Premiere an der Oper

Wagner in Stuttgart: eine neuer "Ring" an der Oper

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An der Oper Stuttgart hat am Sonntag Richard Wagners "Das Rheingold" Premiere gefeiert - als Beginn der Ring-Tetralogie. Die Oper setzt damit die Wagner-Tradition in Stuttgart fort.

Mit "Das Rheingold" hat die Neuinszierung von Wagners "Ring des Nibelungen" begonnen , die am 29. Januar 2023 mit der Premiere von "Götterdämmerung" endet. Das"Ring"-Projekt wird von einer ganzen Reihe von Veranstaltungen begleitet.

Stuttgart: das Winter-Bayreuth

Stuttgart hat eine ganz besondere Verbindung zu Bayreuth. Die Landeshauptstadt war zwölf Jahre lang - von 1954 bis 1966 - sozusagen eine Experimentierbühne für die Wagner-Hauptstadt Bayreuth. Enkel Wieland Wagner inszenierte in diesen Jahren regelmäßig in Stuttgart. Immer im Winter, denn im Sommer kehrte er nach Bayreuth zurück. Dieser Zeit widmet sich aktuell die Ausstellung im Stuttgarter Stadtpalais "Winter-Bayreuth".

Fluchtort Stuttgart: Richard Wagner im Hotel Marquardt

Aber nicht nur der Enkel, sondern auch Richard Wagner selbst hat Bezüge zu Stuttgart, wo er mehrfach war. An ein besonderes Ereignis wird im Rahmenprogramm zur aktuellen Inszenierung von "Rheingold" erinnert. Im Jahre 1884 musste Richard Wagner vor seinen Gläubigern fliehen und kam im damaligen Hotel Marquardt in Stuttgart unter, wo er gleich zwei der teuersten Zimmer mietete. An dieses Stuttgarter Intermezzo wird im kommenden Mai im Marquardtbau erinnert. Das Gebäude wird kurzerhand noch einmal zur "Wagner-Residenz" ernannt. Unter dem Titel "Hotel Utopia" wird es künstlerische Performances, Diskussionsrunden, Musik und Film geben. Im Württembergischen Kunstverein wird es am 209. Geburtstag von Richard Wagner einen Wagner-Maskenball geben.

Stuttgarter Oper: erbaut nach dem Vorbild von Bayreuth 

Im Stuttgarter Opernhaus sitzen nicht nur Musiker und Musikerinnen im Orchestergraben, die zum Bayreuther Festspiel-Orchester gehören. Auch der Orchestergraben selbst und der Zuschauerraum sind ganz nach dem Vorbild von Bayreuth gebaut worden: Der Orchestergraben ist mit 2,70 Metern besonders tief, die Sitzreihen sind ansteigend gebaut, "was dazu führt, dass die Zuschauer die Bühne ganz besonders nah erleben", sagt der Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister. Die Wagner-Euphorie dieser Jahre hatte offensichtlich auch Architekt Max Littmann ergriffen.

Die lange Tradition künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners findet sich unterdessen auch im Notenarchiv der Oper. Cornelius Meister hat diese Noten, die Spuren unzähliger Aufführungen aus den letzten Jahrzehnten zeigen, wieder hervorgeholt. Der Generalmusikdirektor dirigiert alle vier "Ring"-Abende und ist damit die einzige Konstante dieses Experiments.

Vier "Ring"-Abende – sechs Regieteams

Opernintendant Viktor Schoner nimmt ganz bewusst Bezug auf den Ring der Jahrtausendwende. Der damalige Opernintendant Klaus Zehelein wagte erstmals das Experiment, jeden Abend der "Ring"-Tetralogie an ein anderes Regieteam zu vergeben. Im neuen "Ring" geht man noch einen Schritt weiter. So wird jeder der drei Akte der "Walküre" von einem anderen Regieteam gestaltet.

Den Anfang macht der Stuttgarter Regisseur Stephan Kimmich

Am Sonntag feierte "Das Rheingold" Premiere. Regisseur ist Stephan Kimmich, mehrfach ausgezeichnet mit dem Theaterpreis Faust. Er ist Hausregisseur am Deutschen Theater Berlin und ein gebürtiger Stuttgarter.

"Die Stuttgarter Oper hat meine Theaterleidenschaft geweckt."

Schon im Alter von 14 Jahren hat es Stephan Kimmich zur Stuttgarter Oper gelockt. Er war damals Statist und verbrachte an die 20 Abende im Monat in der Oper. Für ihn ist es etwas ganz Besonderes an diesem Haus zu inszenieren. Es beflügele ihn extrem, hier in Stuttgart zu arbeiten.

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