Vor der Premiere von "Tanz der Vampire"

Vorfreude auf das Musical - Bilanz der Corona-Verluste

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Das Musicalunternehmen Stage Entertainment hat in der Corona-Pandemie Verluste gemacht. Vor der Premiere von "Tanz der Vampire" am Dienstag sprach Konzernsprecher Stefan Jaekel im Interview darüber.

Letzte Proben zum Musical "Tanz der Vampire", das am Dienstag in Stuttgart Premiere hat. (Foto: Convensis GmbH Stuttgart)
Letzte Proben zum Musical "Tanz der Vampire", das am Dienstag in Stuttgart Premiere hat. Convensis GmbH Stuttgart

SWR-Moderatorin Martina Klein: Wie hoch ist denn Ihr Minus durch die Corona-Pandemie?

Stefan Jaekel: Tatsächlich haben wir in den vergangenen 19 Monaten rund 500 Millionen Euro nicht umsetzen können. Das ist der Umsatzausfall. Und wir haben, obwohl wir wirklich versucht haben, all unsere laufenden Kosten auf das Minimum zu reduzieren, immer noch unvermeidbare laufende monatliche Kosten von rund 5 Millionen Euro pro Monat gehabt. Da ist also einiges zusammengekommen.

Klein: Sie haben 99 Stellen von insgesamt 300 gestrichen, vor allem in der Verwaltung in Deutschland. Die Künstler waren auch beim Privattheater durch Kurzarbeit gesichert. Gab es sonst noch Sonderprogramme, an denen Sie partizipieren konnten?

Jaekel: Es gab einen Topf von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der für alle Theater in Deutschland galt - unabhängig, ob subventioniert oder privat. Der ist gedeckelt auf 100.000 Euro pro Theater. Dennoch fanden wir es natürlich symbolisch anständig und richtig, dass wir uns dafür bewerben konnten und dass wir dieses Geld auch bekommen werden.

Klein: Seit 2018 gehören Sie zu Advanced Publication, einem amerikanischer Verlagskonzern. Da gab es einen Eigentümerkredit. In welcher Höhe, Stefan Jaekel?

Jaekel: Also in satter Millionenhöhe, die wir aber Gottseidank immer nur dann in Teilen abrufen mussten, wenn wir wussten: Das sind jetzt die Monatsausgaben, die unvermeidlich sind. Gottseidank ist es in Summe nicht ganz so hoch nötig gewesen, wie er es uns gestattet hätte.

Klein: Es gab es ja auch schon vor Corona immer wieder Gerüchte und auch Anzeichen dafür, dass das Musical-Geschäft längst aus der Goldgräberzeit raus ist. Stage Entertainment hat sich ja auch verkleinert. Theater im Revier wie Essen oder Oberhausen sind abgestoßen worden, und die Laufzeiten sind auch auf ein Jahr und manchmal ein bisschen mehr geschrumpft. Haben Sie schon vor Corona rote Zahlen geschrieben?

Jaekel: Haben wir sogar nie. Wir hatten ein einziges Geschäftsjahr seit unserer Gründung im Jahr 2000 mit einer Null abgeschlossen. Das war traurig, aber alle anderen lagen am Ende positiv. Das Genre als solches ist top-gesund. Und was die Laufzeiten betrifft, reicht ein Blick in die Mutterländer des Musicals nach London oder nach New York, wo die überwiegende Anzahl der jeweils circa 40 Theater Shows zwischen sechs Monaten und anderthalb Jahre lang zeigen. Das sind ganz, ganz normale übliche Musicallaufzeiten. Die Shows, die darüber hinaus gehen, sind eher die Ausnahme.

Klein: Jetzt gehen wir zurück auf die Pandemie. Die hat Sie in die roten Zahlen reiten lassen. Kann man das so sagen?

Jaekel: Absolut. Das ist richtig.

Klein: Was heißt das für die Musicalbesucher? Müssen sie mit höheren Preisen rechnen?

Jaekel: Darauf haben wir ganz bewusst verzichtet. Das machen wir nicht. Wir setzen genau da an, wo wir Anfang 2020 aufgehört haben. Keine Preiserhöhungen.

Klein: Wann rechnen Sie, werden Sie wieder schwarze Zahlen schreiben können?

Jaekel: Unsere Annahmen hängen natürlich von von ein paar Parametern ab, die wir immer nicht ganz genau vorhersagen können. Wir nehmen an, dass das am Ende des Kalenderjahres 2022 der Fall sein wird.

Klein: Heute Abend startet in Stuttgart im Palladium-Theater das erste Musical nach rund 19 Monaten Zwangspause. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Jaekel: Tatsächlich ehrlicherweise auf die Premiere heute Abend. Menschen wieder zu sehen, die wir gerne als Premierengäste bei uns schon hatten. Neue Gesichter zu sehen, die neugierig sind auf diese Show, von der sie vielleicht schon soviel gehört haben. Also, dass das Ganze wieder losgeht, ist so erschütternd schön, ich sage es einfach mal so. Es verursacht Gänsehaut. Es zeichnet mir ein riesiges, breites Grinsen ins Gesicht.

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SWR