Tamara Myers, Projektleiterin des Stadtbahn-Tunnels zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof (Foto: Pressestelle, DB)

Tunnelchefin, Tropennächte, Tierreserve

Wochenrückblick: Australische Coolness bei der Bahn in Stuttgart

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Philipp Pfäfflin
Bild von Philipp Pfäfflin (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)

Der S21-Rohbau ist fertig und die Stadtbahn fährt keine Umwege mehr. Was das mit einer Australierin zu tun hat und warum es Tiere mit würfelförmigem Kot gibt - mehr im Wochenrückblick.

Hallo, ich bin Philipp Pfäfflin und Redakteur im SWR Studio Stuttgart. Im Wochenrückblick geht es dieses Mal um diese Themen:

S21-Rohbau fertig: Was heißt das für Pendler?

Stuttgart

Stuttgart 21 S21: Rohbau des Tiefbahnhofs fertiggestellt

In rund zwei Jahren soll der neue Tiefbahnhof von Stuttgart 21 in Betrieb gehen. Der neue Bahnhof nimmt zunehmend Form und Gestalt an: Am Dienstag wurde das Dach fertig betoniert.

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Diese Woche wurde das Dach des künftigen Stuttgarter Tiefbahnhofs geschlossen. Die Bahn hat damit den S21-Rohbau offiziell beendet. Was heißt das? Erst einmal, dass weiter gebaut wird: Gleise und Oberleitungen müssen verlegt, die Lichtaugen des unterirdischen Tiefbahnhofs verglast und auch der Bahnhofsturm muss noch saniert werden. Und ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember fahren die Stadtbahnen wieder direkt zwischen der Staatsgalerie und dem Hauptbahnhof.

Wer bis jetzt von Bad Cannstatt oder dem Stuttgarter Osten zum Bahnhof fahren wollte, musste am Charlottenplatz umsteigen. Das bedeutete eine Fahrzeit zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof von sieben Minuten. Künftig ist es nur noch eine Minute. Tamara Myers freut sich darauf. Sie ist nicht Pendlerin, sondern Chefin dieser Stadtbahn-Tunnelverbindung mit teilweise 100 Menschen auf der Baustelle.

Projektleiterin Tamara Myers im Stadtbahntunnel zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof (Foto: Pressestelle, DB)
Arbeitsplatz Stadtbahn-Tunnel zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof: Bevor Tamara Myers nach Stuttgart kam, hat sie in einer Mine in Australien gearbeitet.

Geboren wurde sie in Australien, sprach nur bedingt Deutsch und suchte als damals 27-Jährige eine Herausforderung. Die hat sie bekommen. Eine Baustelle zwischen Schienen, Straßen und dem Schlossgarten, dort, wo der Hauptabwasserkanal der Stadt den Bahnhof unterquert (Nesenbach-Düker) und unter der Beobachtung all der Menschen, die über den Ferdinand-Leitner-Steg direkt über die Baustelle laufen oder radeln. Da muss man als Projektchefin cool bleiben können.

Die Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie in Stuttgart als mehrfarbige Grafik (Foto: Pressestelle, DB)
Über-, neben- und untereinander: die Stadtbahn mit der Haltestelle Staatsgalerie (hellgrün), der künftige Tiefbahnhof (braun-grau), die Bundesstraße 14 (dunkelgrün) und der Nesenbach-Düker (lila)

Das Milliardenprojekt S21 ist und war umstritten - das hat die Projektleiterin, die zuvor für die Arbeiten in einer australischen Zink-Mine verantwortlich war, schnell mitbekommen. Sie meint: "Jeder soll seine Meinung haben und sie auch äußern. Und wir von der Bahn sollten darauf auch eine Antwort haben." Beispiel: Königin-Katharina-Stift. Als die Schulleiterin auf sie zukam und sagte, während des Abiturs müsse Ruhe herrschen, war Tamara Myers sofort klar: "Wenn bei meinem Abitur massiv gebohrt worden wäre, ich wäre zusammengebrochen." Also hat sie zusammen mit ihrem Bauteam den Zeitplan für die Bohrarbeiten verändert. "Da gibt es genügend Vorlauf. Das lässt sich gut steuern."

Dass die Stadtbahnverbindung Staatsgalerie-Hauptbahnhof jahrelang gekappt werden würde, war für viele Pendlerinnen und Pendler eine böse Überraschung. Während der Planung hieß es in den Genehmigungsunterlagen, dass die Verbindung lediglich für rund zwei Wochen unterbrochen werden müsste. Tamara Myers sagt dazu: "Das war natürlich ungünstig, dass das kommuniziert wurde." Denn schnell habe sich herausgestellt, dass das räumlich nicht funktioniert hätte. Jetzt aber will die 31-Jährige vorausblicken - auf den Fahrplanwechsel und darauf, dass dieser Teil der S21-Großbaustelle abgeschlossen wird.

Über den aktuellen Stand auf der S21-Baustelle hat SWR Aktuell TV am 28.11.2023 berichtet.

Weltklimakonferenz in Dubai: Wie steht es um das Klima in Stuttgart?

Wie ist die Ausgangslage zu Beginn der Klimakonferenz? Werner Eckert aus der SWR-Umweltredaktion.

