Der Sexarbeitskonferenz in Stuttgart vom 2. bis 3. September 2021 steht unter dem Motto "Aufklären statt ausgrenzen". (Foto: SWR, Foto: Verena Neuhausen)

Prostitution in der Region Stuttgart

Sexarbeitskongress in Stuttgart: Aufklärung und Diskussionen

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Aufklären statt ausgrenzen: Unter diesem Motto stand ein Kongress der Sexarbeitenden in Stuttgart. Am Freitag war auch die interessierte Öffentlichkeit zugelassen.

Am zweiten Tag des Sexarbeitskongresses in der Stuttgarter Liederhalle ging es den Veranstaltern am Freitag darum, die Gespräche und das politische Handeln in Bezug auf Sexarbeit zu versachlichen. Es sollte über die Lebenswirklichkeit in der Branche gesprochen und aufgeklärt werden über die Situation der Sexarbeitenden in der Region Stuttgart. Mit dabei: Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Beratungsstellen sowie Bordellbetreiber, Sexarbeitende und auch interessierte Privatpersonen.

Marietta Hageney vom Verein Solwodi Baden-Württemberg betreut Frauen, die sich von der Zwangsprostitution lösen möchten. Sie nahm am Freitag im SWR-Interview eine klare Haltung ein: "Wir sind für ein Sexkaufverbot."

Forderung nach Anerkennung der Sexarbeit

Nicole Schulze vom Bundesverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen berichtete von ihrer Arbeit als Prostitutierte auf der Straße. "Ich zahle Steuern wie jeder andere", sagte sie und forderte gleiche Anerkennung für ihre Arbeit.

Kritik von einer Aussteigerin

Schulzes ehemalige Kollegin Marie Merklinger war ebenfalls in die Liederhalle gekommen und kritisierte, dass klarer werden müsse, dass für die meisten die Sexarbeit nur der letzte Ausweg sei, um Geld zu verdienen. Meist profitierten andere von ihrer Arbeit - von Bordellbetreibern bis zu Schleusern, die arme Frauen aus Osteuropa holen. Hinter der Konferenz stehen ihrer Ansicht nach nur Vertreter aus dem Luxusbereich der Branche: "Die verdienen in einer Nacht 3000 Euro. Das sind aber nicht die, die die Last in der Prostitution tragen."

Baden-Württemberg

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Verbot von Sexkauf in der Diskussion

Bei dem Kongress sollte es darum gehen, falsche Vorstellungen von Sexarbeitenden abzubauen, deren Stigmatisierung zu bekämpfen und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Im Fokus stand dabei auch das sogenannte "Nordische Modell". In Schweden ist der Sexkauf seit 1999 verboten und Freier und Bordellbetreiber werden kriminalisiert, nicht aber die Sexarbeitenden.

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Von Michael Weisfeld
(Produktion: SR 2021)  mehr...

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