Verdacht auf illegale Beschäftigung

Nach Razzia bei Pflegeagentur in Stuttgart: Geschäftsführer in Haft

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Jahrelang soll eine Agentur für häusliche Pflege in Stuttgart illegal Menschen aus Serbien und Bosnien vermittelt haben. Durchsucht wurden mehr als 100 Gebäude in ganz Deutschland.

Zollbeamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit hatten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart Durchsuchungen in bundesweit 109 Objekten in 13 Bundesländern mit 400 Zollbeamten und weiteren Beamten der Bundespolizei durchgeführt. Einer von zwei Beschuldigten, der 34-jährige Geschäftsführer, wurde bei einer Durchsuchung festgenommen. Er sitze mittlerweile in Untersuchungshaft, so Thomas Seemann vom Hauptzollamt Stuttgart am Mittwoch auf SWR-Nachfrage.

Zollbeamte durchsuchen ein Wohnhaus (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler (Symbolbild))
Zollbeamte durchsuchen ein Wohnhaus (Symbolbild) picture alliance/dpa | Boris Roessler (Symbolbild)

In Stuttgart wurden rund 50 Nicht-EU-Ausländer angetroffen, die keine Arbeitsgenehmigung vorweisen konnten. "Die Pflegekräfte, die sich illegal in Deutschland aufgehalten haben, werden von den Ausländerbehörden entsprechende Verfügungen bekommen, sodass sie Deutschland aufgrund ihres illegalen Aufenthalts unverzüglich verlassen müssen", so der Zoll-Sprecher weiter.

Die Arbeitskräfte sollen mutmaßlich über Monate in sogenannten "Rund-um-die-Uhr-Schichten" im Haushalt der Pflegebedürftigen eingesetzt worden sein. Für ihre Arbeit sollen die Pflegerinnen und Pfleger Arbeitslöhne in Höhe von 1.500 bis 2.000 Euro pro Monat erhalten haben. Nach Angaben des Sprechers des Zolls soll die Pflegagentur ihr Geschäftsmodell seit vier Jahren betrieben haben. Dabei seien dem Staat vermutlich Millionenbeträge an Sozialabgaben entgangen. Es sollen mehr als 100 illegal Beschäftigte von Stuttgart aus vermittelt worden sein.

Zoll Stuttgart: Immer wieder Hinweise auf Schwarzarbeit

Wie die Behörden auf die Vermittlungsagentur in der Stuttgarter Innenstadt aufmerksam geworden sind, wollte der Zoll auf Anfrage nicht sagen. Man bekomme aber generell immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung, so Thomas Seemann. "In Stuttgart gehen bei uns uns pro Woche etwa 25 anonyme Hinweise auf Schwarzarbeit ein." Viele würden aus dem Bereich der Baubranche kommen. "Es melden sich aber auch besorgte Bürger, die sagen: 'Hier in der Straße sind bei einem pflegebedürftigen Nachbarn Personen angestellt, die möglicherweise einen fragwürdigen Hintergrund haben'", so Seemann. Der Zoll würde den Hinweisen dann nachgehen und diese bewerten. Gerade im Bereich der Pflege müsse man aber sensibel vorgehen. "Der Bereich der Pflege und der häuslichen Wohnung ist ein durch das Grundgesetz besonders geschützter Bereich." Man müsse deshalb im Vorfeld genau schauen, wo Gefahren von Schwarzarbeit bestehen könnten und welcher Tatumfang möglicherweise dahinter stecke, so der Sprecher des Stuttgarter Hauptzollamts.

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SWR