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Seit dieser Woche können auch die Hausärzte gegen das Coronavirus impfen. Dr. Thomas Heyer aus Stuttgart-Giebel erklärt, wie's funktioniert und was es zu beachten gilt.

Der Stuttgarter Hausarzt Thomas Heyer in seiner Praxis (Foto: SWR, Foto: Sophia Volkhardt)
Der Stuttgarter Hausarzt Thomas Heyer in seiner Praxis Foto: Sophia Volkhardt

Wie mühsam ist der Impfstart bei den Hausärzten?

Dr. Thomas Heyer: Also jeder Anfang ist schwer, auch beim Impfen. Wir sind jetzt aber wirklich sehr froh, dass wir den Impfstoff hier in den Hausarztpraxen haben, dass wir unsere Patienten damit versorgen können. Ich bin allerdings der Meinung, jeder soll sich am Impfen beteiligen können. Wir müssen immerhin mindestens hundert Millionen Impfungen bis zum Herbst durchführen. Da ist jede Hand gefragt. Auch wir sind sehr glücklich und vor allem unsere Patienten, dass wir jetzt hier in den Hausarztpraxen mit dem Impfen starten können.

Wie kommt der Impfstoff zu Ihnen?

Heyer: Der Impfstoff wird uns von unserer lokalen Apotheke geliefert. Diese Apotheke bezieht den Impfstoff aus dem Großhandel und der Großhandel bekommt es dann vom Hersteller geliefert - in diesem Fall von Biontech Pfizer. Der Impfstoff ist ursprünglich bei minus 70 Grad tiefgefroren, wird dann in der Kühlkette ausgeliefert und bei uns dann hier im Kühlschrank bei plus zwei bis plus acht Grad gelagert.

Wie lief die Bestellung?

Heyer: Also, Impfstoffbestellungen sind natürlich eine Routineangelegenheit für uns Hausarztpraxen, weil das tägliches Geschäft ist. Hier läuft der Prozess so ab: Wir bestellen am Dienstag per Rezept Impfstoffe pro Arzt. Dann kriegen wir bis Donnerstag die Rückmeldung von der Apotheke, wieviel Impfstoff wir geliefert bekommen. Und der Impfstoff wird dann in der Regel Montagvormittag ausgeliefert. Durch den Osterfeiertag war das erst heute der Fall.

Wie groß ist die Erleichterung?

Heyer: Wir sind sehr froh. Und vor allem unsere Patienten sind sehr froh, dass sie den weiten Weg in die Impfzentren nicht auf sich nehmen und das doch sehr komplexe Anmeldemanagement dort durchlaufen müssen. Das ist vor allem für ältere Menschen sehr schwierig, weil es häufig internetbasiert ist. Hier können wir die Termine direkt mit dem Patienten ausmachen. Der Patient kann anrufen und vorbeikommen. Von daher ist das für ihn deutlich einfacher.

Wer bekommt den Impfstoff?

Heyer: Wir halten uns sehr strikt an die Priorisierung, die rausgegeben wurde, da eben am Anfang die Impfstoffmenge sehr begrenzt ist. Wir bekommen hier in der Praxis momentan ungefähr 40 Impfstoffdosen für die ganze Woche. Da muss man schon gucken, wer in der Priorisierungsliste ganz oben ist. Wir haben schon Listen im Vorlauf erarbeitet und die Listen arbeiten wir jetzt ab, weil ich der Meinung bin, dass wir so schnell wie möglich die Über-60-Jährigen impfen müssen. Die Impfung für die jüngeren Leute ist jetzt nicht ganz so wichtig, weil dort die schweren Krankheitsverläufe deutlich seltener sind und die Leute auch nicht so häufig in die Klinik müssen wie die Älteren.

Wie bewahren Sie den Impfstoff auf?

Heyer: Der Impfstoff wird in unserem Kühlschrank gelagert. Da ist er fünf Tage lagerbar. An dem Tag, an dem der Impfstoff verimpft wird, wird er vorbereitet. Er muss verdünnt werden. Im verdünnten Zustand ist er dann noch sechs Stunden verwendbar. Und dann wird er in kleine Spritzen aufgezogen. Man verabreicht beim Biontech Pfizer-Impfstoff 0,3 Milliliter pro Impfling. In der Spritze ist er dann zwei Stunden lagerbar - also genau die richtige Zeit für einen Hausbesuch.

Wie reagieren die Patienten dann?

Heyer: Ja, die Menschen sind sehr, sehr glücklich. Sie warten auf den Impfstoff. Die meisten haben auch verstanden, dass Impfen die einzige Lösung im Moment ist, um das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Die Menschen sind extrem dankbar dafür und freuen sich und viele rufen selber an, sind hier in der Praxis vor Ort, schreiben uns E-Mails, fragen, wann geht's endlich los. Also, die Leute sind wirklich sehr heiß auf den Impfstoff.

Wie werden die Impfungen in Zukunft laufen?

Heyer: Die Planung ist der Impfstoff-Knappheit geschuldet. Wenn genügend Impfstoff zur Verfügung ist, dann läuft das so ähnlich wie bei der Grippeimpfung im Tagesgeschäft nebenher. Das einzige Problem bei der Coronavirus-Impfung ist, dass Sie die Impfung zweimal verabreichen müssen. Das heißt: Es ist schon ein deutlicher logistischer Mehraufwand für die Arztpraxen als bei der Grippeimpfung. Auch die Impfstoffherstellung ist deutlich aufwendiger als bei der Grippeimpfung.

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