Vorreiterin in der Affenaufzucht

"Affenmutter" Gundi Scharpf aus der Wilhelma in Stuttgart ist tot

STAND
INTERVIEW
Martina Klein

Die ehemalige Wilhelma-Tierpflegerin Gundi Scharpf ist tot. Vielen Stuttgartern ist sie als "Affenmutter" der Wilhelma bekannt.

Die "Affenmutter" der Stuttgarter Wilhelma, Gundi Scharpf, ist am Wochenende im Alter von 80 Jahren gestorben.

Affenmutter Gundi Scharpf ist tot. Hier ein Archivbild aus dem Jahr 2000. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Bernd_Weißbrod)
Die Tierpflegerin Gundi Scharpf hat mehr als 100 Affenbabys in der Stuttgarter Wilhelma gewickelt und gefüttert. Einen Teil von ihnen hat sie auch zuhause aufgezogen. (Archiv) picture-alliance / dpa | Bernd_Weißbrod

Scharpf hat mit ihrem Mann Heinz über Jahrzehnte insgesamt 35 Affen in der eigenen Wohnung aufgezogen. Später wurde sie die Leiterin des Jungtieraufzuchthauses der Wilhelma. Sie hat zwei Töchter, eine von ihnen ist Birgitt Scharpf. Sie erzählt im Gespräch mit dem SWR, wie es war, mit Affen zusammen aufzuwachsen.

SWR: Frau Scharpf, wenn Sie an Ihre Mutter denken, was kommt Ihnen dann als erstes in den Sinn?

Birgitt Scharpf: Einfach bewundernswert, wie sie das gemeistert hat, wie sie uns allen gerecht geworden ist. Ich glaube, sie hat oft nächtelang keinen durchgehenden Schlaf gehabt. Wenn die Babys klein waren, musste sie die versorgen. Aber wir sind am Tag dann in der Schule gewesen und sie hat das alles wahnsinnig gut hingekriegt, ohne dass sich da jemand benachteiligt gefühlt hat. Das ist eine Leistung. Unglaublich.

Video herunterladen (2,9 MB | MP4)

Wie war das für Sie? Waren die Affen immer schon da? Also waren die sozusagen vor Ihnen in der Familie?

Als ich schon geboren wurde und meine Schwester, glaube ich, auch auf dem Weg war, da kam der erste Orang-Utan.

Das war 1967. Da hat Ihr Vater Heinz Scharpf, auch Tierpfleger in der Wilhelma, das Baby Lea mit gebracht, weil die Orang-Utan Mama das nicht angenommen hat. Dann ist das mit Ihnen groß geworden.

Wir haben uns da gar nichts dabei gedacht. Ich glaube schon, dass wir auch mal so Konkurrenzgefühle hatten oder so, aber auch eher untereinander und ja, alles normal. Aber die Affen waren ja ein Jahr bei uns. Und dann sind sie auch wieder integriert worden in die Gruppe. Das war wie am laufenden Meter: Ging einer, kam der Nächste und kaum hatte sie den einen durchs Gröbste durch und viele Nachtschicht-Stunden hinter sich, dann kam schon der Nächste. Für meine Mutter war es wahnsinnig anstrengend. Sie hat es geliebt. Sie hat ihren Beruf als Berufung gesehen.

Affenmutter der Nation Gundi Scharpf (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Bernd_Weißbrod)
Eine Aufnahme aus dem Jahr 2000. Gundi Scharpf spielt im Affenhaus der Wilhelma mit einem Schimpansen, den sie aufgezogen hat. (Archiv) picture-alliance / dpa | Bernd_Weißbrod

Affen-Babys erscheinen ein wenig wie Kleinkinder: Sie machen überall Unordnung, sorgen für Unruhe. Aber es sind und bleiben Wildtiere. Und sie sollten ja auch so erzogen werden.

So ist es. Meine Mutter hat immer sehr, sehr darauf geachtet, dass sie die nicht vermenschlicht, sondern dass sie den Tieren gerecht wird. Und auch eine artgerechte Haltung war ihr wichtig. Sie hat immer versucht zu studieren: Was brauchen die? Wo geht es lang? Als ich klein war, da herrschte noch zum Teil der Geist der Fünfzigerjahre: Geschichten wie auf dem Jahrmarkt stellt man Tiere aus - so zum Gaffen und zur Belustigung. Sie war die Erste, die gesagt hat, das lassen wir lieber mit dem Schaufüttern und so.

Sie haben schon gesagt: Sie gingen damals in die Schule. Hieß es in der Schule dann auch schon mal: "Du stinkst nach Affe"?

Ja, so etwas habe ich schon auch erlebt. Oder: Wie kann man sich so um Tiere kümmern? Aber ja, insofern ist meine Familie da anders.

Ihre Schwester ist in die Fußstapfen der Eltern getreten.

Sie ist Tierpflegerin im Zoo - in Perth in Australien. Sie hat auch einen Tierpfleger geheiratet. Ich würde aber auch von mir sagen, dass ich in die Fußstapfen getreten bin. Ich bin nur im Kindergarten gelandet. Bei den unbehaarten Primaten bin ich. Aber es sind so viele Parallelen und wir haben uns viel darüber ausgetauscht.

Was hätte Ihre Mutter am allermeisten gefreut als Erinnerung an sich?

Ihre Wahnsinns Empathie ist einfach unvergesslich.

Mehr zum Thema

Stuttgart

Früherer Besucherliebling ist auf Wohnungssuche Wilbär kehrt nicht nach Stuttgart in die Wilhelma zurück

Er war ein Besucherliebling und Medienstar: Der kleine Eisbär Wilbär in der Stuttgarter Wilhelma. Obwohl er nun eine neue Bleibe sucht, wird er nicht an den Neckar zurückkehren.  mehr...

Stuttgart

Exotisches aus heimischem Garten Stuttgarter Rentner macht Wilhelma Elefanten glücklich - mit eigenen Bananen

Der Stuttgarter Folker Bauer besitzt eine riesige Bananenpflanze in seinem Garten. Jeden Herbst muss sie zurück geschnitten werden. Nur: wohin mit 300 Kilo Bananen-Grüngut?  mehr...