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Die diesjährige Weltklimakonferenz hat begonnen. Im Öl-Staat Dubai, mittlerweile schon die 28., 70.000 Menschen nehmen daran teil. Was bei dem Mammut-Event herauskommen wird, ist offen. Mich interessiert die Meinung von Ulrich Reuter, der fast 40 Jahre lang der Stadtklimatologe von Stuttgart war. Ulrich Reuter ist mittlerweile 71 Jahre alt und seit sechs Jahren im Ruhestand. Auf die UN-Klimakonferenz in Dubai blickt er mit gemischten Gefühlen. Von früheren Konferenzen weiß er: Bei so unterschiedlichen Interessen ist es schwierig, zu wirklichen Ergebnissen zu kommen. Andererseits sagt er: "Jede Chance muss genutzt werden - auch um über das Thema zu reden."

Ulrich Reuter, der frühere Stadtklimatologe von Stuttgart, bei einem Interview. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Franziska Kraufmann/dpa | Franziska Kraufmann)
Der frühere Stuttgarter Stadtklimatologie Ulrich Reuter ist "zum Teil ein bisschen enttäuscht" von der Stuttgarter Klimapolitik. (Archivfoto)

Ulrich Reuter lebt oben auf den Fildern, genießt die warmen Sommer: "Als Pensionär kann man das gut aushalten." Doch er kennt die Kehrseite: die Hitze im Kessel. Wenn es in Sommernächten nicht richtig abkühlt und die Temperaturen über 20 Grad bleiben. Tropennächte nennt sich das. Von erholsamem Schlaf können da viele nur träumen. Dass auch in Stuttgart die Zahl der Tropennächte stark zugenommen hat, das zu erkennen, dafür muss man nicht Stadtklimatologe sein.

Das hätte das Hitzeempfinden um mehr als zehn Grad verbessert.

Deswegen sei er - Reuter formuliert es diplomatisch - "zum Teil ein bisschen enttäuscht von der vertanen Chance am Stuttgarter Marktplatz". Eigentlich hätten dort Bäume gepflanzt werden sollen. "Das hätte das Hitzeempfinden um mehr als zehn Grad verbessert", sagt der frühere Stadtklimatologe und erinnert an die Worte des früheren Oberbürgermeisters Fritz Kuhn (Grüne), alles zu tun, um die Hotspots in der Stadt zu reduzieren. Dass dann zu wenig Platz zum Beispiel für Veranstaltungen oder den Markt gewesen und es technisch schwierig mit dem Untergrund gewesen wäre - Ulrich Reuter findet diese Argumente nicht nachvollziehbar.

Sein Appell: Energie und Treibhausgase sollten wo immer möglich eingespart und sich gleichzeitig an das künftige Klima angepasst werden. Er selbst ist übrigens weiter für den Klimaschutz aktiv: An der Hochschule für Technik hält er eine Stadtklimatologie-Vorlesung und beim VDI, dem Verein Deutscher Ingenieure, arbeitet er ehrenamtlich an Richtlinien zu Klimathemen.

Die Abstimmung ist bereits beendet.

Wie wichtig ist der Schutz des Klimas für euch?

  • Schon wieder so eine Klimakonferenz. Haben die kein wichtigeres Thema? 8,5%
  • Ob ich persönlich verzichte, macht keinen Unterschied. Deswegen mach ich mir da keinen Kopf. 3,9%
  • Hoffentlich gibt es in Dubai ein starkes Ergebnis. Nur alle Staaten zusammen können das Problem lösen. 53,6%
  • Ich warte nicht auf Ergebnisse der großen Politik. Ich handele selbst. 34,0%

Hinweis: Das Abstimmungsergebnis zeigt ein Meinungsbild unserer Nutzer*innen und ist nicht repräsentativ.

In der vergangenen Woche wollten wir von euch wissen, was ihr von Memes an Baustellen haltet. Die große Mehrheit (90,8 Prozent) gab an: "Gefällt mir. Humor ist immer besser als sich aufregen."

Über die Weltklimakonferenz hat SWR Aktuell am 30.11.2023 berichtet.

Reservepopulation für Tiere mit Kot in Würfelform: Warum hält die Wilhelma Wombats?

In der Wilhelma gibt es neue Bewohner: Nacktnasenwombats. Tiere aus Down Under, die mit Kängurus verwandt sind - auch wenn sie mich eher an eine Mischung aus Waschbären und Mäusen erinnern. Interessant ist auch: Der Kot ist würfelförmig.

Doch das ist nicht der Grund, warum die Wombats in der Wilhelma gehalten werden. Vielmehr sind die bis zu einen Meter langen und bis zu 50 Kilogramm schweren Tiere Teil der sogenannten Reservepopulation. Klingt technisch und ist es in gewisser Weise auch. Da Wombats in der freien Wildbahn vom Aussterben bedroht sind, werden sie in Zoos und Tiergärten gepflegt und gezüchtet, damit man im Notfall auf sie zurückgreifen kann. Sprich: Sollte die Population in freier Wildbahn noch weiter zurückgehen, könnte man wieder Tiere dieser Reservepopulation auswildern.

Stuttgart

Stuttgarter Zoo Kot in Würfelform: Nacktnasenwombats neu in der Wilhelma

Im Sommer wurde in der Stuttgarter Wilhelma die "Terra Australis" eröffnet. Nun sollen immer mehr tierische Vertreter aus Australien in dem Zoo eine Heimat finden - etwa Wendy und Windemere.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Sind das nur Pläne für die Zukunft und bislang vor allem Theorie, will ich von Wilhelma-Chef Thomas Kölpin wissen. Nein, sagt er und verweist auf die bereits geglückte Auswilderung von Gänsegeiern und Steinböcken. Außerdem berichtet er: Neben den Wombats gehören in der Wilhelma beispielsweise auch die Geparden, Schneeleoparden und Koalas zur Reservepopulation.

Über die Nacktnasenwombats in der Wilhelma hat SWR4 am 29.11.2023 berichtet.

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