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Schon vor der ersten virtuellen Hauptversammlung der Daimler AG war klar, die Corona-Krise hat den Stuttgarter Autobauer hart getroffen. Nun musste Daimler-Chef Källenius den Anlegerinnen und Anleger erklären, dass der Konzern noch mehr sparen muss. Dennoch bleibt er optimistisch.

Für Ola Källenius war es eine Premiere: Zum ersten Mal hat er als Daimler-Chef an einer Hauptversammlung teilgenommen und die Aktionärinnen und Aktionäre auf schwierige Zeiten eingestimmt. Schon vor Corona lief es nicht rund für Daimler, dem der Dieselskandal, der Wandel zur E-Mobilität und hohe Kosten zu schaffen machen. Corona hat viele Probleme jetzt noch verschärft.

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Proteste in Stuttgart-Vaihingen

Während die Hauptversammlung vor den Bildschirmen der Anteilseigner ablief, versammelten sich Mitglieder mehrerer Aktionsbündisse vor dem Mercedes-Benz-Global-Training-Centre in Stuttgart-Vaihingen. Sie forderten unter anderem das Wegfallen der Dividende für Daimler-Aktionäre.

Gemeinsam mit @Krit_Aktionaere, Ohne Rüstung Leben, @BUNDjugend & @Attacd fordern wir heute in #Stuttgart: Stopp den Export von Militärfahrzeugen, @Daimler! Raus aus dem SUV-Klimawahnsinn! Verkehrswende bei #Daimler - jetzt! #Daimlerprotest 📸Roland Hägele https://t.co/iMCG7J2whx

Niedrigere Dividende für die Daimler-Anteilseigner

Die Dividende wird zwar ausbezahlt, sie fällt aber eher mager aus: Aufsichtsrat und Vorstand von Daimler haben 0,90 Euro pro Aktie vorgeschlagen. Das sind 2,35 Euro weniger als im Vorjahr. Trotzdem fanden manche Aktionäre das noch zu viel: Angesichts der Corona-Pandemie halten sie es für besser, auf eine Ausschüttung zu verzichten und das Geld lieber im Unternehmen zu belassen.

Der Aktienkurs der Daimler AG ist zwischenzeitlich um bis zu 60 Prozent eingebrochen. (Foto: SWR)
Turbulente Zeiten für die Daimler-Aktie. Zu Corona-Hochzeiten hatte die bis zu 60 Prozent an Wert verloren.

Dennoch wurde der Vorstand mit 96,6 Prozent der Stimmen deutlich entlastet. Nicht so der Aufsichtsrat, für dessen Entlastung es mit 88,45 Prozent Ja-Stimmen bei 11,55 Prozent Ablehnungen eine relativ geringe Zustimmung gab. Die Aktionäre kritisierten seine Arbeit vor allem wegen des Diesel-Abgasskandals bei der Pkw-Sparte Mercedes-Benz. Personell wird das Gremium künftig von Telekom-Chef Timotheus Höttges verstärkt. Er wurde mit 80 Prozent Zustimmung neu in den Daimler-Aufsichtsrat gewählt, wie Aufsichtsratschef Manfred Bischoff mitteilte.

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Bestes Quartal für Mercedes-Benz Cars in China

Die Autosparte von Daimler Mercedes-Benz Cars verkaufte in den ersten sechs Monaten fast 20 Prozent weniger Autos. Konzernchef Källenius aber gab sich trotzdem optimistisch: Zuletzt habe die Sparte bereits wieder etwas Boden gut gemacht und in China beim Absatz das bisher beste zweite Quartal erzielt. Sobald die Nachfrage anziehe, könne man die Produktion schnell und effizient wieder erhöhen, so Källenius bei der Hauptversammlung.

Allerdings rechnet Daimler für den Gesamtkonzern mit einem Verlust für das zweite Quartal, auch der Umsatz werde deutlich zurückgehen. "Ich denke, wir sind uns einig: Die jüngsten Ergebnisse, auch schon vor Corona, werden diesem stolzen Unternehmen nicht gerecht", räumte Källenius ein. "Daimler kann mehr. Und wir sind entschlossen zu liefern", versprach der Schwede den Aktionären.

Ohne weitere Maßnahmen zur Stärkung der Effizienz - sprich: Sparen - komme Daimler allerdings nicht aus. "Unsere bisherigen Effizienzziele haben die bevorstehende Transformation abgedeckt, aber nicht eine weltweite Rezession", sagte Källenius. Und nun komme Corona als "zusätzliche Last" hinzu, mit Auswirkungen, die immer noch nicht absehbar seien. "Deswegen müssen wir noch zusätzliche Anstrengungen unternehmen", sagte Källenius. Diese seien auch notwendig, um Investitionen finanzieren zu können. Deswegen will das Unternehmen an seinem Sparprogramm festhalten und nachschärfen, so Källenius.

Källenius Elektro-Strategie: "Electric First!"

Unzufriedene Anleger und Investoren bemängeln unter anderem, das Unternehmen habe den Wandel zur Elektromobilität verschlafen. Daimler ist spät in das Thema E-Mobilität eingestiegen, insgesamt sollen noch dieses Jahr fünf vollelektrische Autos und 26 Plug-in-Hybride auf dem Markt sein. Der Konzern ist auf die E-Autos angewiesen, um die hohen CO2-Werte in der Flotte schnell zu senken, denn sonst drohen Strafzahlungen der EU. Aber der Wandel hin zu E-Mobilität und die Digitalisierung kosten viel Geld - 2019 hat das Unternehmen 9,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert. So viel wie nie. Und auch 2020 will Källenius investieren - trotz Corona.

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