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Kein Job, kein Geld, Einsamkeit: Laut Stuttgarter Telefonseelsorge melden sich immer mehr junge Menschen per Chat oder Mail, die Hilfe suchen. Woran liegt das?

Die mobile Startseite der evangelischen Telefonseelsorge Stuttgart. (Foto: SWR)
Der Online-Auftritt der Telefonseelsorge Stuttgart ist auch eine Anlaufstelle für immer mehr junge Menschen. Die Themen sind andere als am Telefon.

Die Online-Beratung bei der Telefonseelsorge Stuttgart war 2020 so gefragt wie nie: Während die Zahl der Anrufe etwa gleich blieb, stieg die Zahl der Chat-Kontakte um etwa 38 Prozent auf 1.822 Beratungen bei den beiden Angeboten der evangelischen und katholischen Kirche. Die E-Mail Beratungen sind ebenfalls gestiegen, wenn auch nur leicht, auf 1.908 Mails, im Vorjahr waren es 1.805 .

Welche Rolle spielte die Corona-Pandemie bei der Beratung?

In fast jedem Gespräch tauchten die Folgen der Corona-Pandemie mindestens am Rande auf, so die Leiterin der katholischen Telefonseelsorge "Ruf und Rat" Gabriele Stark. Ob damit auch ein Anstieg der Kontakte zusammenhängt, ließe sich zwar nicht sagen, doch besonders die Situation der jungen Menschen sei in der Pandemie sehr schwierig. Diese nutzten 2020 vermehrt die Online-Angebote. 65 Prozent der Nutzer waren unter 30 Jahre alt. Im Vergleich: Bei der telefonischen Anlaufstelle waren fast alle Anrufer über 40 Jahre alt.

Depressionen, Ängste, Einsamkeit und vor allem Suizid

Die häufigsten Gesprächsthemen waren vergangenes Jahr Depressionen, Ängste und Einsamkeit. Besonders im Fokus stand bei den jungen Menschen außerdem das Thema Suizid. Dieses wurde in fast jedem dritten Gespräch behandelt. Gegenüber 2019 hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Im klassischen telefonischen Seelsorge-Angebot spielte das Thema Suizid im vergangenen Jahr nur in 2,7 Prozent der Fälle eine Rolle.

"Ich weiß nicht weiter. So, wie es gerade aussieht, habe ich mich mit meinem Studium ins Aus geschossen. Kein Job – kein Geld. Für immer im Kinderzimmer. So sieht meine Perspektive aus. Ich treffe seit Monaten meine Freunde nur online, um mich ja nicht anzustecken."

Insgesamt gab es im Jahr 2020 bei den Annahmestellen 36.453 Anrufe. 112 ehrenamtliche Helfer nehmen bei der evangelischen Telefonseelsorge die Anrufe, Chat-Nachrichten und Mails entgegen. Bei der katholischen Telefonseelsorge "Ruf und Rat" sind es weitere 59 Mitarbeiter. Sie versuchen, Menschen bei ihren Sorgen und Problemen durch Zuhören und Gespräche zu helfen.

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