Interview

Direktmandat in Stuttgart verloren, und jetzt? CDU-Politiker Stefan Kaufmann vor ungewisser Zukunft

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Stefan Kaufmann (CDU) muss sich nach einer deutliche Wahlniederlage aus dem Bundestag verabschieden. Auch über die Landesliste reicht es nicht für ihn. Was tun, wenn der Job weg ist?

SWR: Herr Kaufmann, Sie haben über den Zeitraum von zwölf Jahren den Wahlkreis Stuttgart I im Bundestag vertreten. Jetzt am vergangenen Sonntag haben Sie Ihr Direktmandat an ihren Grünen-Konkurrent Cem Özdemir verloren. Und seit Montag ist auch klar, dass Sie auch nicht über die Landesliste in den neuen Bundestag einziehen werden. Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Stefan Kaufmann: Ja, dass es über die Landesliste nicht geht, war ja relativ klar. Ich bin natürlich enttäuscht. Ich hatte allerdings auch mit einer Niederlage gerechnet – dass die jetzt natürlich so deutlich ausfällt, schmerzt schon, das ist keine Frage.  Aber mir geht es gut. Ich bin aufgeräumt und schaue nach vorne.

Sie haben bereits in einer ersten Reaktion am Sonntagabend gesagt, dass ihre Wahlkreisarbeit wohl nicht so geschätzt wurde. Nimmt man so was persönlich?

Ich versuchte das natürlich nicht persönlich zu nehmen. Ich habe viel Zuspruch aus der Bürgerschaft bekommen, die mir geschrieben hat die letzten zwei Tage. Ich kann es nicht persönlich nehmen, weil am Ende entspricht es doch dem Bundestrend – die Grünen sind in Stuttgart in meinem Wahlkreis extrem stark, die CDU ist schwach, wir haben deutlich verloren. Und Cem Özdemir war letztes Mal schon zehn Prozent über dem Zweitstimmenergebnis in meinem Wahlkreis, also insoweit: Es ist der Bundestrend, es waren andere Faktoren. Aber dennoch würde man sich natürlich freuen, wenn sich in dem Wahlergebnis mehr die Arbeit von zwölf Jahren abbilden würde.

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Jetzt haben sie bekannt gegeben, sie würden noch überlegen, was sie künftig machen werden. Aber ihren alten Job als Rechtsanwalt wollen Sie nicht mehr antreten. Haben Sie denn schon Jobangebote bekommen? Jetzt, da alle wissen, dass Sie wieder frei sind?

Ja, ich bin ja in der Kanzlei noch mit dabei. Aber in der Tat habe ich mich in den letzten 15, 16 Monaten sehr stark auf das Thema Wasserstoff und Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft spezialisiert, habe mir da denke ich bundesweit Anerkennung verschafft und entsprechend kommen auch schon erste Anfragen in diese Richtung. Ich habe also überhaupt keine Sorge, was meine persönliche Zukunft angeht. Aber ich sage natürlich schon, dass ich gerne im politischen Kontext weiterarbeiten würde. Ich würde gerne die Ziele, die ich jetzt habe, auch für die Verbindung von Klimaschutz und Wirtschaft durch Wasserstoff auch im politischen Kontext umsetzen. Jetzt muss man einfach schauen, was für Optionen es gibt. Ich bin ja noch bis auf weiteres Innovationsbeauftragter zu grünem Wasserstoff im Bundesministerium. Und die nächsten Monate werden jetzt zeigen, was sich da jetzt weiter ergibt. Also ich bin da sehr zuversichtlich. Das Thema ist für mich klar. Es ist nur die Frage, in welchem Kontext ich an der Zukunft unseres Landes weiter arbeite.

Der Sonntag war nicht nur ein harter Einschnitt für Sie, sondern auch für die CDU als Partei. Wo sehen Sie die Union künftig? In oder außerhalb einer Regierung? Und was davon würde der Partei gut tun?

Hm… Oppositionszeit ist natürlich immer schwierig, keine Frage. Und mit einem Kanzler Scholz könnte das auch eine längere Zeit werden. Deshalb verstehe ich natürlich alle, die jetzt in eine Jamaika-Koalition drängen. Auf der anderem Seite war die Niederlage entsprechend klar und der Auftrag zur Regierungsbildung liegt zunächst bei der SPD Richtung Ampelkoalition. Aber wir stehen bereit, das finde ich wichtig, das auch so zu formulieren. Wir haben Gesprächsangebote gemacht. Die Jamaica-Koalition hätte ich mir vor vier Jahren gut vorstellen könne. Ich glaube, da gibt es viele gemeinsame Schnittpunkte: gerade auch bei diesen wichtigen Zukunftsthemen Dekarbonisierung und Digitalisierung. Also wenn am Ende die Ampel nicht funktioniert, dann wäre Jamaika sicherlich eine gute Option. Jetzt schauen wir mal, wie die Parteispitzen in den nächsten Wochen verhandeln. Ich könnte zwar gut mit Jamaika leben, denke aber, dass es eher auf eine Ampel hinausläuft.

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