Mit diesem Elektrolyseur will das Unternehmen Ecoclean im Rahmen des Projekts „EcoLyzerBW“ im großen Maßstab herstellen und verkaufen.  (Foto: SWR, SWR)

Strom auch für Brennstoffzellen in Autos und Bussen

Stuttgarter Firma will riesigen Wasserstoff-Generator in Serie herstellen

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Das landeseigene ZSW-Institut und eine Stuttgarter Firma wollen einen großen Wasserstoff-Generator in Serie auf den Markt bringen. Das soll auch die Klimaneutralität voranbringen.

Rund zehn Jahren lang haben Forscherinnen und Forscher in Baden-Württemberg sich damit beschäftigt, wie Geräte Wasser im großen Maßstab in seine Bestandteile aufspalten können. Denn der bei dieser sogenannten Elektrolyse entstehende Wasserstoff kann mittels Brennstoffzellen Autos und Busse mit Strom antreiben.

Nun startet "EcoLyzerBW" – und die Macher erhoffen sich Großes von dem Projekt. Das Unternehmen SBS Ecoclean Group Stuttgart will nun an seinem Standort in Filderstadt (Kreis Esslingen) solche Geräte in Serie herstellen. Durch diese Anlagen mit der Größe von Schiffscontainern soll soviel Wasserstoff generiert werden können, dass es für Strommengen im Megawatt-Maßstab reicht. Allein an der Entwicklung waren 60 Zulieferer aus dem Land beteiligt.

Auch das mit der Vorarbeit beschäftigte Forscherteam des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in Stuttgart-Vaihingen sieht große Chancen.

Erneuerbaren Strom in Brennstoff umwandeln

Die Wasserstoff-Technologie ermöglicht es, erneuerbare Energie ohne Stromleitungen dorthin zu bringen, wo und wann immer sie gebraucht wird. Denn der bei der Elektrolyse verwendete Strom wird schließlich im generierten Wasserstoff als Energie zwischengespeichert, beispielsweise im Fall der Brennstoffzellen. Relevant könnte der Einsatz der Anlagen etwa bei Windkraftanlagen sein, um von dort den Wasserstoff dorthin zu bringen, wo er mittels Brennstoffzellen wieder zu Strom umgewandelt werden kann. Eine Möglichkeit wäre auch, direkt vor Ort eine Wasserstoff-Tankstelle zu betreiben.

Manfred Hermanns ist Vertriebsleiter des Unternehmens Ecoclean Stuttgart, das Partner beim Projekt „EcoLyzerBW“ ist. (Foto: SWR, SWR)
Manfred Hermanns ist Vertriebsleiter des Unternehmens Ecoclean Stuttgart, das Partner beim Projekt „EcoLyzerBW“ ist. SWR

Zu Luft und zu Wasser ohne fossililen Treibstoff

Das Forscherteam des ZSW in Stuttgart-Vaihingen ist außerdem der Ansicht, Systeme wie diese könnten hilfreich sein, um die Klimaziele Deutschlands und Europas zu erreichen. "Erst so kann man in einigen Bereichen die Klimaneutralität überhaupt erst erreichen", sagt Marc-Simon Löffler, Leiter des Bereichs Wasserstoffförderung am ZSW.

Marc-Simon Löffler leitet den Bereich Wasserstoffförderung am ZSW in Stuttgart-Vaihingen. (Foto: SWR, SWR)
Marc-Simon Löffler leitet den Bereich Wasserstoffförderung am ZSW in Stuttgart-Vaihingen. SWR

So könnten etwa der Schiffs- oder Flugverkehr "dekarbonisiert" werden, was bedeutet, dass fossile Energieträger wie Schiffsdiesel oder Kerosin überflüssig wären. Der Wasserstoff könnte demnach auch in der energieintensiven Stahl- oder Zementindustrie in großem Maßstab zum Einsatz kommen.

Kooperationspartner sind sehr optimistisch

Weltweit, so erklären ZSW und Ecoclean in einer gemeinsamen Mitteilung, gebe es derzeit nur etwa zehn Unternehmen, die überhaupt kommerzielle Elektrolyse-Systeme im Megawatt-Maßstab anbieten könnten. Er zeigt sich sehr optimistisch, dass das Unternehmen nun von der Region Stuttgart aus mit den neuen Elektrolyseur-Modellen durchstarten kann: "Das wird jetzt sehr, sehr schnell in die großen Stückzahlen gehen." Die Industrie in Baden-Württemberg sei durch ihr Profil außerdem sehr gut geeignet, um in das Thema Wasserstoff einzusteigen, sagt Löffler.

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