STAND

Am 24.11.2000 gab es in Deutschland den ersten BSE-Fall. Wegen der Rinderkrankheit mussten bis 2002 bundesweit 400.000 Rinder geschlachtet und vernichtet werden. Die Auswirkungen waren auch in Südbaden deutlich spürbar.

Der Leiter der Freiburger Veterinärbehörde Alexander Zietzer sagte noch am 24. November 2000 im SWR-Interview: "Ich gehe davon aus, dass in Deutschland Rinder deutscher Herkunft unverdächtig sind und zurzeit keine Gefahr der BSE-Erkrankung besteht. Wir haben keine Hinweise dafür, dass sich andere Entwicklungen anbahnen könnten."

24.11.2000: erster bestätigter BSE-Fall in Deutschland

Die Einschätzung war falsch. Noch am gleichen Tag gab es den ersten bestätigten BSE-Fall in Deutschland. In der Folge wurde die Rinderkrankheit bei immer mehr Tieren festgestellt, vor allem in Schleswig-Holstein und Bayern. Übertragen durch Tiermehl und Tierfette aus Hirn, Rückenmark und anderen Schlachtabfällen, verfüttert in der Bullen- und Kälbermast, sowie für die Milcherzeugung. Auch in Südbaden hatten Bauern zu diesen leistungssteigernden Produkten gegriffen, die erst kurz darauf in Deutschland verboten wurden.

Schwarzwälder Milchviehhalter in Aufregung

Die Aufregung bei den Milchviehhaltern war groß: "Ich hab zu jedem Tier eine Verbindung, und wenn ich mir vorstelle, morgen kommen die Lkw und machen die Kühe kaputt, das ist für mich unvorstellbar," sorgte sich ein Schwarzwälder Landwirt. Ein anderer sagte, dass keiner mit hundertprozentiger Sicherheit sagen könne, kein BSE im Stall zu haben.

7. Mai 2001: erster bestätigter BSE-Fall im Schwarzwald-Baar-Kreis

Tatsächlich machte der Rinderwahn vor Südbaden nicht halt. Am 7. Mai 2001 meldete der SWR in den Nachrichten den ersten Fall der Rinderseuche BSE im Schwarzwald-Baar-Kreis. Eine fünfeinhalb Jahre alte Kuh, die aus Oberschwaben zugekauft war, wurde nach dem Schlachten positiv getestet. Es war bis Dezember 2003 der einzige BSE-Fall in Südbaden. Die Auswirkungen der BSE-Krise in der Region waren dennoch enorm.

Preis für Rindfleisch im freien Fall

Aus Furcht vor der - auch für Menschen - tödlichen Krankheit wollte niemand mehr Rindfleisch essen. Die Preise sanken in den Keller. "Totale Katastrophe", schimpfte ein Landwirt aus Löffingen, der Anfang 2001 drei Rinder zum Freiburger Schlachthof gebracht hatte: "Die Landwirte gehen kaputt. Die Kühe sind um ein Drittel im Preis gefallen, wir können so nicht weitermachen. Es ist eine totale Katastrophe!"

Strafzahlungen: zuviel Milch auf dem Markt

Und das galt zunehmend auch für die Milch, denn hier drohte eine Überproduktion. Der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel und selbst Erzbischof Oskar Saier trafen sich mit Schwarzwälder Bauern zu Krisensitzungen. Diese berichteten von ihrem Dilemma. Da sie für ihre Schlachttiere derzeit kaum Geld bekämen, würden sie diese lieber im Stall lassen und weitermelken. Dadurch würden sie aber zu viel Milch produzieren, sodass eine Zwangsabgabe fällig würde. Man sei durch BSE also gleich doppelt gestraft.

Weißes Kalb wird von männlicher Person festgehalten (Foto: SWR)
Weißes Kalb wird von männlicher Person festgehalten

Staatliche Hilfsgelder flossen zwar. Die Wut der Bauern in Südbaden aber blieb. Nur wenige sahen in der Krise auch eine Chance. Nämlich, dass erkannt wird, dass "schnell und billig" in der Landwirtschaft Grenzen hat und mit Krankheiten wie BSE bezahlt werden muss. Die Hoffnung war da, dass auch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern die Einsicht wächst, dass qualitative und naturnahe Lebensmittel ihren Preis haben.

Laut Regierungspräsidium Freiburg hatte es bis 2006 in den Kreisen Schwarzwald-Baar, Ortenau und Breisgau-Hochschwarzwald acht BSE-Fälle gegeben, knapp 50 Milchkühe verendeten oder mussten getötet werden. Seither gilt Südbaden als BSE-frei.

STAND
AUTOR/IN