Die neue Firmenzentrale von Teamviewer am Göppinger Bahnhof. (Foto: Pressestelle, TeamViewer)

Ungewöhnliches Angebot

Aus Rathaus wird Firmensitz: Teamviewer stellt neue Unternehmenszentrale in Göppingen vor

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Eigentlich wäre der Bezug eines neuen Firmengebäudes keine besondere Nachricht. Doch wie das Göppinger Software-Unternehmen Teamviewer zu seiner neuen Zentrale kam, ist mehr als ungewöhnlich.

Stolz führten die Verantwortlichen des IT-Unternehmens Teamviewer am Mittwoch durch die Räumlichkeiten in der neuen Firmenzentrale direkt am Göppinger Bahnhof. Neben modernen Büroflächen auf rund 8.500 Quadratmetern stehen den mehr als 600 Mitarbeitenden dort auch ein Fitnessraum, Spielekonsolen, Tischkicker, Billardtische und zwei Dachterassen zur Verfügung. Wegen der Corona-Pandemie hatte der Bezug des Gebäudes vor einem Jahr nach Unternehmensangaben nur in kleiner Besetzung stattgefunden, seit September seien die Beschäftigten wieder mehr vor Ort, daher auch jetzt erst die öffentliche Vorstellung.

Das neue Teamviewergebäude liegt direkt am Bahnhof in Göppingen. (Foto: SWR, Philipp Pfäfflin)
Das neue Teamviewergebäude liegt direkt am Bahnhof in Göppingen. Philipp Pfäfflin

Verkauf des Verwaltungszentrums unter früherem OB Till eingefädelt

Eigentlich hätte das schicke neue Firmengebäude am Bahnhof das neue Verwaltungszentrum der Stadt Göppingen werden sollen, auch Rathaus II genannt. Gleichzeitig war das in Göppingen gegründete IT-Unternehmen Teamviewer auf der Suche nach einer größeren Firmenzentrale. Und so landete der damalige Göppinger Oberbürgermeister Guido Till (CDU) einen Coup: Nachdem die Kreissparkasse die Idee hatte, bot er Anfang 2019 dem Unternehmen, das durch seine Fernwartungssoftware für Computer bekannt geworden ist, das noch im Bau befindliche städtische Verwaltungszentrum an. "Wir machen das deswegen, weil wir wissen, wo der Wohlstand in unserer Stadt herkommt", erklärte Till damals. "Und wenn wir überlegen, dass wir doppelt so viele Einpendler haben wie Auspendler, dann kann man sich ungefähr vorstellen, dass wir alles daran setzen, dass wir diese Bedeutung auch in der Stadt behalten."

"Wir sind der Stadt sowie der Kreissparkasse Göppingen sehr dankbar, dass sie uns die Möglichkeit eröffnet haben, in dieses Gebäude zu ziehen."

Gesagt, getan: Im Februar stimmte der Göppinger der Gemeinderat dem Vorschlag zu. Im Mai wurde das Verwaltungszentrum an einen Investor, die örtliche Kreissparkasse, verkauft, die das Gebäude nun an Teamviewer vermietet. "Göppingen ist ein attraktiver Standort, und wir sind seit vielen Jahren tief in der Region verwurzelt", erklärte der Vorstandsvorsitzende von Teamviewer Oliver Steil am Mittwoch.

Ungewöhnliche Arbeitsplätze bei Teamviewer in Göppingen. (Foto: SWR, Philipp Pfäfflin)
Ungewöhnliche Arbeitsplätze bei Teamviewer in Göppingen. Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Mal kurz vom Büroplatz aufstehen und Gymnastik für den Rücken machen - auch das bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitenden an. Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Einblick in die neuen Teamviewer-Büros in Göppingen. Es gibt außerdem zum Beispiel auch Tischkicker, Billardtische und zwei Dachterassen. Pressestelle TeamViewer Bild in Detailansicht öffnen
Fitnessraum direkt neben den Büros Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Platz zum Zusammensitzen und Essen in der Firmenkantine Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen

Der neue Oberbürgermeister der Stadt Göppingen, Alexander Maier (Grüne), bezeichnete den Verkauf des Verwaltungszentrums an die Kreissparkasse und die Vermietung an Teamviewer als "ungewöhnlichen Vorgang". Und weiter: Teamviewer sei das "heißeste IT-Unternehmen Europas". Das IT-Unternehmen habe außerdem eine "Riesen Bedeutung für die Stadt Göppingen, als Gewerbesteuerzahler zum einen, aber auch um hier den Innovationsgeist zu fördern." OB Maier nannte die Software-Firma einen "Leuchtturm, wo sich drumherum etwas ansiedeln kann".

Kein Ersatz für städtisches Verwaltungszentrum in Göppingen gefunden

Während sich die Stadt Göppingen vor zwei Jahren unter Alt-OB Till noch zuversichtlich gezeigt hatte, schnell einen Ersatzstandort für das verloren gegangene Verwaltungszentrum zu finden, klingt das jetzt aus dem Mund von OB Maier ganz anders. So wie es aussieht, müssen die städtischen Mitarbeitenden noch eine ganze Weile auf ein neues Gebäude warten. "Wir versuchen das jetzt zu lösen, indem wir nach neuen Standorten gucken. Das dauert alles ein bisschen länger, das stimmt", so Maier. Es sei eben nicht so, dass es in Göppingen Stadtmitte viele freie Areale gebe. "Das müssen wir uns jetzt anschauen und wollen dann nächstes Jahr, möglichst früh, eine Entscheidung treffen. Und dann muss man planen und bauen und das dauert natürlich aber auch noch seine Zeit."

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