Ein "virtueller Bürgerrat" debattiert unter wissenschaftlicher Begleitung aus Stuttgart zehn Tage lang , wie die Folgen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI) gesehen werden. (Foto: dpa Bildfunk, Hendrik Schmid)

Wissenschaftsprojekt der Hochschule der Medien und der Uni Stuttgart

Virtueller Bürgerrat debattiert über die Folgen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz

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Welche Folgen hat der Einsatz von Pflegerobotern und Künstliche Intelligenz bei der Einstellung von neuem Personal? Das ist Thema eines Stuttgarter Wissenschaftsprojekts.

An der Uni Stuttgart und der Hochschule der Medien hat am Montag das Projekt "Virtueller Bürgerrat" begonnen. Dabei geht es um die Folgen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz, kurz KI. Zwei Fragekomplexe werden von über 200 zufällig ausgewählten Menschen zehn Tage lang in Internet-Foren diskutiert. Auf diese Weise sollen neue Einsichten in den demokratischen Prozess des Debattierens gewonnen werden. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium mit 70.000 Euro unterstützt.

"Die Fragestellung ist: wie sind die Sichtweisen auf KI 'von unten'? Wie sehen Bürgerinnen und Bürger auf KI, wenn sie die Möglichkeit gehabt haben, mit anderen und Expertinnen und Experten zu diskutieren?"

Rückmeldung an die Gesellschaft und die Politik

Ziel des Experiments sei es - so der Professor für digitalen Nachrichtenjournalismus Alexander Mäder von der Hochschule der Medien - in den kommenden zwei Wochen durch Fragestellungen der Teilnehmer, Diskussion mit Experten und Moderation der Studierenden, Empfehlungen oder zumindest Problemstellungen an die Politik und die Gesellschaft weiterleiten zu können, die für die künftige Regulierung von Künstlicher Intelligenz wichtig sind.

Videokonferenz mit vielen Mitgliedern eines Bürgerrates.  (Foto: SWR)
Virtueller Bürgerrat (Symbolbild)

KI für die Einstellung neuer Mitarbeiter?

Die Wissenschaftler lassen dazu zwei Bereiche für die Diskussionen untersuchen: ihre Studierenden sollen mehr als 200 zufällig ausgewählte Menschen beobachten, wie sie mit dem "virtuellen Bürgerrat" umgehen - und gegebenenfalls moderierend eingreifen. Dazu können die Studienteilnehmer über eine virtuelle Plattform auf Pro und Contra-Ansätze reagieren und eigene Beiträge, Beispiele und Fragestellungen einbringen.

Dabei geht es zum einen um den Einsatz von KI bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern in Unternehmen. Werden dadurch Personalchefs bei der Suche nach neuen Fachkräften überflüssig? Oder kann es ein Vorteil sein, durch zusätzliche Datenverarbeitung bessere Ergebnisse bei der Personalsuche zu erzielen?

Pflegeroboter oder pflegende Menschen?

Eine zweite Fragerunde behandelt den Einsatz von Robotern in der Pflege und in der Betreuung. "Wollen wir wirklich am Lebensende - statt mit einer menschlichen Pflegekraft - mit einem Roboter, der beispielsweise das Aussehens einer Plüsch-Robbe hat und die man in den Armen hält, über persönliche und medizinische Probleme diskutieren? Wieviel Arbeit soll ein Roboter einer Pflegekraft abnehmen können? Solche und ähnliche Fragen sollen von den Teilnehmenden an dem Experiment debattiert werden.

Japanischer Pflegeroboter in Robben-Form (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Erfunden wurde die flauschige Pflegerobbe in Japan picture-alliance / dpa -

Ergebnisse werden Mitte Juli präsentiert

Das Demokratie-Experiment ist Teil des Projekts "Fragen an KollegIn KI", einem Projekt der Universität Stuttgart (Interchange Forum for Reflecting on Intelligent Systems, IRIS, Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung, IZKT) und der Hochschule der Medien in Kooperation mit der Stadtbibliothek Stuttgart. Am 12.Juli sollen die Ergebnisse des virtuellen Bürgerrats in der Stadtbibliothek Stuttgart öffentlich vorgestellt werden.

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