Tarifkonflikt bei der Flugsicherheit

Warnstreik am Flughafen Stuttgart: Erneut viele Flugausfälle und Verspätungen

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Ab 3 Uhr am Dienstagmorgen war das Sicherheitspersonal wieder im Warnstreik. Den ganzen Tag über gab es erhebliche Behinderungen. 40 Flüge wurden annulliert.

Warnstreik des Sicherheitspersonal am Flughafen Stuttgart: Am Dienstag fallen zahlreiche Flüge aus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)
Warnstreik des Sicherheitspersonal am Flughafen Stuttgart: Am Dienstag fallen zahlreiche Flüge aus. picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Allein bis zum Dienstagvormittag wurden mehr als zehn Abflüge gestrichen, unter anderem Verbindungen nach Berlin, Istanbul und Athen. Ebenso viele Landungen in Stuttgart sind weggefallen. Nach Angaben einer Sprecherin des Stuttgarter Flughafens mussten 40 von 50 geplanten Flügen gestrichen werden. Die Passagiere mussten Wartezeiten bis zu einer Stunde in Kauf nehmen.

Zweiter Warnstreik innerhalb von acht Tagen

Hintergrund sind die bundesweiten Tarifverhandlungen für das Sicherheitspersonal an Flughäfen. Die Gewerkschaft ver.di hatte die Beschäftigten im Bereich der Fluggastkontrollen zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen zum Warnstreik aufgerufen. Der Ausstand dauerte bis 0 Uhr. Vor einer Woche waren wegen Warnstreiks 28 Flüge ausgefallen.

Gewerkschaftssekretärin Eva Schmidt, in Baden-Württemberg zuständig für den Bereich Flughäfen, zeigte sich am Dienstagvormittag zufrieden. Etwa 130 Beschäftigte hätten sich an dem Warnstreik beteiligt. Im Bereich der Personal- und Warenkontrolle waren die Beschäftigten bereits am Montagabend um 21:30 Uhr in einen 24-stündigen Warnstreik getreten.

Ein Mann mit der Fahne der Gewerkschaft ver.di läuft an einer langen Schlange von wartenden Passagieren vorbei. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)
Am Dienstag wird an den Sicherheitskontrollen am Flughafen Stuttgart wieder gestreikt. Passagiere sollten sich vor Abflug informieren und mehr Zeit einplanen. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Flughafen rät: Flugstatus checken und mehr Zeit einplanen

Der Flughafen Stuttgart empfahl Fluggästen dringend, sich vor der Fahrt zum Flughafen über den Status ihres Fluges zu informieren. Viele Airlines mussten infolge der Streikankündigung Flüge verlegen oder streichen. Außerdem sollten die Passagiere mehr Zeit für die Sicherheitskontrollen einplanen. Am vergangenen Dienstag hatte die Wartezeit teilweise mehr als eine Stunde betragen. Außerdem empfahl die Flughafengesellschaft, möglichst wenig Handgepäck mitzunehmen.

Bisher keine Einigung bei den Tarifverhandlungen

Die Tarifverhandlungen für Sicherheitskräfte an den Flughäfen verlaufen derzeit stockend. In den bisherigen vier Verhandlungsrunden konnte keine Einigung für die bundesweit 25.000 Beschäftigten erzielt werden. Die Gewerkschaft ver.di fordert unter anderem, den Stundenlohn für die Luftsicherheitsdienste um mindestens einen Euro pro Stunde zu erhöhen.

Flughafenverband warnt vor wirtschaftlichen Folgen des Streiks

Der deutsche Flughafenverband ADV warf der Gewerkschaft vor, durch einen erneuten Warnstreik den Flughafenstandort Deutschland zu schwächen. Die Flughäfen seien nicht Tarifpartner, sie seien jedoch von den wirtschaftlichen Konsequenzen unmittelbar betroffen. Das Personal an den Passagier- und Handgepäckkontrollen, die sogenannten Luftsicherheitsassistenten, sind im Auftrag der Bundespolizei bei privaten Sicherheitsdienstleistern beschäftigt.

"Ein flächendeckender, ganztägiger Warnstreik mit kürzester Vorwarnung sprengt jegliches Maß des Erträglichen."

Heftige Kritik auch von Fluggesellschaften

Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften forderte eine Neuordnung der Sicherheitskontrollen. Die bestehende Organisationsstruktur mache den Bund als Auftraggeber und die Passagiere erpressbar. Deshalb hätten sich die Kosten für die Sicherheitskontrollen in Deutschland verdoppelt.

Die Fluggesellschaften reagierten unterschiedlich auf die Warnstreiks an mehreren deutschen Flughäfen. Andreas Gruber, Manager bei Ryanair, forderte sofortige Maßnahmen der Bundesregierung, um die Streiks zu beenden. Eurowings-Betriebschef Jens Ritter warf ver.di vor, mehr als 20.000 Urlaubsreisen, 10.000 Business Trips und 5.000 Familienbesuche verhindert zu haben. Condor organisierte dagegen für mehr als 2.000 Fluggäste Ausweichflughäfen.

Die Warnstreiks betrafen laut ver.di nicht nur den Flughafen Stuttgart, sondern auch die Airports in Frankfurt, Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, Düsseldorf und Köln/Bonn. Am Donnerstag ist eine fünfte Tarif-Verhandlungsrunde in Raunheim bei Frankfurt angesetzt.

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