderes Verständnis. Wobei uns Sebastian Wehrle und Jochen Scherzinger einen sogenannten Bärendienst erwiesen haben. Denn sie zeigen die Tracht neu, so werden vor allem die jungen Menschen angesprochen, und die werden schon interessant dargestellt. Für konservative Trachtenträger ist das vielleicht manchmal ein bisschen grenzwertig. Aber das halten wir aus. Dann rutscht's ja manchmal ab in die Kunst, und darum ist die Tracht wieder in; auch das Tragen ist wieder in. Ich habe überhaupt keine Angst, dass wir da irgendwas verlieren, sondern im Gegenteil: Auch 450 Jahre danach werden wir die Tracht immer noch haben.

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